11. Januar 2011
Können Sie sich vorstellen, dass Sie sich von den Leistungen einer dicklichen oder gar übergewichtigen Ballerina verzaubern lassen? Das ist fast nicht denkbar, denn wir sind es anders gewohnt. Ballett wird in der Regel von sehr schlanken bis geradezu beängstigend dünnen Tänzerinnen und Tänzern ausgeführt. Dieses Bild unterstützen die zahlenden Besucher durch ihre Erwartungshaltung. Doch sind Balletttänzer und Ballerinen von Natur aus oder wegen des vielen Sports so dünn? Oder leiden sie unter Essstörungen?
Natürlich wäre es verfehlt, pauschal behaupten zu wollen, dass jeder schlanke Tänzer und jede zierliche Tänzerin unter Essstörungen leidet. Jedoch ist es ein Faktum, dass Bulimie, Magersucht und andere Essstörungen im Umfeld von Tanz und Ballett überdurchschnittlich hoch verbreitet sind. Es ist Teil des Berufsbildes, dünn und zierlich zu sein, und die Tänzer und Tänzerinnen müssen diese Anforderung erfüllen, um überhaupt engagiert zu werden. Nicht jedem gelingt es jedoch, den dünnen Look auf natürliche Weise bei zu behalten. Das harte Training verbrennt viele Kalorien, doch diese müssen dem Körper auch wieder zugeführt werden. Eine gute Ernährung führt häufig zu unerwünscht starkem Muskelwachstum, deshalb werden Kohlenhydrate eingespart, wo immer es möglich ist. Doch damit gewöhnt sich der Körper an eine Mangelernährung, die er bis zu einem bestimmten Punkt kompensieren kann, die dann aber krankhafte Auswirkungen annimmt.
Schnell kann sich auf diese Weise ein ungesundes Essverhalten etablieren. Von hier aus ist der Schritt zur Essstörung nur noch vergleichsweise klein, vor allem dann, wenn noch Leistungsdruck und anderer psychischer Druck dazu kommt. Häufig sind es auch Existenzängste, die die Tänzerinnen und Tänzer zu drastischen Mitteln greifen lassen. Unter dem Druck der allgemeinen Erwartungen wird nun versucht, so dünn als möglich zu bleiben. Häufig bleibt dabei auch die gesunde Selbstwahrnehmung auf der Strecke, denn schließlich bewegen sich die Tänzer und Tänzerinnen in Kreisen, in denen fast jeder sehr dünn ist. So erscheint das Bestreben, ebenso wie die eingesetzten Mittel, ihnen häufig vergleichsweise normal.
Gerade junge Mädchen in der Pubertät sind anfällig für die Problematik der Essstörung. Zwar sind auch junge Männer betroffen, jedoch meist in weitaus geringerem Maße, da sie oft von Natur aus schon sehr schlank sind und erst später beginnen, Gewicht anzusetzen. Häufig beginnt die Problematik der Essstörung also bereits in der Jugend im Ballettunterricht. Es kann auch beobachtet werden, dass Mädchen mit Essstörungen sich in Richtung Ballett orientieren, da sie einen Sport suchen, um Kalorien zu verbrennen. Im Ballett fühlen sie sich unauffällig. So schließt sich der Teufelskreis.
Hier ist Platz für Ihre Meinung zu diesem Artikel.
Lesermeinung schreiben |
26.04.12 | |
![]() | BALLETT |
13.01.12 | |
![]() | BALLETT |
16.12.11 | |
![]() | BALLETT |
13.12.11 | |
![]() | BALLETT |
25.11.11 | |
![]() | BALLETT |
Stellen Sie eine Frage oder lesen Sie mehr im Ballett Forum


Das Verhältnis von Musik und Choreographie hat sich im Verlauf der Ballettgeschichte vielfach verändert. Dabei s...