Fachabitur - Ablauf, Organisation und Berufsmöglichkeiten

Das Fachabitur beschreibt den Erwerb der Fachhochschulreife, bestehend aus dem Besuch der Oberstufe bis zur 12. Klasse und einem anschließenden Berufspraktikum. Fachabiturienten haben vielfältige Berufsmöglichkeiten. Mit ihrem Abschluss können sie sich an jeder Fachhochschule einschreiben und später in zahlreichen Berufsfeldern tätig sein. Ein Fachabitur ist also keineswegs ein minderwertiges Abitur, sondern bietet trotz kürzerer Ausbildungsphase ebenso gute Perspektiven. Lesen Sie, wie man das Fachabitur erlangen kann und wie eine solche Ausbildung abläuft.

Der Erwerb der Fachhochschulreife

Fachabitur: eine Definition

Als Fachabitur wird umgangssprachlich der Erwerb der Fachhochschulreife bezeichnet. Dieser Abschluss erfordert den Besuch der Oberstufe bis zur 12. Klasse und anschließend ein in der Regel einjähriges Berufspraktikum.

Mit dem Fachabitur kann man sich für jedes Studienfach an deutschen Fachhochschulen und für ausgewählte Fächer auch an Universitäten einschreiben. Schwierig wird es, wenn man im Ausland studieren möchte. Da die in Deutschland erworbene Fachhochschulreife nicht in allen Ländern anerkannt wird, gibt es hier Einschränkungen.

Bei der Fachhochschulreife handelt es sich um einen gehobenen Bildungsabschluss. Mit diesem ist der Absolvent grundsätzlich berechtigt, ein Studium an einer Fachhochschule zu absolvieren; an einigen Universitäten ist es zudem auch möglich, damit einen Bachelor-Studiengang zu absolvieren.

  • Mit einem Zeugnis der Fachhochschulreife wird die allgemeine Fachhochschulreife nachgewiesen.
  • Das Zeugnis der fachgebundenen Fachhochschulreife beschränkt sich auf eine bestimmte Fachrichtung oder ein bestimmtes Fach.

Neben der allgemeinen Hochschulreife sowie der fachgebundenen Hochschulreife gilt die Fachhochschulreife als dritte Variante des berechtigten Zugangs zu einer Hochschule. Umgangssprachlich wird hierzulande das Zeugnis der Fachhochschulreife auch als Fachabitur bezeichnet; die Bezeichnung "Fachabitur" für einen schulischen Abschluss gibt es im Grunde genommen nicht; stattdessen sind damit die Qualifikationen, welche man nach der 12. Klasse erwirbt, gemeint.

Aufbau/Inhalte

Die Fachhochschulreife lässt sich in einen schulischen sowie einen berufsbezogenen Part unterteilen. Der schulische Teil wird nach der 11. oder 12. Klasse einer höheren Schule erworben; bei dieser kann es sich zum Beispiel um

  • die Sekundarstufe II
  • das Gymnasium
  • die Fachoberschule
  • das Berufskolleg
  • die Gesamtschule oder
  • die Berufsoberschule

handeln. Ebenso lässt er sich erwerben, nachdem man an einer Fachschule in Verbindung mit einer Berufsausbildung ein Belegfach auf Oberstufenniveau abgeschlossen hat.

Den berufsbeozogenen Teil erwirbt man, sofern man ein

  • in der Regel ein jähriges Berufspraktikum
  • ein Praktikum in der Fachoberschule oder der 11. Jahrgangsstufe oder
  • eine abgeschlossene Berufsausbildung

vorweisen kann. Beim Fachabitur hat man einen bestimmten Schwerpunkt gelegt, welcher sich in Folge auf die Wahl des Hochschulstudiums auswirken wird. Zu den typischen Fachrichtungen des Fachabiturs zählen:

  • Technik
  • Informatik
  • Wirtschaft und Verwaltung
  • Hauswirtschaft und Ernährung
  • Sozialwesen
  • Agrarwirtschaft
  • Gesundheit und Soziales
  • Tourismus
  • Gestaltung

Möglichkeiten, das Fachabitur zu erlangen

Es gibt verschiedenen Möglichkeiten, ein Fachabitur zu erlangen. Vielen ist womöglich nur der klassische Weg bekannt, der über die gymnasiale Oberstufe führt. Alternativ kann das Fachabitur aber auch an einem Kolleg über den zweiten Bildungsweg, an einer Abendschule oder ausbildungsbegleitend erworben werden. Welche Möglichkeit sich für wen anbietet, muss individuell entschieden werden.

Gymnasiale Oberstufe

Der klassische Weg zum Fachabitur führt über die gymnasiale Oberstufe, über die Sekundarstufe II oder die höheren Klassen der Gesamtschulen. Nach erfolgreichem Abschluss der 12. Klasse kann die Schule mit dem theoretischen Teil der Fachhochschulreife verlassen werden.

Vor allem Schüler, die sich zu diesem Zeitpunkt bereits für eine Studienrichtung entschieden haben, machen mit dem vorzeitigen Schulabgang nichts falsch. Das endgültige Fachabitur haben sie aber erst nach einer Praxisphase von einem Jahr in der Tasche.

Kolleg

Wer die Fachhochschulreife in Vollzeit nachholen möchte, kann ein Kolleg besuchen. Wie an der gymnasialen Oberstufe findet hier vormittags und nachmittags Unterricht in verschiedenen Fächern statt.

Da an einem Kolleg nur Schüler mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung aufgenommen werden, erhält man hier sein Fachabitur schon nach zwei Schuljahren. Im Anschluss an die Schulzeit ist also keine Praxisphase nötig. Weil Schüler eines Kollegs ihr Fachabitur in Vollzeit auf dem zweiten Bildungsweg nachholen und daher nicht erwerbstätig sind, werden sie mit elternunabhängigem Bafög gefördert.

Fachoberschule

Eine beruflich ausgerichtete Bildungseinrichtung ist die Fachoberschule. Auch hier kann man sein Fachabitur erlangen. Neben dem normalen Unterricht finden hier mehrere längere Praxisphasen statt.

Fachoberschulen bieten verschiedene Fachrichtungen an. Wer zum Beispiel die Fachrichtung Sozialwesen belegt, kann mit seiner Fachhochschulreife ein beliebiges Fach aus diesem Bereich an einer Fachhochschule studieren. Entscheidet er sich für ein Fach aus einem anderen Bereich, muss vor Studienbeginn ein zusätzliches Praktikum absolviert werden.

Der ausbildungsbegleitende Weg

Das Fachabitur kann in einigen Berufen auch ausbildungsbegleitend erlangt werden. Der Schüler muss hierfür die Fachoberschulreife mitbringen und erhält während der Ausbildung zusätzliche Unterrichtsstunden.

An manchen Berufsschulen gibt es extra Klassen für Schüler, die das Fachabitur anstreben. Wer während seiner Ausbildung keine Möglichkeit hat, die Fachhochschulreife zu erwerben, kann im Anschluss direkt die 12. Klasse der Fachoberschule besuchen und hier seinen Abschluss machen.

Abendschule

Letztlich gibt es für Berufstätige die Möglichkeit, das Fachabitur auf dem zweiten Bildungsweg an der Abendschule berufsbegleitend nachzuholen. Die Dauer beläuft sich hier auf zwei bis drei Jahre und der Unterricht findet abends statt. Der Besuch einer Abendschule ist kostenfrei und kann - falls nötig - mit Bafög finanziert werden.

Fernstudium

Möglich ist zudem, das Fachabitur über ein Fernstudium zu erwerben. Auch wenn dies wohl die flexibelste Möglichkeit darstellt, ist sie zugleich auch die anspruchsvollste.

Das Wissen kann man sich in diesem Fall etwa mittels E-Learning aneignen. Eine gute Selbstorganisation ist unerlässlich, um letztendlich die Abschlussprüfungen meistern zu können.

Voraussetzungen für das nachträgliche Fachabitur

Wer das Fachabitur erwerben bzw. nachholen möchte, hat somit unterschiedliche Möglichkeiten, die entsprechend mit verschiedenen Voraussetzungen behaftet sind, wie etwa:

  • der Abschluss der 12. Klasse eines Gymnasiums oder der Fachoberschule
  • der Abschluss von Bildungsgängen mit Fachhochschulreife an Fernschulen, Abendschulen oder Kollegs
  • der Abschluss einer höheren Handelsschule mit zusätzlichem Praktikum oder Berufsausbildung
  • unter bestimmten Voraussetzungen: berufliche Gymnasien sowie Berufsfachschulen
  • eine ergänzende Prüfung verbunden mit einer staatlichen Abschlussprüfung in einer Fachschule

Studieren mit Fachabitur: unterschiedliche Möglichkeiten

Möchte man mit Fachabitur ein Studium beginnen, hat man diesbezüglich unterschiedliche Möglichkeiten. Zum einen wäre dies das Studium an der Fachhochschule; dabei muss man die unterschiedlichen Abschlüsse, welche man mit dem Begriff des Fachabiturs in Verbindung bringt, beachten.

Mit der fachgebundenen Hochschulreife kann der Absolvent an jeder deutschen Fachhochschule studieren; grundsätzlich sind alle Fachrichtungen denkbar. Gleiches gilt für die Fachhochschulreife.

Eine weitere Möglichkeit besteht im Studium an der Universität. Mit der fachgebundenen Hochschulreife darf man nur die Studiengänge belegen, die der schulischen Ausbildung entsprechen. Für die Fachhochschulreife gilt grundsätzlich, dass ein Studium an der Universität nicht möglich ist; je nach Bundesland gibt es Ausnahmen.

Im Rahmen des dualen Studiums gelten für beide Abschlüsse die gleichen Voraussetzungen. Man muss die Zulassungbestimmungen der Hochschule beachten sowie die Bedingungen der Firma erfüllen.

Auch bei einem Fernstudium muss man die Regeln der Hochschule beachten; grundsätzlich berechtigen beide Abschlüsse zu einem Fernstudium.

Soziale, technische und wirtschaftliche Berufe als Perspektive
Soziale, technische und wirtschaftliche Berufe als Perspektive

Berufsmöglichkeiten mit Fachabitur

Das Studium an einer Fachhochschule eröffnet Absolventen Berufsaussichten insbesondere im

Bereich und endet mit einem Diplom- oder Bachelorabschluss. Viele Fachhochschulen haben sich auf einen Bereich spezialisiert.

Je nach Institution und Fach gibt es Zulassungsbeschränkungen. Wer den erforderlichen Notendurchschnitt nicht vorweisen kann, muss unter Umständen mehrere Semester auf einen Studienplatz warten.

Der soziale Bereich

Fachabiturienten können an sozial ausgerichteten Fachhochschulen unter anderem Sozialpädagogik bzw. soziale Arbeit oder Sozialmanagement studieren. Mit einem Abschluss in Sozialpädagogik kann man in den verschiedensten sozialen Bereichen tätig werden. Berufsperspektiven bieten sich zum Beispiel

Absolventen aus dem Fachbereich Sozialmanagement sind in ihrem Beruf zum Beispiel für betriebswirtschaftliche Fragen, die Finanzierung oder die Öffentlichkeitsarbeit sozialer Organisationen zuständig.

Der technische und wissenschaftliche Bereich

An technischen Fachhochschulen werden

  • Ingenieure
  • Architekten
  • Informatiker oder auch
  • Elektrotechniker

ausgebildet. Während Ingenieure und Architekten später vor allem die Führung und Kontrolle auf Baustellen übernehmen, forschen und entwickeln Informatiker in der Informationstechnik. In diesem Bereich gibt es zudem gute Möglichkeiten, sich selbstständig zu machen.

Eine forschende Aufgabe haben auch Elektrotechniker. Sie beschäftigen sich zum Beispiel mit der technischen Entwicklung von elektrischen Maschinen.

Allgemein sind die Berufsmöglichkeiten mit dem Fachabitur nicht nur vielfältig, sondern auch aussichtsreich. In der Regel verfügen Fachhochschulabsolventen nämlich über mehr Praxiserfahrung und können mehr einschlägige Praktika vorweisen als Hochschulabsolventen. Viele Arbeitgeber aus Bereichen, die sowohl an der Fachhochschule als auch an der Universität studiert werden können, bevorzugen daher Absolventen der Fachhochschule.

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