Lehrerausfall - Folgen und mögliche Lösungsmaßnahmen

Lächelnder Schüler mit Büchern unterm Arm, im Hintergrund drei Schüler vor Raum

Was Eltern gegen ständigen Stundenausfall tun können

  • ,
  • von Paradisi-Redaktion

Während sich die Kinder über viele Freistunden freuen, sind Eltern häufig verzweifelt, wenn es wieder mal zu einem Lehrerausfall kommt. Berufstätige Eltern können ihre Arbeit nicht einfach so an die freie Zeit ihres Kindes anpassen. Verhindert werden kann ein Stundenausfall natürlich nie, dennoch hilft ein offenes Gespräch zwischen Elternbeirat und Schule in vielen Fällen weiter. Informieren Sie sich über die möglichen Folgen eines Lehrerausfalls, und was man dagegen tun kann.

Folgeprobleme von Lehrerausfall

Eltern von Schulkindern kennen das Problem: Die Kinder kommen freudestrahlend um 11 Uhr nach Hause. Die letzten beiden Stunden sind ausgefallen, weil die Lehrerin mal wieder krank ist. Und am nächsten Tag beginnt die Schule erst zur dritten Stunde.

Was die Kinder freut, sehen die Eltern etwas realistischer. Der Unterrichtsstoff fehlt den Kindern, wird aber am Ende des Schuljahres als Kenntnisstand vorausgesetzt.

Besonders berufstätige Eltern sehen den Lehrerausfall mit gemischten Gefühlen. Sie können häufig ihre Arbeitszeiten nicht von heute auf morgen dem Schultag des Kindes anpassen.

Warum fallen so häufig Unterrichtsstunden aus?

Natürlich kommt es vor, dass ein Lehrer einmal krank wird und sich keine Vertretung finden lässt. In diesem Fall gibt es keine andere Möglichkeit, als die Stunde ausfallen zu lasen.

Häufig werden Lehrerkonferenzen kritisiert, da diese bereits ab der Mittagszeit stattfinden, um den Lehrern keinen allzu langen Arbeitstag zu bringen. In diesem Fall müssen die Kinder eher nach Hause - vielen Eltern geht dies gegen den Strich; zu beachten ist aber auch, dass der Arbeitstag nach der Schule für die Lehrer noch nicht erledigt ist. So gibt es in Sachen Unterrichtsvorbereitung oder Korrekturen eine Menge zu tun.

Manchmal gibt es in bestimmten Fächern einen Lehrermangel. Bis es dann zum Einsatz einer neuen Lehrkraft kommt - ein Referendar muss auch erstmal gut eingearbeitet werden - kann es schon mal eine Weile dauern.

Lehrkräfte fühlen sich wegen Deutsch-Problemen der Schüler überfordert

Rückansicht, Schüler in Klasse zeigen auf, vorne Lehrerin an Tafel
School children raising hands. View from behind. © kristian sekulic - www.fotolia.de

In Deutschland unterrichten inzwischen rund 70 Prozent der Pädagogen Schüler mit Deutsch-Problemen, worauf sich laut einer Umfrage rund 65 Prozent der Lehrkräfte unzureichend vorbereitet fühlen. Vor allem in Ballungszentren gibt es häufiger Sprachprobleme zwischen den Lehrern und Schülern, weshalb die Sprachförderung in Zukunft noch stärker in der Ausbildung der Pädagogen verankert werden muss.

Knapp 50 Prozent der Pädagogen wünschen sich während des Unterrichts sogar speziell ausgebildete Sprachförderkräfte, welche sie bei ihrer Arbeit unterstützen. Das neu gegründete Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache will Lehrkräfte in den nächsten 5 Jahren mit rund 13 Millionen Euro unterstützen und sie in ganz Deutschland auf die Sprachförderung von Schülern vorbereiten.

Laut dem Institut müsse die sprachliche Förderung in den normalen Unterricht integriert werden, sodass dafür keine Extrastunden anfallen. Mittlerweile haben rund 30 Prozent aller Schüler hierzulande einen Migrationshintergrund und sprechen nicht die deutsche Sprache als Erstsprache.

Das Gespräch suchen

Auch wenn man sich als Elternteil noch so sehr über den Lehrerausfall aufregt - komplett verhindern wird man ihn niemals können. Jede Lehrerin, jeder Lehrer kann einmal krank werden. Dennoch helfen hier offene Worte zwischen dem Elternbeirat und der Schule.

Juristische Schritte sind in der Regel kaum erfolgsversprechend. Gegen die Schulorganisation kann man kaum mit subjektiven Schüler- oder Elternrechten angehen. Eltern, die diesen Weg bereits gegangen sind, können meist davon berichten, dass man ihnen zwar zustimmt, eine Hilfe jedoch kaum möglich ist.

Freistundenbetreuung

Vielleicht kann für die Freistunden eine Betreuung eingerichtet werden, die sich um die Kinder kümmert. Der Lehrstoff wird dadurch zwar auch nicht aufgearbeitet, dennoch sind die Kinder zumindest betreut.

Möglicherweise ist auch eine Art Patenschaft möglich. Jeweils zwei Klassen der gleichen Jahrgangsstufe sind Partnerklassen. Die Lehrer vertreten sich im Krankheitsfall gegenseitig.

Dies setzt natürlich auch voraus, dass diese Lehrer sich regelmäßig untereinander austauschen und im Vertretungsfall auf die Arbeitsunterlagen des erkrankten Lehrers zurückgreifen können. Auf diese Weise versäumen die Kinder zumindest den Unterrichtsstoff nicht bzw. müssen ihn dann später nicht nacharbeiten.

Buch führen

Bemerken Eltern häufige Unterrichtsausfälle, so sollten sie diese jeweils notieren. Auch Notizen über evtl. Vertretungen helfen, das Gespräch mit dem zuständigen Rektor der Schule zu suchen. Je mehr der Elternbeirat einer Schule mit den Verantwortlichen in Kontakt steht, desto eher kann das Problem Lehrerausfall zur Zufriedenheit aller gelöst werden.

Schließlich ist es auch nicht im Interesse der Lehrer, dass ihre Schüler bei längerem Unterrichtsausfall mit dem Stoff zurückhängen und dann innerhalb kürzester Zeit alles nachholen müssen. Lehrer und Schulleitung sind daher in der Regel durchaus kooperativ, was die Zusammenarbeit angeht.

Damit Lehrerausfall nicht immer direkt Freistunden heisst müssen andere Lösungen in betracht gezogen
Damit Lehrerausfall nicht immer direkt Freistunden heisst müssen andere Lösungen in betracht gezogen werden

Weitere Lösungsansätze

Damit alle Klassen Unterricht bekommen können, ist man an einigen Schulen an die Veränderung der Stundentafel gegangen. So könnten beispielsweise die Fächer, die über mehrere Stunden gehen, gekürzt werden. Des Weiteren wäre es möglich, auf außerschulische Ausflüge zu setzen.

Das Ziel müsste einen thematischen Bezug zum Fach haben; dortige Fachleute könnten die Schüler etwas lehren. Als Aufsichtsperson müsste so nicht unbedingt ein Lehrer vom Fach mitfahren.

Helfen können mitunter auch Freiwillige, um den Lehrerbetrieb beispielsweise vormittags zu entlasten. Sie arbeiten dann als "Lehrerassistenten", etwa in ihrem Freiwilligen Sozialen Jahr. Alle Aufgaben können diese Assistenten sicherlich nicht übernehmen. Besonders aber in der Grundschule können sie in verschiedenen Bereichen helfen.

681 Lehrer in Berlin sind dauerhaft krank

Junge Frau hält fröhlich Rezept für Medikament in Kamera
medizin © pix4U - www.fotolia.de

In Berlin sind zur Zeit 681 Lehrer an den Folgen von Stress und Mobbing dauerhaft erkrankt. Viele von ihnen sind so ausgebrannt, dass sie mehr als drei Monate im Jahr fehlen.

Das Durchschnittsalter der Lehrer liegt in Berlin mit 48 Jahren ziemlich hoch. Um dem Trend entgegenzuwirken, werden jetzt Fachvorträge und Workshops zu diesem Thema veranstaltet.

Überlastete und psychisch kranke Lehrer

Bildungsreformen überfordern Lehrer - Psychische Erkrankungen sind die Folge

Rückansicht, Schüler in Klasse zeigen auf, vorne Lehrerin an Tafel
School children raising hands. View from behind. © kristian sekulic - www.fotolia.de

In Deutschland wurde in den letzten Jahren laufend am Schulsystem herumgebastelt, doch dabei wurde die Aus- und Weiterbildung der Lehrer einfach ignoriert. So hat jetzt auch der Aktionsrat Bildung die Lehrerausbildung in Deutschland stark kritisiert, weil viele Lehrer den neuen geänderten Anforderungen nicht gewachsen sind. So auch bei der Einführung des verkürzten Gymnasiums.

Neue Probleme

Aber auch viele Grundschullehrer sind nicht in der Lage ihre Schüler und Schülerinnen richtig zu beurteilen, was den Übergang auf eine weiterführende Schule betrifft. So sind auch viele Lehrer einfach überlastet und werden körperlich sowie auch psychisch krank und müssen in eine dementsprechende Behandlung. Auch das schlechte Abschneiden der deutschen Schüler im internationalen Vergleich, was ja auch auf die Lehrer zurückfällt, hat das Selbstvertrauen des Lehrkörpers stark erschüttert.

Grundsätzlich gilt aber für alle Lehrer, wie der Aktionsrat Bildung betont, dass die Aus- und Fortbildung weiter gefördert werden muss. Doch hier ist auch die finanzielle Unterstützung der Regierung nötig. Aber nur um eine Klasse von eventuell 24 auf 22 Schüler zu verringern und dafür Personal einzustellen, das wäre für Wilfried Bos, den Direktor des Dortmunder Instituts für Schulentwicklungsforschung, das "Dümmste".

Das Dasein als Lehrer ist hart - viele wollen vor 65 Jahren in die Rente

Rechte Hand eines Lehrers schreibt mit Kreide Relativitätstheorie bzw. Formel an Tafel
blackboard 3 © Sandor Jackal - www.fotolia.de

Kaum ein Beruf gilt als geistig so anstrengend wie das Dasein als Lehrer. Man muss mit dem Wissen der Zeit mithalten, hat oft Ärger mit den Schülern und fühlt sich auch vom Kontakt mit unliebsamen Kollegen häufig überfordert. Daher ist es für viele Lehrerinnen und Lehrer völlig undenkbar, bis zu 65 Jahren jeden Tag in der Schule zu stehen.

Dies zeigt eine aktuelle Studie, die in Erfahrung bringen wollte, wie der Schulalltag auf Lehrkräfte wirkt. Eine sehr aussagekräftiges Ergebnis: jeder fünfte der Lehrerinnen und Lehrer glaubt, dass sie oder er vor 65 Jahren in die Rente gehen wird und zwar wegen einer nachlassenden Gesundheit. Befragt wurden 1.3000 Lehrkräfte. Sie deckten eine Altersspanne von 24 Jahren bis 65 Jahren ab und kamen von 29 verschiedenen Schulen. Nur 41 Prozent der Befragten glaubten, dass sie bis zur offiziellen Rente durchhalten, das ist also weniger als die Hälfte. Zwischen den Geschlechtern zeigten sich dabei auch ein deutlicher Unterschied. Lehrerinnen glauben eher, dass sie nicht bis 65 Jahren durchhalten, die Männer geben sich da stärker.

Aktuell sind sogar 22 Prozent der Lehrkräfte dienstunfähig. Als Gründe stehen dabei fehlende Erholung und Überforderung durch Schüler und Kollegen im Raum. Elf Prozent der Lehrer stellen daher vor 65 Jahren schon einen Antrag auf Rente. 2009 haben nur 40 Prozent aller Lehrer tatsächlich bis 65 Jahren in ihrem Beruf gearbeitet.

Studie zur deutschen Schulsituation: Viele übermüdete und kranke Lehrer

Erschöpfte Grundschullehrer - Nur sieben Prozent sprechen von einer sehr guten Gesundheit

Überforderter Geschäftsmann hat Kopf auf Stapel Papieren liegen
overload © soupstock - www.fotolia.de

An der Technischen Universität München wurde kürzlich eine Studie durchgeführt, die sich mit dem Gesundheitszustand einer speziellen Berufsuntergruppe beschäftigt hat: Grundschullehrer. Diese Lehrer arbeiten mit den jüngsten Schulkindern und vermitteln ihnen neben den Wissensgrundlagen wie Lesen, Schreiben und Rechnen auch soziale Kompetenzen für das spätere Schulleben.

Es wäre daher sehr wichtig, dass diese Lehrer motiviert und mit genügend Kraft ans tägliche Werk gehen. Doch die Realität an deutschen Grundschulen sieht anders aus, wie die Studie eindrucksvoll belegt.

10% sprechen von einem schlechten Gesundheitszustand

Insgesamt befragt man 1.900 Lehrerinnen und Lehrern an Grundschulen zu ihrer Gesundheit, persönlichen Motivation und weiteren Faktoren im Arbeitsalltag. Dabei zeigte sich, dass 40 Prozent des Lehrkörpers permanent unter Schlafmangel leidet und daher übermüdet ist. Diese Erschöpfung schlägt sich direkt auf die individuell empfundene Gesundheit nieder.

Jeder Zehnte sprach sich selbst einen schlechten Gesundheitszustand aus. "Mittelmäßig" schätzten ihn 44 Prozent ein und 38 Prozent sprachen von "gut". Nur sieben Prozent gaben an, wirklich sehr gesund zu sein. Ging man ins Detail, gaben 17 Prozent häufige Probleme mit dem Bewegungsapparat an. Dazu zählten vor allem Rückenschmerzen und ein verspannter Nacken.

Jeder zehnte Lehrer hatte Bluthochdruck oder einen Tinnitus (dauerhaften Ohrgeräusche). 20 Prozent zeigten Anzeichen von Burnout, denn sie konnten nach dem Unterricht nicht mehr abschalten.

Zeitdruck ohne Erholungspausen

Außerdem wurde der Schulbetrieb von vielen Lehrern sehr kritisch betrachtet. 25 Prozent der Befragten sagten aus, dass der Zeitdruck viel zu hoch sei. Der Lehrplan müsse zu schnell abgearbeitet werden und es gäbe keine Zeit für Förderung und Vertiefung.

30 Prozent gaben an, dass zu wenige Erholungspausen für Lehrer bestehen und Disziplinprobleme mit Kindern die Gesamtsituation deutlich verschlechtern. Außerdem, so ein Drittel der Befragten, sei die Lärmbelastung an deutschen Schulen zu hoch. Weder Lehrer noch Kinder können sich so ausreichend auf den Schulalltag konzentrieren.

Grundinformationen und Hinweise zu Lehrern

War der Artikel hilfreich?

Fehler im Text gefunden?

Bitte sagen Sie uns, warum der Artikel nicht hilfreich war:

Um die Qualität unserer Texte zu verbessern, wären wir Ihnen dankbar, wenn Sie uns den/die konkreten Fehler benennen könnten:

Kategorien:

Quellenangaben

  • Bildnachweis: Portait of young student © Yuri Arcurs - www.fotolia.de
  • Bildnachweis: Elementary school pupils running outside © Monkey Business - www.fotolia.de

Autor:

Paradisi-Redaktion - Artikel vom (zuletzt überarbeitet am )

Weitere Artikel zum Thema