Welches Licht für welchen Lebensbereich? Über die Wirkung von Farbtemperaturen (Lichtfarben)

Hell leuchtende Glühbirne liegend

Für konzentriertes Arbeiten: Cool-White-Lampen haben eine motivierende und weckende Auswirkung, doch es gibt auch warmweißes und neutralweißes Licht

Begriffe wie Warmweiß, Neutralweiß und Tageslichtweiß oder Kaltweiß stammen aus der Beleuchtungsbranche. Sie bezeichnen die Farbtemperatur des Lichtes, mit dem wir uns umgeben. Doch welches Licht ist für welchen Lebensbereich wirklich geeignet und wie wirken die verschiedenen Farbtemperaturen auf unser Gemüt und unseren Tagesrhythmus?

Über die Lichtfarbe und Farbtemperatur

Um Leuchtmittel zu charakterisieren, bedarf es der Lichtfarbe. Diese Lichtfarbe lässt sich durch verschiedene Faktoren beschreiben:

  • die Lichtart
  • den Farbort in einem Farbendreieck
  • den Farbwiedergabeindex Ra
  • einen einen Farbnamen (oder eine generische Zahl) sowie
  • die Farbtemperatur.

Die Farbtemperatur von Lampen wird in Kelvin (abgekürzt mit K) gemessen. Eine Kerze zum Beispiel hat eine warme, gelbe Farbtemperatur von nur 1.500 Kelvin. Eine übliche 40-Watt-Glühlampe erreicht etwa 2.700 Kelvin und ihr Licht wird deshalb mit warmweiß bezeichnet. Eine Halogenlampe erreicht bereits einen Kelvin-Wert von 3400 und wird mit neutralweiß bezeichnet.

In der folgenden Tabelle erhalten Sie einen kurzen Überblick über die unterschiedlichen Weißtöne und deren Wirkung auf den Menschen.

Kennzeichnung der Lichtfarbe
BezeichnungFarbtemperaturBeschreibungWirkung auf den Menschen
warmweiß (ww)unter 3300 KLicht: gelbweißbehaglich, gemütlich
neutralweiß (nw)3300 bis 5300 KLicht: weißsachlich, künstlich
tageslichtweiß (tw)über 5300 KLicht: tageslichtähnlichanregend, technisch, passend zu einfallendem Tageslicht

Mit Tageslichtlampen gegen depressive Stimmungen im Winter ankämpfen

Herbstblues - Frau mit Winterdepression hockt traurig am Baumstamm auf Herbstwiese
Autumn depression © Photographee.eu - www.fotolia.de

Die Wintermonate erscheinen vielen Menschen ewig lang. Die kalten und tristen Tage sind nicht gerade aufheiternd und durch den Mangel an Sonnenlicht kann es schnell zur Erschöpfung und Müdigkeit kommen. Die Rede ist vom bekannten "Winterblues", der sich unter Umständen auch zu ernsten Depressionen entwickeln kann. Experten sprechen dann von der saisonal abhängigen Depression (SAD).

Der Grund dafür liegt im Hormonspiegel. Die Menge von Melatonin, welches vor allem nachts ausgeschüttet wird, steigt während der dunklen Tage und gleichzeitig wird weniger des "Glückshormons" Serotonin produziert. Schlechte Stimmung ist damit vorprogrammiert. Durch regelmäßige Spaziergänge und Sport an der frischen Luft kann diese wieder etwas gehoben werden.

Doch damit man auch zu Hause nicht in ein Tief fällt, hat ein Unternehmen Tageslichtlampen auf den Markt gebracht. Diese werden im Rahmen einer Lichttherapie verwendet und simulieren das Sonnenlicht. Bei regelmäßiger Anwendung können somit sowohl körperliche als auch seelische Beschwerden deutlich gelindert werden.

Blaues Licht hilft gegen Müdigkeit

Müde, gestresste Geschäftsfrau mit Kopfschmerzen fasst sich an die Schläfe
Thinking, tired or ill with headache businesswoman © vgstudio - www.fotolia.de

Blaues Licht kann gegen das große Gähnen am Schreibtisch helfen, berichtet die „Apotheken Umschau“. Britische Forscher setzten bei einer Studie erst herkömmliche weiße Leuchtstoffröhren mit einer Farbtemperatur von 4000 Kelvin ein, dann bläuliches Licht mit 17 000 Kelvin.

Ergebnis: Leistungsfähigkeit, Konzentration und Wohlbefinden der Teilnehmer stiegen bei höherem Blauanteil.

Mit Tageslichtlampen Depressionen heilen

Zweige im Wald durch die Lichtsstrahlen scheinen
beams of light through forest © Paul Hill - www.fotolia.de

Ein Mangel an Sonne und Tageslicht ist nicht nur schlecht für die Vitamin-D-Produktion, sondern drückt bei vielen Menschen auch nachweislich auf die Stimmung. Gerade im Herbst und Winter kann es durch zu wenig Licht zu einer sogenannten Winterdepression kommen, die sich in einer starken Antriebslosigkeit äußert.

Hilfreich bei derartigen Symptomen während der dunklen Jahreszeit sind Tageslichtlampen. Wer eine solche erwerben möchte, sollte jedoch beachten, dass die Lichtstärke bei mindestens 2.500 bis 10.000 Lux liegen sollte, um eine gute Wirksamkeit zu erzielen. Selbst bei bedecktem Himmel beträgt die natürliche Lichtstärke draußen 15.000 Lux.

Ferner spielt die Lichtfarbe eine entscheidende Rolle. Sie sollte der natürlichen Lichtfarbe von 5.500 Kelvin möglichst nahe kommen, damit sich eine positive Wirkung auf Hormonhaushalt und Stimmung einstellen kann.

Für jede Situation die richtige Beleuchtung

Unterschiedliche Farbtemperaturen wirken sich also auch unterschiedlich auf unser Gemüt aus. Für diverse Lebensbereiche, so wie Arbeit oder Entspannung, sollte daher auch das passende Licht gewählt werden. Die Farbtemperatur beeinflusst das menschliche Befinden, ähnlich, wie die das Sonnenlicht.

Cool-White-Lampen und neutralweiße Lampen

Spezielle Cool-White-Lampen sind dem Tageslicht sehr ähnlich und werden mit tageslichtweiß bezeichnet bzw. bei sehr hohen Wattzahlen auch mit kaltweiß. Die zuletzt genannten Lichtfarben

  • kaltweiß
  • tageslichtweiß oder
  • englisch coolwhite

kennen wir am ehesten bereits von den Neonröhren in Bürobereichen oder auch der Küche. Auch neutralweiße Lampen eignen sich für diese Räume.

Wer gerne mit dem sehr hellen Licht der Cool-White-Lampe arbeitet, weil dieses kontraststark ist (PC-Bildschirme haben z.B. dieses weiße Licht), der sollte sich am späten Nachmittag oder frühen Abend in einem Raum mit eher gelblicher Beleuchtung aufhalten, um seinen inneren Feierabend einzuläuten.

Denn Cool-White-Lampen sind motivierend und weckend, die Melatonin-Produktion im Körper wird unterdrückt. Melatonin ist unser körpereigenes Schlafhormon. Was für eine Arbeitssituation gut ist, weil man nicht schnell müde wird, kann nachts dagegen einen gesunden Schlaf verhindern.

Einsetzen lassen sich Tageslichtlampen sowie auch neutralweiße Lampen in verschiedenen Bereichen und Situationen:

  • wo man sich lange aufhält
  • wo man Arbeiten erledigt, bei denen man gut sehen muss (z.B. im Arbeitszimmer und in der Küche oder auch bei Haus- und Handarbeiten)
  • für Haustiere (z.B. Aquarien)

Wer neutralweiße Lampen wählt, sorgt für eine etwas wohnlichere Atmosphäre.

Tageslicht- oder neutralweiße Lampen sind für den Schreibtisch geeignet
Tageslicht- oder neutralweiße Lampen sind für den Schreibtisch geeignet

Warmweiße Lampen

Warmweiße Lampen oder gelbliche Lampen mit einer geringen Wattzahl wirken auf den Körper eher wie ein Sonnenuntergang, wodurch er zum Entspannen und zur Melatonin-Produktion angeregt wird. Nach zwei bis vier Stunden bei solchem Licht sind wir dann bereit für die Einschlafphase.

Auch im Badezimmer oder WC-Raum sollte man lieber auf warmweiße Lampen zurückgreifen, damit wenn wir nachts dorthin müssen, in unserem Körper nicht schon der Tag anbricht. Wer dort allerdings helles Licht benötigt, zum Beispiel zum Schminken oder Rasieren, sollte das kalte Licht eher direkt beim Spiegel anbringen und die Deckenlampe mit einer warmweißen Glühlampe versehen.

Auch in Pflege- und Seniorenheimen wird übrigens inzwischen für den Tagesverlauf eine jeweils angemessene Farbtemperatur der Lampen eingesetzt. Denn es hat sich herausgestellt, dass Menschen, die ständig dem kaltweißen Licht (Neonröhren) ausgesetzt waren, viel größere Schlafprobleme hatten, als jene, die gegen Abend mit dem warmweißen Licht versorgt wurden.

Verschiedenfarbiges Licht bringt innere Uhr aus dem Takt

Drei Tischlampen, Lounge
3 lamps © Evgenia Smirnova - www.fotolia.de

Nach den ausgedienten klassischen Glühbirnen und Energiesparlampen soll nun eine neue Generation der LED's für angenehmes Licht sorgen. Mit der riesigen Farbauswahl der kleinen Dioden können anscheinend auch Schlafstörungen gelindert werden, was Kritiker allerdings bis heute bezweifeln.

Fest steht jedoch, dass unsere innere Uhr auf das Tageslicht der Sonne ausgelegt ist und jegliche künstliche Beeinflussung diese innere Uhr aus dem Takt bringen kann. Die Möglichkeiten der LED's sind trotzdem gigantisch, da Lichtforscher am Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation jetzt ein neues Bürolicht programmiert haben.

Dank der roten, blauen und grünen Dioden können sie beispielsweise an der Decke eines Großraumbüros den Himmel mittels speziellen LED-Kacheln simulieren. Ähnliche Konzepte bieten viele Hersteller wie zum Beispiel Philips auch für zu Hause an, deren LED-Lampe "Hue" sich per Tablet oder Smartphone ständig an den gewünschten Farbton anpassen lässt.

Bessere Stimmung im Büro - Forscher arbeiten an virtuellem Himmel

Geschäftsfrau sitzt am Tisch eines Büros und bedient ihr Smartphone
Geschäftsfrau im Büro schaut auf Smartphone © Robert Kneschke - www.fotolia.de

Licht hat einen großen Einfluss auf die menschliche Stimmung. Es aktiviert das Glückshormon Serotonin, weshalb zu wenig Licht in den dunklen Wintermonaten zu Depressionen führen kann. Spaziergänge wirken da ein wahres Wunder, die Lichtausstrahlung des Himmels ist auch an trüben Wintertagen nicht zu unterschätzen. Vor allem blaues Licht drosselt das Schlafhormon Melatonin und macht körperlich wach.

Auch der menschliche Biorhythmus passt sich den Lichtverhältnissen an. Forscher des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO wollen sich das zunutze machen und das perfekte künstliche Licht für den Menschen erschaffen. Mit dem "Virtual Sky" sollen statische Lichtverhältnisse in Büros der Vergangenheit angehören.

Der virtuelle Himmel spiegelt stattdessen natürliches Licht wider und verändert sich im Laufe der Tageszeit. Mit einer Gesichtserkennungssoftware ausgestattet soll der "Virtual Sky" sogar die Stimmung von Büroangestellten berücksichtigen. Müde Mitarbeiter könnte der künstliche Himmel dann mit blauem Licht munter machen, gereizte Angestellte würden sich mit rosa Licht beruhigen lassen.

Die Farbtemperatur nach der Tageszeit wählen

Die richtige Beleuchtung Zuhause sorgt für Wohlbefinden
Die richtige Beleuchtung Zuhause sorgt für Wohlbefinden

Im heimischen Bereich kann man sich auch mit verschiedenen Lampen –

– eine jeweils angemessene Lichtsituation einstellen. So kann man tagsüber konzentriert und augenschonend mit hellem, weißen Licht agieren und gegen Abend die kleinen, warmweißen Lese- oder Stehlampen anknipsen und die Deckenleuchte ausschalten. Auf diese Weise hat man für jede Tageszeit und jede Tagessituation die angemessene Beleuchtung für seinen Raum.

War der Artikel hilfreich?

Fehler im Text gefunden?

Bitte sagen Sie uns, warum der Artikel nicht hilfreich war:

Um die Qualität unserer Texte zu verbessern, wären wir Ihnen dankbar, wenn Sie uns den/die konkreten Fehler benennen könnten:

Quellenangaben

  • Bildnachweis: glühbirne © Falko Matte - www.fotolia.de
  • Bildnachweis: Wohnzimmer © F.E.I VISION - www.fotolia.de
  • Bildnachweis: Father helping daughter to finish homework © kerkezz - www.fotolia.de

Autor:

Patricia Lynn Bennett - Artikel vom (zuletzt überarbeitet am )

Weitere Artikel zum Thema