25. August 2010
Das deutsche Schulsystem wurde so konzipiert, dass möglichst alle Schüler die Möglichkeit haben, den von ihnen angestrebten Schulabschluss auch zu erreichen. Böswilliges "Aussieben" von Nachzüglern hat hierbei keinen Stellenwert. Deshalb erhalten versetzungsgefährdete Schüler und deren Eltern auch rechtzeitig und mehrmals Bescheid, falls es mit den Noten einmal hapern sollte. So besteht noch genügend Zeit, um den Notenspiegel bis zum Schuljahresende auf ein akzeptables Niveau zu bringen.
Dass die Versetzung ihres Kindes gefährdet ist, erfahren viele Eltern erst mit der Ausgabe der Halbjahreszeugnisse. Schüler, die schlechte Noten bis dahin mit Erfolg unterschlagen, sind keine Seltenheit. Doch spätestens im Februar fliegt der Schwindel auf, da die Zeugnisse von den Erziehungsberechtigten unterschrieben werden müssen.
Toben, Schreien und Vorwürfe bringen bei einem schlechten Zeugnis überhaupt nichts. Durch einen Streit würde nur kostbare Zeit verplempert werden, die der Schüler dringend braucht, um wieder auf einen grünen Zweig zu gelangen. Eltern dürfen zwar durchaus ihr Missfallen äußern, gleichzeitig müssen sie dem schlechten Schüler jedoch auch so schnell wie möglich unter die Arme greifen, damit das Klassenziel doch noch bewältigt werden kann.
Dazu ist es nötig, zuerst einmal Ursachenforschung zu betreiben. Woher kommen die schlechten Zensuren? Liegt es an der pubertären Faulheit des Schützlings oder steckt vielleicht viel mehr dahinter? Viele Kinder lernen schlecht, weil sie in ihrer Klasse gemobbt werden, oder weil sie mit bestimmten Lehrern nicht zurecht kommen.
Rühren die schlechten Zensuren von sozialen Problemen mit dem Klassenverband oder dem Lehrpersonal her, so sollte man mit dem Direktor in Ruhe ein Gespräch führen und um die Versetzung in eine andere Klasse bitten. Kann man genügend einleuchtende Argumente vorbringen, wird wohl kein Schulleiter diesen Wunsch verwehren.
Ebenfalls vielversprechend ist die Situation, wenn es bei dem Schüler nur in einigen wenigen Fächern große Probleme gibt, der Rest jedoch ganz solide gemeistert wurde. In diesem Fall hilft meist ein intensives Nachhilfeprogramm, um die schlechten Noten bis zum Schuljahresende auszubügeln.
Ist der Nachwuchs jedoch in allen Fächern schlecht, obwohl er sich wirklich anstrengt, so sollte man über einen freiwilligen Rücktritt in eine untere Klassenstufe oder gar den Wechsel der Schulform nachdenken. Wer den gestellten geistigen Herausforderungen nicht gewachsen ist, wird auch mit stundenlangem Üben nicht viel erreichen können.
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