Branchen, in denen Schwarzarbeit besonders verbreitet ist

Arbeiter bei Renovierung: Laminat wird verlegt

Über die Verbreitung von Schwarzarbeit

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  • von Paradisi-Redaktion

Die so genannte Schattenwirtschaft ist ein Sektor mit Zuwachsraten, von welchen andere Branchen der Wirtschaft nur träumen können. Gleichzeitig handelt es sich hierbei um ein Phänomen, welches sich vor allem auf einige Teilbereiche der Wirtschaft besonders konzentriert. Es gibt einige Branchen, in denen Schwarzarbeit besonders verbreitet ist, besonders das Baugewerbe ist in diesem Zusammenhang zu nennen. Informieren Sie sich über die Verbreitung von Schwarzarbeit und die entsprechenden Kriterien.

Schwarzarbeit: ein Teil der Schattenwirtschaft

Die Schwarzarbeit wird als Teil der so genannten Schattenwirtschaft angesehen. Sie beschreibt Tätigkeiten, die zwar anfürsich legal sind, jedoch ohne Sozial- und Steuerabgaben und somit am Staat vorbei verbucht werden; eine Rechnung gibt es nicht, stattdessen wird das Geld vor Ort in bar ausgezahlt.

Der andere Bereich der Schattenwirtschaft beschreibt illegale Geschäfte bzw. die daraus erhaltenen Einkünfte. Dabei kann es sich um Waffen-, Drogen- oder Menschenhandel handeln.

Laut aktuellen Schätzungen (2017) geht die Schattenwirtschaft im Gesamten zurück, was vor allen Dingen verbesserten Arbeitsbedingungen in der Wirtschaft zuzuschreiben ist, ebenso der wirtschaftlichen Stabilität hierzulande. Dennoch ist die Schwarzarbeit weiterhin weit verbreitet.

Dabei wird der größte Teil Volkswirten zufolge als Nebenberuf ausgeführt; Betroffene gehen hauptberuflich einer Arbeit nach, welche beim Staat angemeldet ist, nebenbei verdienen sie Geld durch Schwarzarbeit.

Mögliche Risikofaktoren

Insgesamt kann festgehalten werden, dass es eine Reihe von Kriterien gibt, welche in der Regel ein fester Indikator dafür sind, inwiefern Schwarzarbeit ein typisches Phänomen in einer Branche ist. Dabei gilt die Faustregel, dass

  • niedrige Löhne
  • geringe Qualifikationsvoraussetzungen und
  • die Arbeit in der Masse und im Verborgenen

das Aufkommen von Schwarzarbeit begünstigen. Gerade in diesen Branchen werden allerdings auch regelmäßig Richtlinien erlassen, welche leichtere Kontrollen ermöglichen und so den wirtschaftlichen Schaden für Deutschland reduzieren sollen.

Experten zufolge, fördert Mindestlohn und Hinabsetzen des Renteneintrittsalters die Schwarzarbeit

Grafik Nahaufnahme ein 1Euro Stück
euro © phecsone - www.fotolia.de

Die große Koalition möchte mit der Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns und dem Hinabsetzen des Renteneintrittsalters auf 63 Jahre der arbeitenden Bevölkerung das Leben ein Stück weit erleichtern, doch Experten zufolge, könnte dieses Vorhaben die Schwarzarbeit schüren und damit verheerende Folgen für die deutsche Wirtschaft haben.

Negative Auswirkungen des Vorhabens

Schon jetzt werden jedes Jahr mehrere Milliarden Euro durch Schwarzarbeit am Fiskus vorbeigeschleust, doch mit der Einführung eines Mindestlohns und einem niedrigeren Renteneintrittsalter könnte die Schattenwirtschaft in Deutschland noch weiter zunehmen, wie Forscher der Universität Linz und des Instituts für Angewandte Wirtschaftsforschung in Tübingen befürchten.

Gute Konjunktur bedeutet weniger Schwarzarbeit

Im Jahr 2013 wurden bei der Schwarzarbeit rund 338,5 Milliarden Euro erwirtschaftet, was 12,2% des Bruttoinlandsprodukts entspricht. So niedrig waren die Einnahmen in der Schwarzarbeit seit 20 Jahren nicht mehr. Diese Entwicklung ist den Experten zufolge jedoch nur der derzeit guten Konjunktur zu verdanken.

Die Chancen einen regulären Job zu finden, stünden momentan sehr gut. Aber durch die Einführung eines Mindestlohns und die Herabsetzung des Rentenalters würden auch die Steuern steigen, was reguläre Arbeit wieder teurer und damit unattraktiver macht, so die Experten.

Plan gegen Schwarzarbeit existiert noch nicht

Einen Ausgleich für diese sogenannte kalte Progression hat die Bundesregierung bislang noch nicht ins Auge gefasst. Damit würde vor allem für Personen der mittleren Einkommensschichten der Reiz der Schwarzarbeit steigen, um die höheren Abgaben zu umgehen.

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    Branchen, in denen Schwarzarbeit verbreitet ist

    Größtenteils findet man Schwarzarbeit im Baugewerbe sowie in Handwerksbetrieben. Dies ist auf den großen Bedarf an diesen Arbeiten das ganze Jahr über zurückzuführen. Für die Bürger, die eine solche Hilfe benötigen, ist diese Möglichkeit oft erheblich günstiger, als die Bezahlung offziell angemeldeter Tätigkeiten.

    Baugewerbe

    Die Branche, in welcher Schwarzarbeit am meisten verbreitet ist, stellt das Baugewerbe dar. Die Gründe hierfür liegen auf der Hand.

    So ist das Lohnniveau im Baugewerbe einerseits sehr niedrig. Viele Arbeiter sehen demnach in illegalen Aktivitäten die Möglichkeit, das eigene Einkommen aufzuwerten.

    Gleichzeitig bietet das Baugewerbe viele Arbeiten, welche ohne eine wirkliche Ausbildung bewältigt werden können. Diese Branche zieht damit auch Arbeitslose ohne spezielle Qualifikationen an, welche keine Perspektive haben und auf einfache Tätigkeiten aus sind.

    Besonders im Bau- und Handwerksgewerbe gibt es viel Schwarzarbeit
    Besonders im Bau- und Handwerksgewerbe gibt es viel Schwarzarbeit

    Darüber hinaus zeichnet diese Branche ein hoher Konkurrenzkampf der einzelnen Unternehmen untereinander aus, welche dementsprechend auch eher gewillt sind, Schwarzarbeiter zu unterhalten, um einer persönlichen Insolvenz zu entgehen. Um der Schwarzarbeit in dieser Branche Einhalt zu gebieten, wurden bereits zahlreiche Regelungen getroffen.

    So müssen die Arbeitnehmer auf Baustellen beispielsweise seit dem Jahre 2008 ihre Ausweise mit sich führen, um eventuelle Kontrollen zu erleichtern. Kommt ein Bauarbeiter dieser Auflage nicht nach, dann droht ein Bußgeld, welches von ihm selbst zu entrichten ist.

    Weitere Branchen und typische Kriterien

    Neben dem Baugewerbe existieren noch zahlreiche weitere Branchen, in welchen Schwarzarbeit keine Ausnahmeerscheinung ist. So sind unter anderem

    • Speditionen
    • Gebäudereinigungsgewerbe
    • Unternehmen mit Beteiligung an Auf- und Abbau von Messen und Ausstellungen
    • Schaustellergewerbe
    • Gaststätten- und Beherbergungsgewerbe
    • Unternehmen der Forstwirtschaft
    • Fleischereien Großbetriebe und
    • Fahrdienste

    dafür bekannt, der Schattenwirtschaft in Deutschland maßgeblich zur heutigen Größe zu verhelfen. Selbst

    zählen dazu. In vielen Fällen stellt sich dabei die Frage, inwieweit man die Grenze zwischen zwischen Gefälligkeit und Schwarzarbeit ziehen kann, handelt es sich doch beispielsweise nur um eine nette Nachbarschaftshilfe. Hier finden Sie weitere Informationen zu diesem Aspekt.

    Besonders im Pflegesektor nimmt die Schwarzarbeit zu. In diesem Bereich werden häufig Betreuerinnen aus dem Ausland engagiert, welche sich beispielsweise als selbstständig tätige Unternehmer präsentieren; eine Kontrolle, ob diese Personen ihr Geld im Heimatland versteuern, findet in der Regel nicht statt, da sich wohl die wenigsten die Mühe machen, sich in das ausländische Recht einzulesen.

    Fazit

    Auch wenn im Großen und Ganzen die Meldungen über Schwarzarbeit weniger werden, erwartet man auch in den kommenden Jahren, dass man sie nicht gänzlich verhindern wird. Aktuell schätzt man, dass die Schattenwirtschaft etwa ein Zehntel des offiziellen Bruttoinlandsprodukts ausmacht - man geht nicht davon aus, dass dieser Wert niedriger sinken wird, als um die Hälfte.

    Bei Handwerkerleistungen ohne Rechnung gilt auch die Gewährleistung

    Handwerker oder Schreiner beim Abschmirgeln von Holz
    Abschleifen von Holz © Marina Lohrbach - www.fotolia.de

    Mancher privater Auftraggeber beschäftigt einen Handwerker ohne sich eine Rechnung ausstellen zu lassen, so dass weder der Handwerker, noch der Auftraggeber Steuern bezahlen. Doch auch wenn man keine Rechnung bekommt, so muss der Handwerker ordentlich arbeiten, denn auch hier besteht eine Gewährleistungspflicht. Doch wird im Endeffekt ein Gericht das Finanzamt benachrichtigen, wenn herauskommt, dass ein Fall von Schwarzarbeit vorliegt. Und dies wird dann für beide Seiten teuer.

    Aber auch bei der Beschäftigung einer Putzfrau im privaten Haushalt, kann es zu Ärger kommen, besonders wenn ein Unfall oder auch ein Schaden geschieht. Im ersten Fall hilft die gesetzliche Unfallversicherung, die aber die Kosten sich vom Auftraggeber im Falle einer Schwarzarbeit zurückfordern wird. Bei einem angerichteten Schaden, zum Beispiel eine kaputte Vase, wird sich auch die private Haftpflicht der Putzfrau weigern, diesen Schaden zu begleichen.

    Wer regelmäßig einen Job als Babysitter annimmt und bezahlt wird, der sollte besser auch angemeldet sein.

    Grundinformationen und Hinweise zu Schwarzarbeit

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    Quellenangaben

    • Bildnachweis: Renovierungsarbeiten © Balin - www.fotolia.de
    • Bildnachweis: travaux couvreur © 123idees - www.fotolia.de

    Autor:

    Paradisi-Redaktion - Artikel vom (zuletzt überarbeitet am )

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