Bedeutung, Ursprung und Entwicklung des Tätowierens

Junges Paar mit Piercings und vielen Tattoos

Der Siegeszug des Tattoos ist keiner Kultur explizit zugeordnet und findet Ausdruck in Kultur, Religion und Mode

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  • von Paradisi-Redaktion

Der Ursprung des Tätowierens kann keiner Kultur explizit zugeordnet werden. Vielmehr ist davon auszugehen, dass diese Kunst in unterschiedlichen Regionen der Welt zeitgleich entwickelt wurde. Häufig besitzen Tattoos eine religiöse oder rituale Bedeutung, manchmal unterliegen die Motive lediglich modischen Trends.

Der Siegeszug der Tattoos

Sinn eines Tattoos, das auch als Tätowierung bezeichnet wird, ist die dauerhafte Verzierung von bestimmten Körperstellen. Dazu wird ein gewünschtes Motiv mit Hilfe einer Tätowiermaschine in die Haut gestochen.

Tattoos erfreuen sich in der heutigen Zeit großer Beliebtheit. Sie sind aber keineswegs ein neuartiger Modetrend, sondern können auf eine Tradition von mehreren tausend Jahren zurückblicken.

Es wird angenommen, dass das Tätowieren seinen Ursprung in Südwestasien hatte und sich im Laufe der Zeit ausbreitete, nach

Das Tätowieren entwickelte sich wahrscheinlich unabhängig voneinander in verschiedenen Kulturen der Welt.

  • So wurden beispielsweise in Chile etwa 7000 Jahre alte mumifizierte Menschen mit Tätowierungen an den Händen und Füßen aufgefunden.
  • Auch die Gletschermumie Ötzi trug mehrere Motive.
  • Größere Zeichnungen wiesen die in der Eisenzeit lebenden Skythen auf, bei denen es sich um ein asiatisches Reitervolk handelte.

Im Mittelalter waren Tätowierungen in Europa durchaus üblich. Weiterhin wurde auch bei einigen keltischen Stämmen tätowiert.

Einfach nur cool oder bedeutungsvoll? Die Sache mit den Tätowierungen

Nahaufnahme junge dunkelhaarige Frau hat Gesicht auf Hand gestützt, am Arm Grafik Tattoo, geschwungene Linien
natural beauty 4/2 sw © Patrizia Tilly - www.fotolia.de

Am Thema Tätowierungen scheiden sich die Geister: Während es für die einen nichts cooleres gibt als ein Tribal am Arm oder ein Psychobilly Tatoo an der Wade, lassen die anderen ihre Haut lieber unbefleckt.

Einige Trends in der Tatoo-Szene kommen und gehen - so war es noch vor einigen Jahren absolut en vogue, sich asiatische (oder gern auch arabische) Schriftzeichen stechen zu lassen. Dieser Trend scheint langsam wieder abzuflachen, und Motive gewinnen zunehmend an Bedeutung. Totenköpfe, Rosen und Würfel sind beliebte "Codes" unter Anhängern der Rockabilly- bzw. Psychobilly Szene. Rock´n´Roll 2013, gewissermaßen. Maritime Motive wie Schiff und Anker wiederum waren seit jeher untrügliche Zeichen für echte Seemänner oder solche, die sich gern mit diesem verwegenen Ruf schmücken.

Doch apropos Bedeutung: Auch hierüber lässt sich trefflich streiten. Ist es wirklich tiefgründig, sich zum Beispiel ein polynesisches Tribal stechen zu lassen - ein Muster, das hier von niemandem "gelesen" werden kann und somit zur reinen Dekoration wird? Wird ein- und dasselbe Wort spannender, nur weil es in einer anderen Schriftsprache gestochen wird? Vielleicht sollten sich Tatoo-Fans viel eher von ihrem eigenen Geschmack leiten lassen als vom Wörterbuch der Bedeutungen...

Letzteres gibt es übrigens jetzt tatsächlich zu kaufen: In ihrem Party-Knigge "Nachts sind alle Katzen Blau" erklären die Autoren das Einmaleins der Feierkultur - und helfen, die mystischen Symbole auf der Haut der Partybekanntschaft zu entschlüsseln.

Wenn Tattoos Geschichte schreiben

Individuelle Tattoos mit Geschichte sind voll im Trend

Junges Paar mit Piercings und vielen Tattoos
Paar mit tätowiertem Körper © Klemens Oezelt - www.fotolia.de

In der Vergangenheit waren Tattoos mehr oder weniger ein Modetrend. Elfen auf der Schulter, ein Geweih am Hintern und Gothic Symbole an den Schultern. Die meisten Symbole hatten nicht wirklich eine persönliche Bedeutung. Sie erinnerten vielleicht an einen bestimmten Sänger oder an einen Guru. Nicht aber an irgendwelche privaten Angelegenheiten.

Der Trend zum Tattoo mit Erinnerungswert

Standardtattoos sind schon lange out. Viele Menschen lassen sich mittlerweile ganze Sätze, Bilder, Unterschriften oder ein wichtiges Datum in den Körper eingravieren. Meist handelt es sich um sehr wichtige Ereignisse. Zum Beispiel das Geburtsdatum vom eigenen Kind.

Da solche Motive eine Bedeutung haben, werden sie wohl nie aus der Mode kommen. Wer sich eine Comicfigur tätowieren lässt, wird das vielleicht irgendwann bereuen. Das Geburtsdatum vom Kind trägt ein Elternteil sicher in Ehren.

Die geheimen Botschaften der Tattoos

Einige Stars und Sternchen präsentieren in letzter Zeit sogar ganze Tagebücher. Mystische Schriften, Weisheiten und jede Menge interessanter Dinge zieren die nackten Körper. Zum Glück gibt es immer noch Abwechslung bei den Motiven. Ganz verrückte lassen sich nach wie vor, eigenartige Dinge tätowieren. Zum Beispiel ein Sofa oder eine Schere. Ob bei diesen Gegenständen auch etwas dahinter steckt?

Rituelle oder religiöse Bedeutung

Es ist davon auszugehen, dass das Tätowieren anfangs ausschließlich rituelle oder religiöse Bedeutungen besaß. So konnten die Motive als Zeichen der Ehrfurcht vor Göttern oder als Ausdruck der Zugehörigkeit zu einer Sekte gedeutet werden. Auch heute noch werden diese Art von Tattoos zur Schau getragen.

Dem Tätowieren konnte schon sehr früh eine rituelle Bedeutung bei verschiedenen indigenen Völkern sowie in Polynesien und Mikronesien zugeschrieben werden. Obwohl nach der Bibel das Tätowieren bei den Christen unerwünscht war, ließen sich frühchristliche Sekten religiöse Zeichen und Symbole unter die Haut stechen.

Eine besondere Bedeutung spielen Tattoos in der Rangfolge einiger Kasten. Sie symbolisieren, wer das Sagen hat beziehungsweise die Funktion des Einzelnen innerhalb der Gemeinschaft.

Auch in Gefängnissen war und ist diese Form der Machtdarbietung über viele Jahrhunderte beliebt. Hier gilt sie als Ausdruck für die Zugehörigkeit zu einer bestimmten "Gang" oder Gruppe innerhalb und außerhalb der Mauern. Auch zum Zwecke der Selbstdarstellung in bestimmten Szenen können sich Tattoos seit Jeher behaupten.

Tätowierung in anderen Kulturen

Zinnobermiene in Peru entdeckt: So tätowierte sich das Volk der Moche

Die Ruinenstadt "Machu Picchu" in Peru
Machu Picchu - Peru © vladislav333222 - www.fotolia.de

Der Stamm der Moche, südamerikanische Ureinwohner, die vor rund 1600 in der Region des heutigen Peru lebten, war unter Fachleuten schon länger für seine Tätowierkunst bekannt: 2005 entdeckte der Archäologe Regulo Franco das Grab einer Moche-Herrscherin in einer alten Pyramide, deren hervorragend konservierte Haut mit kunstvollen Tiermotiven bemalt war. Die Moche hatten ihre Herrscherin zudem in 26 Schichten erlesene Kleidung gewickelt und ihr Ketten, Kronen, Nasenringe und eine goldene Totenmaske mitgegeben, sowie mehrere Wachen und eine Dienerin, deren Skelette in der Nähe gefunden wurden.

Bislang glaubte Franco jedoch, dass der Zinnober, der für die Tätowierungen genutzt wurde, weit aus dem Süden importiert wurde, doch nun stieß der Archäologe mit seinem Team auf eine lokale Mine im Gebiet des Cerro Campana, einem Hügel, der bei den Moche als Heiligtum galt. Außer Zinnober wurde auch Malachit, Quecksilber und Quecksilbersulfit gefunden, sowie Spuren der Moche selbst in Form von Knochen und Keramikfragmenten. Eine weitere Erforschung der Mine ist jedoch aktuell aufgrund von giftigen Gasen nicht möglich.

Neuseeländische Moko-Tattoos erleben Renaissance

Seit die Kultur der Maori staatlich gefördert wird, erleben auch traditionelle Tattoos eine Renaissance. Einer der bekanntesten Künstler ist Inia Taylor, dessen Kreationen bereits im Film “Once were Warriors“ zu sehen waren. In seinem Studio außerhalb von Auckland pflegt er die Kunst des Moko, wie der typisch neuseeländische Körperschmuck heißt.

Anders als in westlichen Tradition sticht Taylor seinen Kunden keine vorgefertigten Motive in die Haut. Das Moko soll etwas über das Leben seines Trägers erzählen, daher gehört ein ausführliches Vorgespräch dazu.

Während die Tätowierung früher den sozialen Rang anzeigte, geht es heute um persönlichere Aussagen. Und auch die Technik hat sich geändert. Statt Meißeln aus Tierknochen, wie man sie in einer Vitrine im “Moko Ink“-Studio bewundern kann, verwendet der Tätowierer moderne Geräte.

Die Muster aus geschwungenen und verschlungenen Linien verzieren heute vorwiegend Schulter und Arme. Traditionelle Gesichtstätowierungen sieht man nur noch selten. Körperkünstler Taylor, der sich den heimischen Riten verpflichtet fühlt, nimmt solche Tattoos auch nur vor, wenn der Maori-Stamm zugestimmt hat.

Welche Bedeutung haben Ötzis Tattoos?

Die Gletscherleiche Ötzi, die vor 18 Jahren in Österreich gefunden wurde, wird normalerweise unter einer hauchdünnen Eisschicht konserviert. Dadurch soll gewährleistet werden, dass die 5.300 Jahre alte Mumie der Forschung noch möglichst lange erhalten bleibt.

Vor kurzem wurde sie jedoch für ein "Fotoshooting" aufgetaut, bei dem Forscher die Leiche Millimeter für Millimeter abfotografierten. Ein besonderes Augenmerk legten sie auf die ungewöhnlichen Tätowierungen auf dem Körper.

Bis heute sind sich Wissenschaftler nicht einig darüber, welche Bedeutung diese Tattoos hatten. Es wird vermutet, dass sie der Geisterbeschwörung oder der Vertreibung böser Seelen dienen sollten. Möglich ist auch, dass es die Spuren einer der Akupunktur ähnelnden Therapie sind.

Roboter erschafft religiöse Tattoos nach dem Zufallsprinzip

Tätowiermaschine und Tätowiernadeln in verschiedenen Farben
Tattoo © patila - www.fotolia.de

Droht Tätowierern bald die Arbeitslosigkeit? Nun, soweit ist es noch nicht, doch mit Auto Ink gibt es nun den ersten Roboter, der Tattoos herstellen kann. Das Besondere: Die Maschine verpasst dem Tätowierwilligen ein religiöses Motiv nach dem Zufallsprinzip.

Chris Eckert, ein Konzept-Künstler aus Kalifornien, will mit seiner Maschine aufzeigen, dass alle Religionen gleichwertig sind. Er erklärt auf seiner Webseite, dass es reiner Zufall sei, in welchen Glauben ein Mensch hineingeboren werde.

Auto Ink ähnelt vom Aufbau einer Nähmaschine. Bei dem Tätowiervorgang bearbeitet der Roboter den Unterarm, der festgeschnallt auf einem Brett liegt. Als Resultat bleibt ein Tattoo mit einem Motiv aus dem Islam, Christen- oder Judentum.

Modisches Zeichen

Daneben hat das Tattoo auch Einzug in den Bereich der Mode gehalten. Im Allgemeinen wird es von jungen Menschen verwendet. Häufig sind sich diese nicht darüber bewusst, dass modische Trends über eine relativ kurze Zeit andauern. Was heute noch modern ist, kann morgen schon out sein. Wer will inzwischen noch ein einst beliebtes Arschgeweih tragen?

Während man Kleidung oder Piercings einfach ablegen kann, lässt sich das gestochene Motiv nicht ohne Weiteres entfernen. Es muss mit einem Laser beseitigt werden. Mit dieser Behandlung entstehen Kosten, die so mancher junge Erwachsene beim Tätowieren gar nicht eingeplant hatte.

Andere Folgekosten können durch gesundheitliche Probleme auftreten, die beispielsweise durch Farbunverträglichkeiten ausgelöst werden können.

Ausdruck des Protests

Nicht zu unterschätzen ist das Tattoo, welches als Ausdruck des Protests getragen wird. Insbesondere Punker beziehen politisch Stellung durch das Tragen ihrer Symbole. Allerdings sollte nicht verkannt werden, dass es in beinahe allen Szenen sogenannte "Mitläufer" gibt, die sich über die Bedeutung ihrer Tattoos gar nicht im Klaren sind. In diesem Sinne können auch diese Motive modischen Trends oder dem Geltungsbedürfnis zugeschrieben werden.

Tätowierungen können sogar Drohungen ausdrücken, dann haben sie mit modischen Einflüssen nichts mehr gemein.

Mathematiker erstellt Formel für Tätowierungen

Ein mathematisches Modell errechnet ästhetische und gesundheitliche Folgen bei Tattoos aus

Rücken eines Mannes wird von einem Tätowierer tätowiert
tattoo © terex - www.fotolia.de

Tätowierungen sind für immer auf der Haut. Es sei denn, man möchte sie wieder los werden. Doch das ist gar nicht so einfach. Eine Entfernung ist auf alle Fälle sehr viel teurer, als sich ein Tattoo stechen zu lassen. Die effektivste Methode, eine Tätowierung wieder los zu werden, ist die Rubinlasertherapie.

Schwermetallanteile in Tätowierfarben

Wer die Bilder auf seiner Haut jedoch behalten möchte, muss sich darauf einstellen, dass sich diese über die Jahre verändern. Ian Eames von der Universität UCL in London hat nun ein mathematisches Modell entwickelt, mit dem er langfristige ästhetische und gesundheitliche Folgen errechnen kann. Dabei spielt vor allem der Anteil der Schwermetalle (Quecksilber, Blei, Nickel und Zink) in den Tätowierfarben eine entscheidende Rolle.

Laut Eames ist es nun möglich, Prognosen über die Entwicklung von Tattoos über einen langen Zeitraum abzugeben. Manche Farbpartikel zerstört das Immunsystem sofort bei dem Eindringen in die Haut, andere bleiben dort bis sich die Zellen teilen oder absterben. Zuerst verschwinden daher, so Eames, die Details, während die auffälligen Konturen länger erhalten bleiben.

Mögliche gesundheitliche Reaktionen auf Tattoos

Wer sich für eine Tätowierung entscheidet, sollte wissen, dass, nach Angaben von Hautärzten, schwere allergische Hautreaktionen sowie Entzündungen die Folge sein können. Eine Entfernung der Bilder ist teuer und wird nicht von der Krankenkasse übernommen.

Sexuelle Stimulation

Nicht zuletzt wird das Tattoo von einigen Menschen auch als sexuell stimulierend empfunden. Es muss nicht unbedingt sichtbar getragen werden. Entweder befindet es sich an Körperregionen, deren Reize betont werden sollen, oder es drückt die sexuelle Einstellung aus.

Den verstorbenen Ehemann auf der Haut: ein Tattoo aus Asche

Engländerin trägt ein Koi-Tattoo auf ihrem Oberschenkel - Erinnerung an den verstorbenen Ehemann

Nahaufnahme Tätowierer bei der Arbeit, macht Tattoo auf Rücken
Taetowierer bei der Arbeit © bilderbox - www.fotolia.de

Eine Tätowierung ist heutzutage nichts Ungewöhnliches mehr. Auch ein Koi-Tattoo auf dem Oberschenkel ist nicht besonders extravagant. Doch der Karpfen, der auf einem Stück Haut der Engländerin Sharon Britt prangt, ist mehr als ausgefallen. Der Tinte ist ein wenig Asche ihres verstorbenen Ehemannes Matt beigemischt.

Koi-Tattoo zum ersten Hochzeitstag

Sharon und Matt Britt hatten erst im vergangenen Jahr geheiratet. Doch plötzlich und unerwartet verstarb der 36-Jährige kurz nach der Hochzeit. Nach der Einäscherung ihres Ehemannes hatte die Witwe seine Urne mit nach Hause genommen, um, wie sie sagt, ihm nahe zu sein.

Anlässlich ihres ersten Hochzeitstages ließ sich die 42-Jährige für 300 Pfund (rund 340 Euro) nun einen Koi auf ihren linken Oberschenkel stechen. Matt sei, erklärt Sharon, so gerne zum Angeln gegangen. Zwar glaube sie, so die Engländerin, dass die meisten Leute ihre Tätowierung seltsam finden würden, aber dies sei ihr egal. Sie habe sich so entschieden und glaube, dass es Matt gefallen hätte.

Den Rest der Asche bewahrt Sharon Britt nicht mehr in der Urne auf, sondern in einem Plüschtier in Giraffenform. Die Urne habe sie nie leiden mögen, erklärt die 42-Jährige, sie suchte nach etwas, dass sie gerne in ihrer Nähe haben wollte. Außerdem, erzählt Sharon, könne sie die Plüschgiraffe fest an sich drücken, wenn ihr Matt besonders fehle.

Grundinformationen zum Tattoo

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Quellenangaben

  • Bildnachweis: Paar mit tätowiertem Körper © Klemens Oezelt - www.fotolia.de

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Paradisi-Redaktion - Artikel vom (zuletzt überarbeitet am )

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