28. März 2009
Von Andreas Hadel
Yoga gehört zu den vielseitigsten Sportarten unserer Zeit, wobei der Begriff Sportart mit Vorsicht zu verwenden ist, denn die indische Bewegungsschule hehgt höhere Ziele als simple Körperstraffung. Yoga ist eine Lebenseinstellung. Ein Bekenntnis zur inneren Kraft. Unzählige Menschen haben sich aus verschiedenen Motiven dem Yoga zugewandt und aus dieser kreativen wie spirituellen Menge entspringen seit jeher neue Ideen und Ansätze, die immer wieder die indische Meditationsgymnastik auf neue Wege führt. Bikram-Yoga ist einer davon.
Wer sich an Bikram-Yoga versuchen möchte, sollte knappe Übungskleidung und ein Handtuch, besser jedoch zwei, in die Trainingstasche packen und keine Scham verspüren, wenn die Schweißdrüsen in exzessiver Weise der körperlichen Anstrengung in wenig eleganter Weise einen optisch fassbaren Ausdruck verleihen.
Bikram-Yoga ist eine Form der Hatha-Yoga-Schule. Jener Yoga-Stil, der gemeinläufig auch als Power-Yoga bekannt ist. Bei Bikram werden die körperlich recht fordernden Übungen jedoch in einen auf etwas mehr als 40 Grad Celsius erhitzen Raum bei eine Luftfeuchte von 40 Prozent ausgeführt. Ganze 26 Positionen müssen unter diesen Bedingungen gehalten werden. Eine Einheit dauert in der Regel um die 90 Minuten.
Bikram-Yoga ist, wie die meisten anderen Yoga-Formen auch, ein Ganzkörpertraining, das zu einer gleichmäßigen Entwicklung führt und neben eines fitten Aussehens auch ein entspannteres Wesen und eine bessere Gesundheit zur Folge hat. Die Wärme des Übungsraumes ist nicht als neuer Schwierigkeitsgrad gedacht. Viel eher soll sie wie ein chemischer Katalysator den Trainingseffekt der Yoga-Übungen um ein Vielfaches erhöhen. Die hohe Temperatur kommt der Muskulatur direkt zu Gute, indem sie sie erwärmt und damit das Gewebe dehnbarer und verletzungsunanfälliger macht. So verlieren selbst Positionen, bei denen man nicht genau weiß, wie man wieder aus der Verwindung herauskommt, den intuitiv einflössenden Schrecken.
Obwohl einige der 26 Übungen selbst für fortgeschrittene Yogi eine Herausforderung darstellen und die Raumtemperaturen für Nicht-Saunagänger ungewohnt sein mögen, ist Bikram auch für Anfänger trainierbar. Alle Übungen lassen sich in ihrer Dehntiefe und Kraftaufwendung den individuellen Fähigkeiten und Leistungsstand anpassen. Und an die Hitze hat man sich spätestens nach der dritten Einheit gewöhnt.
Angesichts der Tatsache, dass sich bei der Bikram-Schule die Vorteile des klassichen Yogas mit den Nutzen eines Saunaganges kombinieren lassen, hat sich das Konzept vor allem bei den stets auf Zeiteffizienz bedachten New Yorkern durchgesetzt. In Deutschland hat sich diese äußerst schweißtreibende Yoga-Form noch nicht durchsetzen können. Die hohen technischen Anforderungen, die ein auf 40 Grad beheizter Raum bei 40 prozentiger Luftfeuchtigkeit mit sich bringt, sind nicht ohne Weiteres zu erfüllen. Hin und wieder sieht man eine Yoga-Klasse in einer Schwimmhalle üben. Ein Versuch, den Bedingungen des Bikram-Yogas nahe zu kommen. Das Nahkommen reicht aber nicht aus, um es offiziell als Bikram-Yoga bezeichnen zu dürfen. Und hierbei offenbart sich der zweite Grund für die schleppende Verbreitung dieses durchaus interessanten Konzepts. Der Begründer dieser Yoga-Richtung, der in den USA lebende Inder Bikram Choudhury, hat seine Lehre an eine streng geführtes Franchise-Marketing-Strategie geknüpft. Ein Vorgehen, dass in der Yoga-Welt unüblich ist und gegensätzlich zum spirituellen Ansatz der indischen Gymnastik steht. Bikram wird daher von vielen traditionellen Yogis skeptisch betrachtet. Die zum Teil sehr drastischen Äußerungen vom Bikram-Urvater selbst, führen in verlässlicher Regelmäßigkeit ebenfalls zu Unstimmigkeiten in der Yoga-Gemeinschaft. So verweist Choudhury manchmal gern auf die Größe seines Gemächts, wenn er von Journalisten gefragt wird, warum seine Yoga-Richtung anderen Stilen überlegen sein soll.
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