14. November 2006
Der Begriff "Kneipp-Kur" weckt wahrscheinlich bei vielen Menschen Assoziationen von "Wasser treten" und befremdlichen Güssen. Doch die Behandlung hat weit mehr zu bieten als nasse Anwendungen und kalte Füße.
Die Kneipp-Kur wurde im 18. Jahrhundert von Sebastian Kneipp entwickelt, der in jungen Jahren an Tuberkulose erkrankte. Auf der Suche nach einem Weg, seine Krankheit zu besiegen, schuf er ein ganzheitliches Verfahren, das gleichermaßen die geistige und körperliche Gesundheit stärken kann.
Das komplexe Naturheilverfahren besteht aus fünf Pfeilern: Der Hydrotherapie (Wasseranwendungen), Bewegungstherapie, Phytotherapie (Pflanzenheilkunde), Ernährungstherapie und der Ordnungstherapie.
Die Hydrotherapie sieht verschiedene kalte und warme Anwendungen wie Güsse mit Kräutern, Waschungen, Wickel und Wassertreten vor. Die kalten Anwendungen dienen ähnlich einem Saunabesuch dem Training des Gefäßsystems und Kreislaufs. Denn nach einem kalten Guss oder Wickel erfolgt stets eine Erwärmung. Dadurch erweitern und verengen sich die Blutgefäße im steten Wechsel. Unterstützend werden die Wasseranwendungen mit Heilkräutern kombiniert.
Neben Badezusätzen finden sie vor allem in Tees und Salben Anwendung. Sebastian Kneipp verfügte über ein großes Heilpflanzenwissen und so war es ihm möglich, Kräuter gezielt bei Beschwerden wie Fieber, Asthma, zur Belebung von Geist und Körper und zur Entgiftung anzuwenden.
Eine weitere wichtige Komponente der Kneipp-Anwendung ist die Bewegung. Denn regelmäßige Bewegung aktiviert den Körper und die Selbstheilungskräfte. Die Muskulatur wird aufgebaut, die Gelenke entlastet und das Herz-Kreislaufsystem trainiert. Besonders geeignet ist Bewegung an der frischen Luft, da der Körper so optimal mit Sauerstoff versorgt wird. Wichtig ist, dass nicht Höchstleistungen im Vordergrund stehen. Es geht vielmehr darum, den Körper durch sanfte Sportarten wie Schwimmen oder zügige Spaziergänge anzuregen.
In Sachen Ernährung setzte Kneipp auf eine gesunde Vollwertkost. Obst, Gemüse, Getreideprodukte und Milchwaren bilden den Kern der ausgewogenen Ernährung, die den Körper mit wichtigen Nährstoffen, Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen versorgt. Fette, Salze und Alkohol sollten gemieden werden.
In der Ordnungstherapie wird eine Lebensführung gelehrt, die ein Leben nach den Gesetzmäßigkeiten der Natur ermöglicht. Im Zentrum der Therapie steht die Annahme, dass jeder Körper einem eigenen naturgegebenen Rhythmus gehorcht. Daher sollten sich, abhängig vom individuellen Rhythmus, Ruhe- und Erholungsphasen abwechseln. Nach anstrengenden Phasen sorgen Meditation und Atemübungen für tiefe Entspannung und mehr Ruhe im Alltag.
Kneipp verdankte der umfassenden Therapie seine vollständige Genesung.
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