4. Januar 2012
Von Cornelia Scherpe
Bärengalle ist ein beliebtes Extrakt in Asien. Die Gallenflüssigkeit der Tiere wird dort als Medikament verwandt. Dass die Entnahme eine schreckliche Tierquälerei ist, ist den Käufern und Verkäufern dabei egal.

Viele Menschen denken, dass Bärengalle nur ein dubioses Medikament ist. Dem ist nicht so. Der Wirkstoff im Gallensaft der Tiere hat nachweislich eine heilende Wirkung. Er wird in der traditionellen chinesischen Medizin bereits seit Jahrhunderten benutzt, um Augenkrankheiten und Leber- sowie Gallenleiden zu behandeln. Der Wirkstoff in der Gallenflüssigkeit wird Ursodeoxycholsäure, kurz UDCA genannt.
In einigen Regionen Asiens gibt es regelrechte Bärenfarmen, wo die Tiere in unwürdigen Bedingungen gehalten und zwei Mal am Tag "abgezapft" werden. Vermeintliche Tierärzte schneiden den Bären dafür mit einem Skalpell auf und stecken in die Gallenblase des Tieres einen Katheter aus Plastik oder auch aus Metall. Die Wunde wird ständig offen gehalten, daher leiden die Bären nicht zur unter starken Schmerzen, sondern verenden oft auch aufgrund unbehandelter Infektionen. Die Tiere, die lange genug überleben, werden regelmäßig "gemolken". Eine Betäubung bekommen sie dabei nicht. Sie liegen den gesamten Tag in winzigen Käfigen auf dem Rücken, da sie sich mit den offenen Wunden auch kaum bewegen können.
Für die gewonnene Bärengalle lassen sich die Händler bis zu 410 Dollar pro Kilogramm bezahlen. Dieses gewinnorientierte Verhalten geschieht auf Kosten der Bären. Zwar ist das Medikament wirklich wirksam, doch es handelt sich dennoch um völlig unnötige Tierquälerei. Ursodeoxycholsäure kann inzwischen nämlich synthetisch hergestellt werden. Eigentlich müsste kein Tier mehr leiden. Dennoch ist für den Handel mit Bärengalle kein Ende im Sicht. Die Händler verdienen viel zu gut damit und gewissenlose Reiseveranstalter bieten sogar Trips in eine Bärengalle-Farm an.
Die Ärzte vor Ort und auch große Teile der Regierung sind gegen die Farmen und wollen den grausamen Handel im eigenen Land Einhalt gebieten. Die Tiere innerhalb der Landesgrenze sollen zur Herstellung des Pulvers nicht mehr leiden müssen. Dies ist aber leider oft nicht so einfach. Es gibt bereits neu erlassene Gesetze, zum Beispiel in Vietnam. So können zum Beispiel alle Reiseveranstalter nun ihr Lizenz und damit ihrem Job verlieren, wenn sie "Bärengallen-Reisen" anbieten. Leider ist dies aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein, wie Tierschützer betonen. In Vietnam hat man daher zudem den freilebenden Bären kleine Chips implantiert, damit man immer sehen kann, wo sie sich befinden. So können zumindest diese circa 4.000 Bären geschützt in Freiheit leben.
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