Freiraum in der Partnerschaft - Vorzüge sowie Probleme, wenn der Wunsch nach mehr Nähe besteht

Von Mensch zu Mensch ist das Zusammensein in einer Partnerschaft anders geklärt: Während die einen sich abends sehen, die anderen sich tagsüber mehrfach anrufen so gibt es auch diejenigen, die sich mal einen Tag nicht hören und trotzdem aneinander denken und diejenigen, die sich spontan entscheiden, wann sie sich sehen und ob sie bei dem einen oder dem anderen übernachten. Freiräume in der Beziehung - manchmal können sie aber auch zu Problemen führen. Lesen Sie, welche Vorzüge der Freiraum in der Partnerschaft bringt und welche Probleme auftreten können, wenn der Wunsch nach mehr Nähe besteht.

Warum kleine Auszeiten neue Anstöße für die Beziehung bieten können und warum Freiräume auch fälschlicherweise als negativ verstanden werden können

In einer Partnerschaft kann der Zeitpunkt früher oder später kommen, an dem einer der Partner beginnt, sich Freiraum zu erbitten oder den anderen Partner animiert, auch Zeit mit anderen Personen wie Freunden oder Familie zu verbringen. Der angesprochene Partner kann sich mit dieser Idee überfahren und vor dem Kopf gestoßen fühlen und verunsichert sein oder gar beleidigt, weil er nicht weiß, ob der Partner ihn nicht mehr um sich haben möchte und er nicht mehr geliebt wird.

Woraus der Wunsch nach Freiraum entsteht

Der Wunsch eines Beziehungsparts nach eigenem Freiraum oder dem Vorschlag, dass der Partner auch mal Verabredungen eingehen soll, kommt aus einem tiefen Gefühl heraus: Dem Gefühl der tiefen Verbundenheit zum Partner und dem Wunsch, ab und an Zeit für sich und anderen Menschen oder Aktivitäten zu haben und damit auch die Möglichkeit zu ergreifen, Verhaltensmuster zu brechen, wie zum Beispiel das allabendliche Herumliegen vor dem Fernseher.

Angst durch Misstrauen

Es gibt Menschen, die sich in einer Partnerschaft gegen Veränderungen sträuben - die regelrecht Angst davor haben, dass ein Tages- oder ein Abendablauf sich verändern könnte. Vor allem diese Menschen sind es, die misstrauisch auf die Offerte des Partners reagieren, wenn es darum geht, Zeit anders einzuteilen und nicht jede freie Minute im partnerschaftlichen Miteinander zu verbringen.

Veränderungen zulassen

Gehen Sie auf die Bitte Ihres Partners ein, auch wenn es Ihnen anfangs schwer fallen wird. Sie müssen sich nicht mit anderen Menschen verabreden, wenn Ihnen nicht danach ist.

Geben Sie aber Ihrem Partner Freiraum. Vor allem für Paare, die in langjährigen Beziehungen leben, ist es wichtig, sich auch ab und an ohne den anderen Zeit zu verbringen und sich dabei nicht unvollständig oder allein zu fühlen.

Eine Beziehung soll nicht dazu führen, dass zwei Individuen abhängig voneinander werden, sondern das Leben des Einzelnen bereichern. Geben Sie also sich und Ihrem Partner Freiräume und erfahren Sie das tiefe Gefühl, sich bedingungslos zu lieben.

Eigene Einstellungen und Wünsche hinterfragen

Finden Sie für sich heraus, was Ihnen fehlt, wenn Ihr Partner nicht wie gewohnt bei Ihnen ist, welche Sorgen Sie haben, welche Sehnsüchte Sie plagen, und kommen Sie mit der Zeit darauf, wie viel Zeit Sie mindestens mit Ihrem Partner zusammen verbringen möchten, um sich weiterhin in Ihrer gemeinsamen Beziehung wohl zu fühlen.

Nutzen Sie die Situation der Veränderung und erfahren Sie, wie Sie in der Beziehung stehen und was für Sie mittlerweile zu einer unabdingbaren Gewohnheit geworden ist. Da Sie Ihren Partner lieben, ist es wichtig, dass Sie ihm zeigen, dass Sie auf seine Bitte eingehen, so lange wie Sie sich selbst einen Überblick darüber verschafft haben, was Sie in der Beziehung diesbezüglich wollen und für sich brauchen.

Kleine Auszeiten können gut tun

Partnerschaften sind eine individuelle Aushandlung und entwickeln sich im besten Fall entsprechend der Bedürfnisse der beiden Partner. In jeder Beziehung kann der Punkt kommen, an dem man sich darüber freut, ein paar Stunden für sich zu verbringen oder einen ganzen Tag ohne den anderen zu sein.

Dabei hat diese Freude nichts damit zu tun, dass man den anderen nicht mehr gerne um sich hat oder liebt. Vielmehr ist dieser mit Freude verbundene Gedanke und die Erleichterung ein klares Zeichen dafür, dass die Beziehung als streckenweise anstrengend empfunden wird.

Vermissen lernen und so die Zweisamkeit mehr wertschätzen

Erfahren Sie das Gefühl, wie es ist, wenn Sie Ihren Partner vermissen, weil er nicht wie sonst um Sie ist und freuen Sie sich umso mehr, wenn Sie Ihren Partner wiedersehen. Verstehen Sie die Zeit ohne den anderen so, dass Sie sich nicht um dessen Bedürfnisse kümmern müssen oder Rücksicht nehmen müssen auf seine Meinung oder das, was er über Sie denkt.

Lernen Sie, sich wieder nur um sich selbst zu kümmern. Auch Ihrem Partner wird diese Erfahrung gut tun. Er wird Sie vermissen und die Zeit mehr zu schätzen verstehen, die Sie dann zusammen verbringen.

Beziehungsprobleme durch Abstand überwinden

Vor allem, wenn Sie sich in einer anstrengenden Beziehungsphase befinden oder diese gerade hinter sich gelassen haben, kann es hilfreich sein, sich Freiräume bewusst einzuräumen und zuzusprechen. Auf diese Weise können sich beide Partner schneller wieder mit frischer und positiver Energie aufladen und unbeschwert in den Beziehungsalltag zurückkehren. Halten Sie einander nie aus, sondern sorgen Sie stets dafür, dass Sie sich immer wieder mit neuen Kräften aufbauen und damit die Beziehung lebensfähig und lebendig machen.

Räumliche Distanz als Zeichen von Vertrauen

Das Verbringen von ein paar Stunden oder Tagen ohne den Partner bedeutet, dass man sich in der Partnerschaft tief verbunden fühlt und keine Unsicherheit in sich trägt, durch ein paar Tage ohne den anderen die Partnerschaft in Frage zu stellen. Dem Partner Freiräume zu eröffnen oder zu überlassen, sind große Geschenke im Rahmen einer Partnerschaft.

Es sind keine steten Beweise erforderlich, um die Liebe zum anderen deutlich zu machen oder fortwährend derselbe Beziehungsalltag zu leben. Räumliche Distanz bringt keine In-Frage-Stellung der Beziehung mit sich, sondern zeigt vielmehr das tiefe Vertrauen und die tiefe Verbindung innerhalb der Beziehung auf.

Die Auszeit nutzen

Reagieren Sie nicht über, wenn sich Ihr Partner weniger meldet oder auch mal ein bis zwei Tage für sich verbringt. Lassen Sie ihm seinen Freiraum und gestalten Sie die Ihnen ebenfalls geschenkte Zeit zu Ihrem Vorteil:

Genießen Sie die Zeit für sich und freuen Sie sich, wenn Sie an Ihren Partner denken. Räumlicher Abstand kann für Beziehungen sehr belebend sein und eingefahrene Verhaltensmuster bewusst machen und Änderungen einleiten.

Neue Anstöße für die Beziehung

Verschaffen Sie sich einen Überblick über Ihr Beziehungsleben und fragen Sie sich, ob Sie glücklich sind und gerne in der Beziehung leben und was Sie gerne ändern oder beibehalten wollen.

Nutzen Sie die Zeit und besuchen Sie Ihre Großeltern oder Ihre Eltern. Unternehmen Sie einen Kurztrip und besuchen Sie Freunde, die weiter weg wohnen.

Machen Sie sich die Zeit ohne Ihren Partner so bunt wie möglich und lassen Sie den Gedanken, dass Ihr Partner sich von Ihnen oder Sie sich von Ihrem Partner entfernen, nicht zu. Machen Sie sich klar, dass Sie Ihren Partner lieben und Ihn deshalb nicht jeden Tag um sich haben müssen, um sich dieser Liebe bewusst zu sein.

Freiräume sind also wichtig für eine funktionierende, harmonische Beziehung - doch nicht jeder kann damit umgehen...

Wenn der gewünschte Freiraum beim anderen Partner zum Problemm wird

Partnerschaften können schnell an den Punkt kommen, in denen sich der eine weniger geliebt fühlt. Vor allem bei Menschen, die in Beziehungen oder in ihrem Aufwachsen schlechte Erfahrungen gemacht haben oder zu wenig Liebe und Zuwendung bekamen, kann das Thema Nähe schnell zu einer persönlichen Krise führen.

Eine Partnerschaft kann ungeahnte Herausforderungen bieten. Eine der häufigsten Herausforderungen findet sich darin, dass man sich dem Partner so nahe fühlt und fühlen möchte, dass man nahezu jede freie Minute mit ihm verbringen möchte.

In der Anfangsphase der Partnerschaft ist es oftmals ein Leichtes, bei dem Partner auf Einvernehmen zu treffen. Kritisch wird es dann, wenn der Partner sich mehr und mehr seinen eigenen Aktivitäten zuwendet und das eigene Bedürfnis nach unentwegter Nähe nicht mehr wie sonst sichtbar macht.

Im Laufe einer Partnerschaft gibt es verschiedene Phasen unterschiedlicher Länge, je nach Mensch und Lebenssituation. Oft sind es die schwächeren Anteile in einem, die dem Gefühl der Liebe nachsehnen, sobald sich der Partner mehr Freiräume nimmt.

Freiräume positiv verstehen

Dabei bedeutet die Hinwendung zu eigenen Themen in keinster Weise, dass man den anderen nicht mehr oder weniger liebt. Im Gegenteil, man empfindet eine starke und tiefe Liebe und ist so gesättigt mit der Liebe des anderen, dass man die Freiheit empfindet, sich auch anderen Themen zuwenden zu wollen. Sehen Sie diese Entwicklung sehr positiv an und versuchen Sie für sich zu ergründen, warum Ihr Gefühl so stark ist, Ihren Partner weiterhin so nah um sich zu haben und vor allem von Ihm die ständige Bestätigung zu erfahren, dass er Sie ebenso gerne nah bei sich hat wie Sie ihn.

Verlustgefühl überwinden lernen

In einer Partnerschaft kommt die Phase, in der man souveräner mit dem Gefühl der Liebe umgeht und wieder Raum für anderes zulässt und das auch möchte. Es ist ein natürlicher Lauf, dass die Zeit der Liebe von der Zeit der täglichen Versorgung, der Verantwortung und der Lebensgestaltung umrahmt wird.

Viele Menschen haben das Gefühl, ab dem Tag einen Verlust zu erleiden, an dem der Partner sich anfängt, auf gesunde Art und Weise vom anderen zu lösen, um seine Kräfte in Arbeit, Freunde, Familie und andere Themenbereiche einzubringen. Die Angst, dass sie diesen Verlust aus eigenen Kräften heraus nicht mehr auffüllen können, befällt das Gemüt.

Mit dem Partner sprechen

Für diese Menschen ist es schwer, ihrem Partner keine Szene zu machen oder das Thema wiederkehrend als Beziehungsproblem anzusprechen. Der Partner kann aus seiner Perspektive nicht immer viel mit den Vorwürfen anfangen und fühlt sich gefangen, in der Rechtfertigungspflicht oder einfach bevormundet.

Da Sie das Bedürfnis haben und sich somit an Ihren Partner wenden, ist es wichtig, dass Sie sich zuvor bewusst machen, dass es keine Grundlage für einen Vorwurf gibt, im Gegenteil. Sie haben ein Problem mit dem Verhalten Ihres Partners, was eigentlich eher passiv in seiner Verantwortung liegt.

Aktiv liegt die Lösung bei Ihnen sich bewusst zu machen,

  • was Ihnen fehlt
  • warum es Ihnen fehlt
  • wie Sie Ihrem Partner erklären können, was Sie warum brauchen und
  • entsprechend der Persönlichkeit Ihres Partners bitten, ob er sich vorstellen kann, Ihnen in gewisser Hinsicht entgegenzukommen, damit Sie nicht weiter unter der von Ihnen empfundenen mangelnden Nähe leiden müssen.
Ein offenes Gespräch kann helfen die fehlende Nähe zu überwinden
Ein offenes Gespräch kann helfen die fehlende Nähe zu überwinden

Am eigenen Verhalten arbeiten

Arbeiten Sie an sich, dass Sie nicht dabei bleiben, dass Ihr Partner Ihnen mehr Nähe zeigen muss, sondern, dass Sie selbst schaffen, in absehbarer Zeit das Problem abzuschwächen und Ihrem Partner mit der Zeit die Aufgabe und Verantwortung abnehmen können Ihnen zu liebe etwas regelmäßig zu tun.

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Quellenangaben
  • train passenger © diego cervo - www.fotolia.de
  • Couple going through a rough patch © auremar - www.fotolia.de

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