Versetzung - Regelungen, Voraussetzungen und Tipps bei gefährdeter Versetzung

Gestresstes Mädchen fasst sich besorgt an den Kopf

Rund um das Thema Versetzung und Nichtversetzung - Was tun, wenn die Versetzung gefährdet ist?

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  • von Paradisi-Redaktion

Das deutsche Schulsystem wurde so konzipiert, dass möglichst alle Schüler die Möglichkeit haben, den von ihnen angestrebten Schulabschluss auch zu erreichen. Böswilliges "Aussieben" von Nachzüglern hat hierbei keinen Stellenwert. Voraussetzung ist die jeweilige Versetzung in die nächste Klasse. Versetzungsgefährdete Schüler und deren Eltern bekommen rechtzeitig und mehrmals Bescheid, falls es mit den Noten einmal hapern sollte. So besteht noch genügend Zeit, um den Notenspiegel bis zum Schuljahresende auf ein akzeptables Niveau zu bringen. Informieren Sie sich über alles Wissenswerte zum Thema Versetzung.

Versetzung: Definition und Regelungen

Sind die Leistungen eines Schülers so gut, dass er in die nächste Klasse aufrücken darf, so wird er versetzt; man spricht von einer Versetzung. Als Basis für dieses Vorgehen dient die Annahme, dass der Unterricht nur dann sinnvoll erscheint, wenn das Leistungsniveau der gesamten Klasse auf einem vergleichbaren Level liegt. Leistungsschwache Schüler hingegen würden bei Versetzung in eine höhere Stufe, deren Schüler ihnen hinsichtlich der Leistungen deutlich überlegen sind, mehr und mehr zurückfallen.

Wo es Befürworter gibt, finden sich in der Regel auch Kritiker: diese erheben den Einwand, dass die Leistungsfähigkeit in einer Klasse sowieso nie homogen ausfallen kann, da alle Schüler unterschiedlich sind. Des Weiteren wird die Demotivation der Schüler, die man nicht versetzt, bemängelt, ebenso die Tatsache, dass sie auch bei Wiederholung der Klasse auf das alte Niveau zurückfallen.

Voraussetzungen und Versetzungsbestimmungen

Ob ein Schüler versetzt wird, entscheidet man in der Klassen-Zeugniskonferenz. Es wird eine Prognose für das nächste Schuljahr erstellt; sämtliche Lehrer des Schülers haben eine Stimmberechtigung.

Generell muss der Schüler ausreichende - oder bessere - Schulleistungen aufweisen, um problemlos versetzt zu werden. Die ermittelten Leistungen werden im Zeugnis festgehalten; entsprechen diese nicht den nötigen Anforderungen, diskuiert man eine mögliche Versetzung bzw. Nichtversetzung.

In diesem Zusammenhang berücksichtigt man bestimmte Grenzen, die eine Versetzung fraglich bis hin zu unmöglich machen. Trifft ersteres zu, muss entschieden werden, ob eine Versetzung möglich ist, auch wenn die Versetzungsbestimmungen nicht erfüllt werden.

Man sollte wissen, dass die Versetzungesbestimmtungen sowohl von Bundesland zu Bundesland als auch von Schulform zu Schulform sehr große Unterschiede aufweisen können. Meistens ist es möglich, schlechte Leistungen in einem Fach in Rahmen des Notenausgleichs, also durch gute Leistungen in einem anderen Fach, auszugleichen. Dabei gibt es beispielsweise die Regelungen:

  • Ein schlechtes Hauptfach (Deutsch, Mathematik, erste Fremdsprache, u.U. auch weitere Fremdsprachen oder Naturwissenschaften) kann nicht durch gute Nebenfächer ausgeglichen werden
  • Die Schulnote 6 in einem Hauptfach kann in einigen Fällen überhaupt nicht ausgeglichen werden
  • Die Schulnote 5 in einem Hauptfach kann meistens durch eine 1, 2 oder 3 ausgeglichen werden
  • Zwei Fächer, in denen eine mangelhafte Leistung besteht, müssen durch zwei Fächer mit guten Leistungen ausgeglichen werden
  • Oftmals kann man durch offensichtliches Talent schlechte Leistungen ausgleichen

Auch wenn es wie bereits erwähnt viele Unterschiede gibt, sind auch Gemeinsamkeiten zu erkennen. Als Hauptfächer bzw. Langfächer gelten diese mit vier Stunden Unterricht pro Woche, als Kurzfächer/Nebenfächer die mit höchstens zwei Stunden. Ein bis zwei mangelhafte Bewertungen lassen sich durch ein bis zwei gute Leistungen ausgleichen; eine schlechte Benotung in einem Hauptfach kann lediglich durch eine gute Note in einem Hauptfach ausgeglichen werden.

Ab der siebten Klasse ist es möglich, die Versetzung durch eine Nachprüfung zu erlangen, wenn man dadurch die Note von "mangelhaft" auf "ausreichend" verbessern kann. Schüler in der gymnasialen Oberstufe können einmal freiwillig zurückgehen; eine Versetung findet nicht mehr statt. Auch gibt es keine Unterscheidung mehr nach Haupt- und Nebenfach.

Kommt es zu einer erneuten, aufeinanderfolgenden Nichtversetzung, besteht der Verdacht einer zu anspruchsvollen Schule. In einem solchen Fall gibt es je nach Bundesland unterschiedliche Regelungen, ob bzw. wann ein Schüler diese Schulform verlassen muss.

Das Risiko einer Verseztungsgefährdung liegt erst ab einer bestimmten Schulklasse vor...

Beispiel Grundschule

In der Grundschule sehen die Versetzungsbedingungen wie folgt aus:

  • Von der ersten in die zweite Klasse: Versetzung ohne entsprechende Entscheidung
  • Von der zweiten in die dritte Klasse: "Ungenügend" weder in Deutsch noch in Mathematik, "mangelhaft" höchstens in einem der beiden Fächer
  • Von der dritten in die vierte Klase: "Ungenügend" weder in Deutsch, Mathematik oder Fächerverbund MNK, "mangelhaft" höchstens in einem der drei Fächer
  • Von der vierten in die fünfte Klasse: s. Klasse zuvor

Benachrichtung: Der Blaue Brief

Sollte die Versetzung eines Schülers gefährdet sein, erhalten die Eltern - bei Volljährigkeit des Schülers dieser selbst - frühzeitig eine Benachrichtigung. Diese Benachrichtigung wird umgangssprachlich als "Blauer Brief" bezeichnet. Die Regelungen unterliegen wie das gesamte Schulrecht, den einzelnen Bundesländern.

Erfolgreiche Sitzenbleiber - Viele schaffen später dennoch einen guten Abschluss

Blonder Junge guckt ernst in die Kamera, hält sein Gesicht in Händen
Adolescence © soupstock - www.fotolia.de

Wenn jemand in der Schule eine „Ehrenrunde drehen“ muss, so sagt dies wenig aus über seine langfristigen Erfolgschancen. Die meisten Sitzenbleiber schaffen letztendlich einen guten Abschluss, berichtet das Gesundheitsmagazin Apotheken Umschau.

Laut einer Studie des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) haben Klassen-Wiederholer eine 50 Prozent größere Chance, einen höheren Schulabschluss zu erreichen. „Jeder zweite Sitzenbleiber schafft einen besseren Abschluss als ein vergleichbarer Nicht-Sitzenbleiber“, sagt RWI-Referent Michael Fertig.

Teures Sitzenbleiben in der Schule

Sitzenbleiben verbessert die schulische Leistung kaum, viele Prominente drehten "Ehrenrunden"

Junge Lehrerin sitzt neben Schüler in Klasse an Tisch, hilft bei Hausaufgaben, Klassenhefte neben ihr, Schülerin hinten
Teacher and pupil © pressmaster - www.fotolia.de

Wie eine Studie ergab, kostet das Sitzenbleiben in der Schule dem Staat jährlich fast eine Milliarde Euro. Hier geben Bayern, Berlin, Thüringen, Hamburg und Nordrhein-Westfalen besonders viel Geld für die Sitzenbleiber aus. Auch würden dadurch die Leistungen der betroffenen Schüler auch nicht besser, aber die Lehrer halten an dem bisherigen Verfahren fest, so dass jährlich fast 250.000 Schüler die Klasse wiederholen müssen.

Prominente Sitzenbleiber

Aber es gibt in Deutschland viele Prominente, die entweder einmal eine "Ehrenrunde" drehten oder vorzeitig die Schule verließen. Auch das Studium abbrechen ist keine Schande, so beispielsweise wie Jürgen von der Lippe. Unter den Sitzenbleibern waren so Prominente, wie Edmund Stoiber, Christian Wulff, Klaus Wowereit, Harald Schmidt und auch Peer Steinbrück, doch absolute Spitze ist wohl der Fernsehpfarrer Jürgen Fliege, der sogar drei "Ehrenrunden" schaffte.

Auch fühlten sich damals einige der Betroffenen strafversetzt, wie die Schauspielerin Iris Berben, die sich seinerzeit sehr einsam fühlte. Doch auch schon sehr viel früher gab es bekannte Sitzenbleiber, so auch der Komponist Richard Wagner, der Dichter Gerhard Hauptmann und man höre und staune, der Reichskanzler Otto von Bismarck machte auch eine Ehrenrunde.

Schwache Schüler sollten statt Sitzenbleiben besser mehr gefördert werden

Wie eine Studie aus Österreich zeigte, sollten schwache Schüler anstelle des Sitzenbleiben und der Wiederholung des Schuljahres, besser mehr gefördert werden. So wirkt sich das Sitzenbleiben in den meisten Fällen nicht positiv aus, aber auch eine spätere Einschulung, beispielsweise wegen mangelnde Schulreife, sei nicht sinnvoll, wie die Experten meinen.

Man hat bei der Studie die Leistungen der älteren Schüler mit den jüngeren verglichen und stellte fest, dass diese sogar niedriger lagen. Außerdem wird durch das Sitzenbleiben das Selbstvertrauen der betroffenen Schüler oftmals in Mitleidenschaft gezogen, so dass es eigentlich besser wäre, diese Kinder besser gezielt zu fördern.

Wird die Ehrenrunde in der Schule abgeschafft?

Abschaffung des Sitzenbleibens ist kontrovers, Experten sind dafür, viele Pädagogen dagegen

Trauriger Junge sitzt zusammengekauert an Wand, einsam, mit Schulrucksack neben sich
upset boy against a wall © Mikael Damkier - www.fotolia.de

In Berlin werden in Zukunft nur noch in bestimmten Fällen Schüler ein Jahr wiederholen müssen, wobei in Hamburg das Sitzenbleiben schon ab 2011 abgeschafft wurde. Meistens haben die betroffenen Schüler, aber auch die Eltern spätestens beim Zwischenzeugnis die Schwächen gesehen und erkannt, so dass viele Eltern dann für ihre Kinder die berühmte Nachhilfe bestellen, was aber in vielen Fällen die Schüler nicht vor der "Ehrenrunde" schützte.

Experten treten dem Sitzenbleiben skeptisch gegenüber

Jetzt sind sich aber auch die Experten uneinig, ob denn das Sitzenbleiben etwas bringt. Fest steht, dass die meisten Schüler in dem Jahr der Wiederholung etwas besser werden, aber danach legt sich dieser Effekt. Jährlich entstehen durch das Sitzenbleiben schätzungsweise Kosten von einer Milliarde Euro, die man wie viele Experten meinen anders investieren könnte, so eine individuelle Förderung der Betroffenen. Aber viele Pädagogen setzen weiterhin auf die drastische Maßnahme des Sitzenbleiben und so mussten etwa 250.000 Schüler, beziehungsweise Schülerinnen, im Schuljahr 2007/2008 eine Klasse wiederholen.

Ehrenrunden gab es auch unter vielen Prominenten

Übrigens als kleiner Trost für alle, die eine "Ehrenrunde" absolvieren müssen oder mussten, auch viele Prominente hatten das "Vergnügen", wie Verona Feldbusch ("da wird dir geholfen"), der ehemalige Ministerpräsident von Bayern Edmund Stoiber, die derzeitige Bundesbildungsministerin Edelgard Buhlmann und das Lästermaul Harald Schmidt sowie auch der Fernsehpfarrer Jürgen Fliege, der blieb sogar dreimal hängen.

Aber auch unser neuer Bundespräsident Christian Wulff musste wegen mangelhafter Leistungen in Englisch und Französisch in der 10. Klasse eine Zusatzrunde drehen. Albert Einstein hatte seinerzeit auch schulische Probleme und verließ mit 15 Jahren das Gymnasium in München und machte erst später seine Matura, vergleichbar mit dem Abitur.

Dyskalkulie schützt nicht vor dem Sitzenbleiben

Dyskalkulie bezeichnet eine Rechenschwäche, die jedoch Betroffene nicht davor schützt sitzenzubleiben. Ein Gericht in Braunschweig wies jetzt die Klage einer 13 Jahre alten Schülerin ab, die gegen ihre Schule klagte. Sie wollte damit erreichen, dass sie von der schulischen Notengebung im Fach Mathematik aufgrund ihrer Rechenschwäche befreit wird.

Der Klage wurde jedoch nicht statt gegeben, da es laut Gericht keine gesetzliche Grundlage dafür gebe. Die Schule habe rechtmäßig gehandelt und ihr den entsprechenden Notenschutz nicht gewährt, da dieser im momentan geltenden Schulrecht nicht vorgesehen ist.

Für die meisten Eltern stellt eine Nichtversetzung bzw. gefährdete Versetzung einen großen Schock dar...

Was tun bei gefährdeter Versetzung?

Dass die Versetzung ihres Kindes gefährdet ist, erfahren viele Eltern erst mit der Ausgabe der Halbjahreszeugnisse. Schüler, die schlechte Noten bis dahin mit Erfolg unterschlagen, sind keine Seltenheit. Doch spätestens im Februar fliegt der Schwindel auf, da die Zeugnisse von den Erziehungsberechtigten unterschrieben werden müssen.

Ruhe bewahren

Toben, schreien und Vorwürfe bringen bei einem schlechten Zeugnis überhaupt nichts. Durch einen Streit würde nur kostbare Zeit verplempert werden, die der Schüler dringend braucht, um wieder auf einen grünen Zweig zu gelangen. Eltern dürfen zwar durchaus ihr Missfallen äußern, gleichzeitig müssen sie dem schlechten Schüler jedoch auch so schnell wie möglich unter die Arme greifen, damit das Klassenziel doch noch bewältigt werden kann.

Die Ursache für die schlechten Noten herausfinden

Dazu ist es nötig, zuerst einmal Ursachenforschung zu betreiben. Woher kommen die schlechten Zensuren? Liegt es an der pubertären Faulheit des Schützlings oder steckt vielleicht viel mehr dahinter? Viele Kinder lernen schlecht, weil sie in ihrer Klasse gemobbt werden, oder weil sie mit bestimmten Lehrern nicht zurecht kommen.

Mit dem Direktor sprechen

Rühren die schlechten Zensuren von sozialen Problemen mit dem Klassenverband oder dem Lehrpersonal her, so sollte man mit dem Direktor in Ruhe ein Gespräch führen und um die Versetzung in eine andere Klasse bitten. Kann man genügend einleuchtende Argumente vorbringen, wird wohl kein Schulleiter diesen Wunsch verwehren.

Für Nachhilfe sorgen

Ebenfalls vielversprechend ist die Situation, wenn es bei dem Schüler nur in einigen wenigen Fächern große Probleme gibt, der Rest jedoch ganz solide gemeistert wurde. In diesem Fall hilft meist ein intensives Nachhilfeprogramm, um die schlechten Noten bis zum Schuljahresende auszubügeln.

Über einen freiwilligen Rücktritt oder Schulwechsel nachdenken

Ist der Nachwuchs jedoch in allen Fächern schlecht, obwohl er sich wirklich anstrengt, so sollte man über einen freiwilligen Rücktritt in eine untere Klassenstufe oder gar den Wechsel der Schulform nachdenken. Wer den gestellten geistigen Herausforderungen nicht gewachsen ist, wird auch mit stundenlangem Üben nicht viel erreichen können.

Der Übergang in die Weiterführende Schule (Sekundarstufe) gilt als belastend für Kinder

Junger Mann in Hemd und Pullunder mit geschlossenen Augen, hält sich die Ohren zu, vor weißem Hintergrund
Boy in red jacket close ears © Pavel Losevsky - www.fotolia.de

Der Übergang von der Grundschule zu einer Weiterführenden, stellt für Kind und Eltern oft einen hohen Stressfaktor dar. Der Leistungsdruck macht vielen Kindern schwer zu schaffen, daher sollten Eltern ihren Kindern die nötige Unterstützung bieten. Alleine die Auswahl der richtigen Schule stellt große Fragen. Kann das Kind diesem Druck standhalten? Ist der Lernstoff zu schaffen?

Je nach Schultyp werden unterschiedliche Voraussetzungen von dem Kind verlangt. Wird auf einem Gymnasium hauptsächlich die Theorie erlernt, kann auf einer Realschule mehr für den Bezug zum Alltag gelernt werden. Dies ist sehr aufregend für ein Kind und es braucht teilweise bis zu einem Jahr, bis es sich mit diesem neuen Leben in der Sekundarstufe arrangieren kann.

Wichtig ist immer, dass bei der Entscheidung, welche weiterführende Schule zu besuchen ist, auch die Kinder ein Mitspracherecht bekommen. Nicht selten siegt hier nämlich falscher Ehrgeiz der Eltern. Überforderung bei nicht zu erreichenden Leistungen sind fatal für ein Kind. Lob und ein neues Lernsystem sind hilfreich und nehmen den enormen Druck für das Kind. Eine stabile Familie, ruhige Ferien und kein ständiges Antreiben zu Fleißarbeiten in den ersten Monaten, lassen ein Kind positiv mit Veränderungen umgehen.

Grundinformationen und Hinweise zur Versetzung

  • Versetzung - Regelungen, Voraussetzungen und Tipps bei gefährdeter Versetzung

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Quellenangaben

  • Bildnachweis: Portrait Of Stressed Teenage Girl © Monkey Business - www.fotolia.de

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Paradisi-Redaktion - Artikel vom (zuletzt überarbeitet am )

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