Bindegewebsmassage: Ablauf, Anwendung und Wirkung

Als Bindegewebsmassage oder Subcutane Reflex Therapie (SRT) bezeichnet man eine manuelle Therapie. Zu den Anwendungsgebieten der Bindegewebsmassage zählen Schmerzen und verschiedene Beschwerden, beispielsweise Magen- und Darmprobleme oder auch Durchblutungsstörungen der Beine. Dabei wird eine spezielle Massagetechnik angewandt. Die Anwendung einer Bindegewebsmassage erfolgt nach einem festen Behandlungsaufbau. Man beginnt mit dem Kleinen Aufbau; danach folgt der Große Aufbau. Es gibt jedoch auch Kontraindikationen. Informieren Sie sich über die durchführung, Wirkung und Anwendungsgebiete der Bindegewebsmassage.

Die Bindegewebsmassage zur Behandlung von subkutanen Störungen

Durchführung einer Bindegewebsmassage

Durchgeführt wird eine Bindegewebsmassage oder Subcutane Reflex Therapie von ausgebildeten Therapeuten oder Masseuren. Darüber hinaus wird die Massage auch von zahlreichen Wellnesseinrichtungen unter anderem Namen angeboten. Diese Anwendungen dürfen aber keinen medizinischen Hintergrund haben und dienen in erster Linie der Ästhetik oder zur Unterstützung von Diäten.

Ablauf

Die Anwendung einer Bindegewebsmassage wird nach einem strengen Behandlungsaufbau vorgenommen. Die Massage beginnt stets mit dem so genannten Kleinen Aufbau, bei dem man die Beckenregion behandelt.

Anschließend erfolgt der Große Aufbau, in den der ganze Rücken und der Bauch mit einbezogen werden. Mit speziellen Massagetechniken reizt der Therapeut oder Masseur sämtliche erkrankten Körperstellen solange, bis es zu einem Ausgleich der Spannungsunterschiede kommt.

Segmentmassage

Gelegentlich kann auch die Segmentmassage, die eine Sonderform der Bindegewebsmassage darstellt, zur Anwendung kommen. Dabei bearbeitet der Therapeut gezielt einzelne Körpersegmente mit Faszien-, Haut- oder Unterhauttechnik, wodurch es zu einer lokalen Mehrdurchblutung des behandelten Gewebes kommt.

Techniken und Wirkung

Es können unterschiedliche Techniken zur Anwendung kommen. Zu diesen zählen:

  • Flächige Techniken: das Unterhautgewebe wird mit Daumen und Fingerkuppen flächlich verschoben
  • Hauttechniken: in der oberflächlichen Verschiebeschicht der Haut wird flächlich verschoben
  • Unterhauttechnik: man benötigt einen stärkeren Zug - je höher die Spannung, desto kürzer fallen die Arbeitsgänge aus
  • Faszientechnik am Faszien- und Muskelrand: man hakt mit den Fingerkuppen mit kurzen Arbeitsgängen an den Faszienrändern an; hier ist der Zug am stärksten

Die zu behandelnde Person verspürt im Idealfall ein klares, helles Schneidegefühl in dem behandelten Bereich. Dieses ist umso größer, je höher die Gewebsspannung. Auch eine vorübergehende Quaddelbildung ist typisch.

Dauer und Wiederholung

In den meisten Fällen nimmt eine Bindegewebsmassage nur etwa 10-15 Minuten in Anspruch. Die Massage muss zwei- bis dreimal in der Woche erfolgen. Durch die regelmäßige Anwendung der Massage können die Organe und ihre Funktionen positiv beeinflusst werden.

Generelle Merkmale und Wirkung

Zweck der Bindegewebsmassage, die auch als Subcutane Reflex Therapie (SRT) bezeichnet wird, ist die Behandlung von subkutanen, also unter der Haut befindlichen Störungen des Körpers durch die Anwendung von speziellen Techniken. Es handelt sich um eine Massage aus dem Bereich der Alternativmedizin.

Als Basis gilt das Konzept der so genannten Headschen Zonen. Um die Bindegewebszonen zu behandeln, kommen

  • Faszien-
  • Unterhaut- und
  • Hauttechnik

zur Anwendung. Von dem Effekt dieser Behandlung profitieren Haut, Bewegungsapparat und innere Organe.

Die Segmentmassage zählt zu den Sonderformen. Hierbei werden einzelne Körperregionen behandelt, was eine stärkere Durchblutung des Gewebes zur Folge hat.

Geschichte

Entwickelt wurde die Bindegewebsmassage, die zu den Reflexzonenmassagen gehört, im Jahr 1929 von der deutschen Krankengymnastin Elisabeth Dicke (1884-1952). Zu jener Zeit litt Elisabeth Dicke an schweren Durchblutungsstörungen im rechten Bein. Dem erkrankten Bein drohte sogar die Amputation.

Um ihre Rückenschmerzen zu behandeln, die durch die lange Bettlägerigkeit entstanden waren, nahm Elisabeth Dicke eine Selbstmassage am Becken vor. Dadurch besserten sich nicht nur ihre Rückenschmerzen, sondern auch die Durchblutung des erkrankten Beines. Mit Hilfe ihrer Massage konnte Elisabeth Dicke sogar bestimmte Erkrankungen wie Nierenkoliken beheben.

Schließlich entwickelte die Krankengymnastin eine spezielle Massagemethode, die zu einer positiven Beeinflussung von Organen führte. Wenn eine Bindegewebsmassage aus medizinisch notwendigen Gründen ärztlich verordnet wurde, wird der Großteil der Behandlungskosten von den Krankenkassen übernommen, wobei der Patient einen geringen Eigenanteil bezahlt.

Grundlage

Grundlage der Bindegewebsmassage, ist die Annahme, dass es bei Erkrankungen der inneren Organe im lockeren Bindegewebe zu Spannungsunterschieden kommt. Durch die Anwendung der Bindegewebsmassage sollen diese Spannungsunterschiede erfühlt, beurteilt und behandelt werden. Therapeut oder Masseur untersuchen dabei auch die Beschaffenheit des Bindegewebes.

Die Bindegewebszonen sind größtenteils identisch mit den Headschen Zonen. Typisch ist, dass es nicht zu spontanen Beschwerden kommt.

Stattdessen kommt es erst beim Behandeln und Ertasten zu Schmerzen. Die Spannung ist erhöht, die Verschiebbarkeit vermindert. Es gibt folgende Bindegewebszonen:

  • Kopfzonen
  • Bronchialzone
  • Armzone
  • Magenzone
  • Leberzone
  • Herzzone
  • Nierenzone
  • Darmzone
  • Genitalzone
  • Blasenzone
  • Venen-Lymphzone
Frau bekommt Massage am Oberschenkel
Frau bekommt Massage am Oberschenkel

Anwendung zur Diagnose

Hier geht man davon aus, dass Erkrankungen der inneren Organe zu veränderten Spannungsverhältnissen im Bindegewebe der Haut führen. Diese entstehen, wenn Haut und Unterhaut gewissermaßen miteinander verkleben.

Durch eine Massage können diese Stellen zunächst durch Tasten aufgespürt und anschließend behandelt werden, wobei auf einen Spannungsausgleich hingearbeitet wird. Diese zu bearbeitenden Zonen finden sich hauptsächlich am Rücken.

Anwendung zur Behandlung

Nach den Vorstellungen der Naturheilkunde werden bei diesem Verfahren auch die Organe positiv beeinflusst, die durch dieselben Nervenstränge versorgt werden wie das bearbeitete Hautsegment. In der Bindegewebstherapie werden den Organen bestimmte Zonen zugeordnet, die senkrecht zur Wirbelsäule verlaufen. Findet sich innerhalb einer Zone eine Störung in Form einer Verknotung, so muss den Vorstellungen der Therapie nach auch das zugeordnete Organ betroffen sein.

Anwendungsgebiete

Massage mit beiden Händen entlang der Taille
Massage mit beiden Händen entlang der Taille

Zu den Anwendungsgebieten der Bindegewebsmassage gehören:

Kontraindikation

Es gibt allerdings auch - oft recht ähnliche - Erkrankungsformen, bei denen diese Massage nicht oder nur nach ärztlicher Absprache angewendet werden sollte. Hierzu zählen beispielsweise

Auch bei Blutungsneigung sollte das Gewebe nicht auf diese Art stimuliert werden.

Quellen:

  • Carola Bleis: Bindegewebs-Massage: Muskelblockaden einfach lösen - Organfunktion verbessern. Reflexzonenbehandlung am Rücken, Neue Erde Gmbh, 2010, ISBN 3890605427
  • Hans Schliack und Elke Harms: Bindegewebsmassage nach Dicke, Hippokrates, 2001, ISBN 3777312967
  • Hede Teirich-Leube: Grundriß der Bindegewebsmassage. Anleitung zur Technik und Therapie, Urban & Fischer Verlag, 1999, ISBN 3437464906

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