21. Juni 2011
Fast jeder hat sich im Laufe seines Lebens schon einmal gefragt, warum wir denn eigentlich in der Lage sind, anderen Menschen zu vertrauen. Ein wichtiger Aspekt, welcher in diesem Zusammenhang eine zentrale Rolle spielt, ist das sogenannte Urvertrauen. Doch was ist das Urvertrauen des Menschen eigentlich genau und wie kann dieses während der Entwicklung positiv oder negativ beeinträchtigt werden?
Eine genaue Definition von Urvertrauen fällt schwer, da sich selbst die Wissenschaft diesbezüglich nicht ganz einig ist und es verschiedene Ansätze gibt. Prinzipiell kann man aber sagen, dass Urvertrauen die grundsätzlichste aller Vertrauensformen ist. Man könnte es zudem mit dem Glauben in das Gute dieser Welt gleichsetzen. Betrachtet man das Urvertrauen aus wissenschaftlicher Perspektive, dann lassen sich vor allem zwei Ansichten nennen, welche dieses Phänomen beschreiben. So gibt es einerseits den tiefenpsychologischen Ansatz, welcher durch den Psychologen Erikson entwickelt wurde. Dieser behauptet, dass Säuglinge bereits während der frühen oralen Phase ein Gefühl entwickeln, wem oder was sie vertrauen können und welche Situationen eine Gefahr darstellen. Alle positiven Erfahrungen sorgen dabei für eine Stärkung des Urvertrauens, wohingegen Negativerfahrungen dieses schwächen. Ein weiterer wichtiger Ansatz stammt aus der Biosoziologie und wurde durch den Soziologen Claessens initiiert. Die Biosoziologie geht davon aus, dass ein Mensch im Alter von etwa einem Jahr eine Art zweite Geburt erlebt, bei welcher festgelegt wird, ob sich bei ihm ein Urvertrauen oder Urmisstrauen entwickeln wird. Diese Entscheidung, zu welcher Entwicklung es kommt, ist einerseits unumstößlich, andererseits auch das Ergebnis aller vorherigen Erfahrungswerte. Im späteren Leben sorgen dann selbst andersartige Erfahrungen nicht mehr dafür, dass dieses Urvertrauen oder Urmisstrauen jemals vollständig abgebaut werden könnte.
Wie bereits angedeutet, spielen demnach die frühen Lebensjahre und insbesondere das erste Lebensjahr selbst eine Schlüsselrolle, inwiefern das Kind später einmal Vertrauen aufbauen kann. Es ist deshalb sinnvoll zu wissen, inwiefern das Urvertrauen gefördert werden kann und welche Umstände dieses negativ beeinträchtigen. Förderlich wirkt sich eine stabile und liebevolle Umgebung aus, in welcher dem Säugling stets das Gefühl gegeben wird, dass sich um ihn gekümmert wird. Negativ wirken hingegen Formen der Vernachlässigung, aggressives Verhalten, instabile Verhältnisse und ein Wechsel der Bezugspersonen.
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