Brauchtum Artikel
Heia Walpurgisnacht - Wenn die Hexen fliegen
Von Viola Reinhardt
Nur noch wenige Tage und der Brocken werden zum jährlichen Leben erwachen. Mysthisch wird mit der Walpurgisnacht der Frühling gefeiert und ausgelassen toben die Hexen durch die Gegend. Ob mit oder ohne Besen spielt eine nebensächliche Rolle, Hauptsache der Schabernack kann mit den Menschen betrieben werden.
Die Hexen zu dem Brocken ziehn,
die Stoppel ist gelb, die Saat ist grün.
Dort sammelt sich der große Hauf,
Herr Urian sitzt oben auf.
So geht es über Stein und Stock,
es farzt die Hexe, es stinkt der Bock.
(Johann Wolfgang von Goethe)
Die Walpurgisnacht mit ihren dunklen und magischen Gestalten brachte zahlreiche Dichter und Poeten dazu dieser wundersamen Nacht auf dem Berg einige Zeilen zu widmen. Bis heute ist die Magie dieses Platzes im Harz ungebrochen und verführt dazu dass sich die weißmagischen Hexen (und auch so manche der dunklen Seite) sich auf dem Brocken zusammenfinden und die alten Traditionen weiterleben lassen.
In rund 35 Gemeinden im Harz wird dieses Fest traditionell begangen, zeigt sich allerdings heute weniger mystischen denn mehr als ein Volksvergnügen. Als Nacht der "Schrecken" werden Gartentüren ausgehängt, die Wäsche des Nachbarn einige Häuser weiter bei einem anderen auf die Leine gespannt oder auch für unbeliebte Gesellen eine Schubkarre Mist vor der Tür platziert.
Doch zu Beginn der Hexenfeier wird erst einmal ein großes Feuer entbrannt, um das sich dann die Hexen in einer ausgelassenen Art seit über Tausend Jahren bewegen. Magische Sprüche werden hierbei ebenso ausgetauscht als auch das Orakel befragt. Als katholische Schutzheilige gegen die "Schwestern des Satans" steht die Heilige Walburga, die durch den im 16. Jahrhundert zelebrierten Hexensabbat erkoren wurde.
Auch wenn heute die Magie natürlich nicht mehr ganz die Wirkkraft von einst aufzeigen kann, stellt doch die Walpurgisnacht eine besondere Feier dar. Für alle "Hexen" sollte es deshalb Pflichtprogramm sein, sich zumindest einmal im Leben auf dem Brocken einzufinden und das herrlich wilde Treiben hautnah zu erleben.