Rund um die Pfadfinderschaft - Altersstufen, Arbeitsformen, Bräuche, Kleidung und Veranstaltungen

Pfadfinder mögen auf Außenstehende oft befremdlich wirken. So fallen vor allem der Kleidungsstil und die Bräuche der Pfadfinder auf. Es gibt einige typische Bräuche und Kleidungsformen der Pfadfinder, über welche sich diese Bewegung unter anderem definiert. Dabei sind sie in unterschiedliche Gruppen eingeteilt, je nach Altersstufen und Arbeitsformen. Lesen Sie alles Wissenswerte rund um die Pfadfinderschaft.

Bei der Entstehung der Pfadfinderbewegung spielt die Pfadfindermethode nach Baden-Powell eine Rolle - Informationen zur Pfadfinderschaft im Überblick

Entstehung: Die Pfadfindermethode nach Baden-Powell

Die Pfadfinderbewegung ist ein weltweiter Prozess. So gehören dieser Vereinigung weltweit mehr als 40 Millionen Kinder an. Doch wie kam es überhaupt zur Entstehung dieser Bewegung, welche heutzutage in über 200 Ländern existiert?

Herkunft

Die Pfadfinderbewegung lässt sich auf den britischen Offizier Baden-Powell zurückführen. Dieser entwickelte im frühen 20. Jahrhundert eine Methode, welche später als die Pfadfindermethode in die Geschichte eingehen sollte.

Zum ersten Mal angewandt wurde der Vorgänger dieser Methode im Jahre 1907 auf der Insel Brownsea Island. Hierzu wurde auf dieser Insel ein Lager eingerichtet, welches heutigen Pfadfinderlagern glich.

Baden-Powell leitete das Ganze und beobachtete das Verhalten der Jungen. Nach der Beendigung des Camps zog er seine Schlüsse daraus und vollendete seine Pfadfindermethode.

Die Prinzipien der Pfadfindermethode

Die Pfadfinderbewegung basiert auf bestimmten Prinzipien, die einen Verhaltenskodex bilden, das so genannte Pfadfinderversprechen. Zu diesen Pflichten zählen:

  • die Pflicht gegenüber Gott
  • die Pflicht gegenüber Dritten
  • die Pflicht gegenüber sich selbst

Erstes Prinzip wird oft auch als "Verpflichtung gegenüber einer höheren Macht" bezeichnet.

Die Pfadfindermethode basiert zudem auf vier Elementen. Diese sollen der Selbsterziehung der Kinder und Jugendlichen dienen.

  • Das erste Prinzip ist die Existenz und Anerkennung eines Pfadfindergesetzes durch ein Pfadfinderversprechen. Dieses Gesetz definiert die grundsätzlichen Vorgaben, an welche sich die Pfadfinder zu halten haben.

    Dieses Gesetz wird hierzulande dabei regelmäßig aktualisiert und unterscheidet sich je nach Pfadfindergruppe. Als Beispiele für diese Vorgaben nach Baden-Powell können die Anweisungen "Ein Pfadfinder ist sparsam" und "Auf die Ehre eines Pfadfinders ist Verlass" dienen.

  • Das zweite Prinzip lautet Learning by Doing. Die Selbsterziehung und das Erlernen neuer Fähigkeiten und Kenntnisse soll sich demnach durch das aktive Handeln der Kinder in der Praxis vollziehen. Eine theoretische Vermittlung lehnt die Pfadfindermethode hingegen ab, da dies dem Lerntrieb der Kinder widersprechen würde.

  • Das dritte Prinzip der Pfadfindermethode sieht die Bildung kleiner Gruppen vor. Hierdurch soll ein Identitäts- und Gruppengefühl entstehen. So sollen gemeinsame Aktivitäten gefördert, das Selbstbewusstsein des Einzelnen gestärkt und ein voneinander Lernen ermöglicht werden.

  • Letztlich existiert noch das Prinzip, dass den Gruppen ein attraktives Freizeitprogramm angeboten werden soll. Dieses soll dazu führen, dass sich die Pfadfinder diversen Aufgaben stellen und durch die Bewältigung dieser lernen und reifen.

Insgesamt ist die Pfadfindermethode ein leicht nachvollziehbarer Weg der Erziehung. Interessant ist zudem, dass diese Grundprinzipien seit über 100 Jahren nicht verändert wurden, was wiederum für die Qualität und Praxisnähe dieser spricht.

Altersstufen und Arbeitsformen der Pfadfinder

Die Pfadfinderbewegung sieht eine ganzheitliche Erziehung der Kinder und Jugendlichen vor. Dementsprechend macht es auch Sinn, die Kinder in verschiedene Altersgruppen zu unterteilen, um eine optimale Förderung zu gewährleisten. Doch welche Altersstufen gibt es bei den Pfadfindern eigentlich und welche Arbeitsformen herrschen in diesen vor?

Biber

Die erste Altersstufe bilden die so genannten Biber. In dieser Gruppe werden Kinder im Alter von 5 bis 6 Jahren zusammengefasst.

Bei den Bibern handelt es sich allerdings noch nicht um eine Pfadfindergruppe im eigentlichen Sinn. Stattdessen könnte hier eher von einer Spielgruppe gesprochen werden, welche den Kindern viele Freiräume einräumt und sie in das Pfadfindertum einführen soll.

In gewissen Regionen können bereits Kinder ab 5 den Pfadfindern beitreten
In gewissen Regionen können bereits Kinder ab 5 den Pfadfindern beitreten

Wölflinge

Die zweite Altersstufe sind die Wölflinge, welche vom 6. bis zum 11. Lebensjahr reicht. In dieser Gruppe lernen die Kinder, sich mit der Pfadfinderbewegung zu identifizieren und werden an die grundsätzlichen Prinzipien herangeführt. Eine einzelne Wölflingsgruppe wird dabei auch als Meute bezeichnet und durch einen Gruppenleiter geführt.

Bei den Wölflingen steht zudem das spielerische Lernen im Vordergrund. So werden den Kindern vielfältige Aufgaben gestellt, welche das Gruppengefühl stärken und deren Kenntnisse und Fähigkeiten schulen.

Bei den Wölflingen sind Kinder von 6-11 Jahren
Bei den Wölflingen sind Kinder von 6-11 Jahren

Jungpfadfinder

Nach dieser Altersstufe folgt der Abschnitt des Jungpfadfinders, welchem 11 bis 13 Jährige angehören. Nun werden die Jugendlichen an komplexere Themen und Aufgaben herangeführt.

Zudem wird bei den Jungpfadfindern zum ersten Mal auch auf theoretischer Ebene gearbeitet. So wird sich beispielsweise mit den Grundlagen der Pfadfinderbewegung auseinandergesetzt und sich mit den Prinzipien beschäftigt.

11-13 Jährige bilden die Jungpfadfinder
11-13 Jährige bilden die Jungpfadfinder

Pfadfinder

Sobald die Jugendlichen 14 werden, kommen sie für weitere zwei Jahre zu der Gruppe der Pfadfinder. Hier lernen die Heranwachsenden, Verantwortung zu übernehmen und sich produktiv in der Gemeinschaft einzubringen.

Ranger/Rover

Ab dem 16. Lebensjahr beginnt die Phase des Rangers oder Rovers, welche ebenso zwei Jahre andauert. Die Jugendlichen werden nun wie Erwachsene behandelt und leiten erstmals selbst Gruppen. Zudem steht nun das handlungsorientierte und nicht mehr das spielerische Lernen im Vordergrund.

Ab 14 Jahren gehört man zu den Pfadfindern und ab 16 Jahren ist man Ranger
Ab 14 Jahren gehört man zu den Pfadfindern und ab 16 Jahren ist man Ranger

Leiter

Mit dem Alter von 21 Jahren werden die Pfadfinder schließlich als Erwachsene gesehen. Dementsprechend gestalten sich nun auch die Aufgaben.

So steht von da an die Vermittlung von Wissen im Vordergrund. Zudem kann sich innerhalb der Leitung des jeweiligen Verbandes eingebracht werden.

Pfadfinder sind mitunter an ihrer speziellen Kleidung zu erkennen...

Merkmale der Pfadfinderkluft

Zunächst einmal tragen Pfadfinder eine ganz bestimmte Kleidung, welche die Zugehörigkeit zur eigenen Gruppe und der Pfadfinderbewegung symbolisieren soll. Diese Kleidung wird in der Regel als Pfadfinderkluft bezeichnet. Weniger Verwendung findet hingegen der Begriff Uniform, was wohl vor allem an den militärischen Assoziationen liegen dürfte, welche dieser Ausdruck weckt.

Eine solche Pfadfinderkluft besteht einerseits aus einem Hemd, welches je nach Verband in blau, rot, weiß oder braun gehalten ist. Auf diesem Hemd sind wiederum diverse Symbole. Diese zeigen an, welchen Rang der jeweilige Pfadfinder innehat, welche Verdienste er geleistet hat und zu welcher Gruppe er gehört.

Bei diesen Symbolen kann es sich einerseits um Stecknadeln handeln, welche vorzugsweise an der Brusttasche angebracht werden. Andererseits vergeben viele Verbände auch Aufnäher, welche nicht nur im Brustbereich, sondern auch an den Ärmeln angebracht werden können.

Zu dem Hemd gesellt sich zumeist noch ein Halstuch. Dieses unterscheidet sich innerhalb eines Verbandes ebenso hinsichtlich der Farbe, wodurch sich zumeist die Altersstufe des Pfadfinders ablesen lässt.

Daneben ist es bei den Pfadfindern noch üblich, zu offiziellen Anlässen einen Hut zu tragen. Dieser besteht aus Wollfilz und diente ursprünglich dazu, den Pfadfinder vor Regen und Sonne zu schützen.

Letztlich gehört der Pfadfinderkluft noch ein entsprechender Gürtel an. Dieser zeigt häufig nicht nur das Symbol der eigenen Pfadfindergruppe, sondern auch den Spruch "Allzeit bereit". Unter den Pfadfindern ist es dabei üblich, den Gürtel auch im Alltag zu tragen, da dieser nicht auffällig ist und doch die Zugehörigkeit zur Gruppe signalisiert.

Typische Bräuche und Veranstaltungen

Zu den typischen Bräuchen der Pfadfinder gehört zum einen der typische Pfadfindergruß, welcher mit der linken Hand ausgeführt wird. Zudem wird innerhalb der Gruppen häufig gesungen, wobei auf klassisches Liedgut zurückgegriffen wird. Daneben hat sich der Pfadfindergruß "Gut Pfad" und das Motto "Allzeit bereit" etabliert, welches bei Treffen von Gruppenmitgliedern geäußert wird.

Pfadfindergruß

Beim Pfadfindergruß reicht man sich die linke Hand, da diese von Herzen kommt. Die rechte wird auf Schulterhöhe gehoben. Der Daumen wird auf den kleinen Finger gelegt; die restlichen drei Finger zeigen nach oben.

Die Bedeutung dieser Handstellung: die drei Finger symbolisieren die drei Punkte des Pfadfinderversprechens sowie für drei Blätter der Lilie/des Kleeblatts, welche als Pfadfindersymbole gelten. Der kleine Finger steht für den Schwachen, der vom Daumen, dem Starken, geschützt wird.

Die Wölflinge, meistens nur die Jungen, nutzen den Wolfsgruß. Zeige- und Mittelfinger der rechten Hand spreizt man auseinander; dies soll die Wolfsohren symbolisieren.

Kleiner und Ringfinger werden vom Daumen geschützt. "Gut Jagd" gilt in einigen Bünden als Grußformel.

Möglich ist auch der Bibergruß unter den Kindern, die jünger als sieben Jahre alt sind. Hierfür werden Zeige- und Mittelfinger der rechten Hand auseinandergespreizt; die Fingerglieder sind abgewinkelt, was für zwei Biberzähne steht. Die Grußformel lautet hier "Gut Freund".

Ausflüge der Pfadfinder

Die Ausflüge der Pfadfinder werden zumeist durch einzelne Gruppen innerhalb eines Verbandes organisiert. Zentral ist dabei zumeist die Nähe zur Natur. Aus diesem Grund werden häufig Ausflüge in Ferienlager unternommen, in welchen dann in Zelten oder einfachen Hütten übernachtet wird.

Zudem unternehmen Pfadfindergruppen häufig Ausflüge an Orte, wo Unternehmungen und Erlebnisse möglich sind. Ein beliebtes Ziel sind dabei beispielsweise die Alpen, in welchen dann Wanderungen unternommen werden.

Typisch sind ebenso:

Veranstaltungen der Pfadfinder

Anders schaut es diesbezüglich schon mit den Veranstaltungen aus. Bei diesen handelt es sich zumeist um Ereignisse, welche zentral geplant und ausgeführt werden. Dies bedeutet, dass an solchen Veranstaltungen Pfadfinderverbände eines ganzen Kontinents oder gar weltweit teilnehmen.

Weltpfadfindertreffen

Das wohl wichtigste Treffen ist dabei das Weltpfadfindertreffen, welches alle vier Jahre abgehalten und als World Scout Jamboree bezeichnet wird. Zudem findet dieses Treffen stets in einem anderen Land statt, so dass es sich hierbei tatsächlich um ein Treffen handelt, welches an alle Pfadfindergruppen eines jeden Kontinents gerichtet ist.

World Scout Jamboree on the Internet

Eine weitere sehr moderne Veranstaltung stellt das World Scout Jamboree on the Internet dar, welches jedes Jahr im Oktober abgehalten wird. Hierzu treten alle Pfadfinderverbände weltweit über das Internet in Kontakt. Dabei wird von der einfachen E-Mail ebenso Gebrauch gemacht wie von der modernen Videotelefonie.

World Scout Jamboree on the Air

Daneben gibt es noch das World Scout Jamboree on the Air, welches nicht mit Hilfe des Internets, sondern mit Funkgeräten durchgeführt wird. Neben diesen weltweit durchgeführten Veranstaltungen gibt es noch eine Vielzahl kleinerer Treffen. Diese reichen jedoch nur selten über die nationalen Grenzen eines Landes hinaus und haben dementsprechend weniger Bedeutung.

Insgesamt gibt es eine Vielzahl von Ausflügen und Veranstaltungen, an denen die Pfadfinder teilnehmen können. Dabei kann festgehalten werden, dass Ausflüge eher nur eine Gruppe betreffen und der Weiterentwicklung der Mitglieder dienen sollen, wohingegen die Veranstaltungen eher ein Treffen darstellen, welches die Kommunikation und das Gruppengefühl des gesamten Verbandes stärken soll.

Quellen:

  • Walter Hansen: Das Pfadfinder-Handbuch: Tipps, Tricks, Abenteuer, Ueberreuter, 2001, ISBN 3800015722

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