27. September 2008
(smog) Auf manchen Computer-Tastaturen tummeln sich mehr Keime als auf der heimischen Toilettenbrille. Dabei geht es nicht nur um harmlose Erreger. Eine regelmäßige Reinigung der Computertastatur und der Maus ist daher dringend anzuraten. Das britische Verbrauchermagazin "Which?" machte vor kurzem die Probe aufs Exempel und kam zu zum Teil erschreckenden Ergebnissen.

Auf und in der Tastatur wimmelt es häufig nur so von Keimen
Einzelstücke waren bei der Untersuchung stärker mit Bakterien verseucht als eine ebenfalls untersuchte Klobrille und stellten eine potenzielle ernsthafte Gesundheitsgefährdung dar. Essen am PC, Staubpartikel und das Verzichten aufs Händewaschen nach dem Toilettenbesuch gelten als die Verursacher eines Bakterien-Biotops auf dem Keyboard.
Die britischen Verbraucherschützer nahmen gemeinsam mit einem Mikrobiologen mehr als 30 Tastaturen aus ihrem eigenen Büro unter die Lupe. Der Großteil bestand den Hygienetest, einzelne Tastaturen waren jedoch so stark mit Bakterien belastet, dass deren Benutzer von einer ernsten Magenverstimmung bedroht waren, sofern die Erreger über die Finger in den Organismus gelangten. Vier Tastaturen fielen wegen Gesundheitsgefährdung glatt durch. Zwei davon hatten die Staphylokokken-Warnstufe weit überschritten, eine weitere Tastatur wies 150 Mal so viele Keime auf wie zulässig. Diese Tastatur war fünfmal so bakterienverseucht wie ein ebenfalls untersuchter Toilettensitz und stellte ein erhöhtes Risiko für eine Lebensmittelvergiftung, Magenverstimmungen oder Durchfall dar.
Als größte Schmutz- und Bakterienquelle bei Tastaturen gelten Mahlzeiten, die direkt am Schreibtisch über der Tastatur eingenommen werden. Die zurückbleibenden Essensreste begünstigen das Wachstum der Keime, so das Magazin.
Auch eine Stichprobe des Fernseh-Verbrauchermagazins "Markt" des WDR hatte zuvor bereits einen Test gemacht und herausgefunden, dass PC-Tastaturen wahre Brutstätten für Bakterien sein können. Vor allem dort, wo viele Menschen eine Tastatur benutzen, zum Beispiel in Schulen, Büros oder Internetcafés, könnten sich über sie Krankheitserreger verbreiten, so die Verbraucherschützer. Gemeinsam mit Professor Hans-Jürgen Tietz vom Institut für Pilzkrankheiten (Berlin) untersuchte man 20 Tastaturproben aus Internetcafés und Büros. Ergebnis: 18 davon waren belastet. Gefunden wurden Pfützenkeime, die resistent gegen viele Desinfektionsmittel sind und Infektionen auslösen können; Fäkalbakterien, von denen viele als Krankheitserreger bei Menschen bekannt sind (z.B. Escherichia coli); Eiterbakterien (z.B. Staphylococcus aureus), die beim Menschen zu Hautinfektionen (Furunkel) führen können, sowie in einem Fall auch ein Nagelpilz.
Das TV-Magazin "Markt" und Professor Tietz gaben allerdings trotz ihrer Befunde grundsätzliche Entwarnung: Solange ausschließlich gesunde Menschen an den PCs arbeiten, werden sie durch diese Keime in der Regel nicht krank werden. Aber sie seien Keimträger und potenzielle Keimüberträger. Für Kranke, Geschwächte oder anfällige Personen könnte das dann zum Problem werden. Die sollten mit den Keimen besser nicht in Kontakt kommen.
Tipp: Zur Grundreinigung einer Tastatur (und Maus) eignet sich ein in Alkohol getränktes feuchtes Tuch, gegen Pilze hilft nur ein gutes Desinfektionsmittel. Im Fachhandel sind verschiedene Reinigungsutensilien zu erwerben, auch gibt es mittlerweile spezielle Hygiene-Tastaturen mit einer keimabtötenden, antibakteriellen Oberflächenbeschichtung.
Quellen:
Bacteria in your PC, Which? report: 01.05.2008, www.which.co.uk/
Gesundheitsgefahr PC-Tastatur - Dreckiger als die Klobrille, APA / Der Standard, 03.05.2008, derstandard.at
Leben auf der Tastatur, testmarkt: Computer, Begleittext zur WDR-Sendung "Markt" vom 31.03.2008, www.wdr.de/
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