30. November 2010
In der Regel wahrt der Arbeitnehmer eine gewisse Distanz und Respekt vor dem Arbeitgeber, welcher dies zumeist auch einfordert. Es gibt allerdings oftmals auch Fälle, in welchen der eigene Arbeitgeber ein Familienmitglied ist. Doch welche Vor- und Nachteile zieht einer derartige Konstellation nach sich und wie kann mit eventuellen Konflikten umgegangen werden?
Zunächst einmal ist ein Familienmitglied als Arbeitgeber natürlich ein riesiger Vorteil. So kann davon ausgegangen werden, dass die eigene Verhaltensweise nicht ständig hinterfragt wird und die Loyalität zum Unternehmen als selbstverständlich gelten dürfte. Als Arbeitnehmer genießt man deshalb einen theoretischen Freiraum, wie er wohl im Falle eines nichtverwandten Arbeitgebers nicht gegeben wäre.
Darüber hinaus kann auch viel direkter und ehrlicher mit dem eigenen Arbeitgeber verhandelt werden. Dies wäre beispielsweise im Falle des Wunsches einer Lohnerhöhung der Fall. Diese müsste dann nicht diskret während einer Besprechung oder in schriftlicher Form angedeutet werden. Vielmehr kann ein solcher Wunsch dann im privaten Rahmen und entsprechend locker getätigt werden, ohne dass gar negative Konsequenzen gefürchtet werden müssten. Darüber hinaus lässt sich mit einem Familienmitglied als Arbeitgeber aber auch viel leichter über Urlaube und die Arbeitszeiten verhandeln. In diesem Zusammenhang ist dann auch eine weitaus flexiblere Zeiteinteilung realisierbar, wie sie innerhalb eines bürokratischen Systems wohl nicht üblich bzw. überhaupt möglich ist.
Daneben resultieren aus einem derartigen Arbeitsverhältnis aber natürlich auch Nachteile. Zunächst einmal erntet der Arbeitnehmer seitens der anderen Mitarbeiter häufig Misstrauen oder wird nicht wirklich respektiert. So kann seitens der Mitarbeiter zum einen angenommen werden, dass der Posten nicht aufgrund der eigenen Kompetenz, sondern lediglich aufgrund des Verwandtschaftsgrades derartig besetzt wurden ist. Des Weiteren verhalten sich die anderen Mitarbeiter gegenüber diesem Verwandten des Arbeitgebers häufig reserviert, da befürchtet wird, fragwürdige Äußerungen könnten dem Chef später im privaten Rahmen berichtet werden. Der Arbeitnehmer wird demnach seitens der Mitarbeiter dann wie ein vermeintlicher Spion behandelt, welche nicht ein Teil der Arbeitsgemeinschaft ist. Darüber hinaus kann ein solches Abhängigkeitsverhältnis aber auch zu Problemen führen, sobald eine der Seiten nicht adäquat den eigenen Pflichten nachkommt. Sollten dann Gespräche, welche im familiären Umfeld oftmals nicht ernst genug genommen werden, zu keiner Besserung führen, bleiben nur arbeitsrechtliche Schritte, welche wiederum den Familienfrieden erheblich gefährden.
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