11. Juni 2006
Lange unterschätzte man die Bedeutung der sekundären Pflanzenstoffe für die menschliche Ernährung. Dabei können sie zahlreiche Schutzfunktionen im menschlichen Körper erfüllen. Und obwohl die Wirkung von Corotinoiden und Co. für den Menschen erst in Ansätzen geklärt ist, umfasst die Liste der bereits entschlüsselten positiven Einflüsse auf unsere Gesundheit bereits eine stattliche Anzahl von Punkten. Vom Siegeszug der essbaren Heilmittel der Natur.

Unter dem Begriff der "sekundären Pflanzenstoffe" verbirgt sich ein breites Spektrum unterschiedlicher chemischer Substanzen. Gebildet werden diese Stoffe im Zuge des Sekundärstoffwechsels in Pflanzenzellen. So unterschiedlich ihre chemische Zusammensetzung ist, so mannigfaltig ist auch ihre Wirkungsweise im Organismus: So dienen diese Substanzen etwa als Signalstoffe, nehmen Schlüsselfunktionen bei der Entgiftung und der Steuerung der Stoffwechselaktivität ein, koordinieren Entwicklungsabläufe und sind essentiell für die Abwehr von Fressfeinden.
Da einige Produkte des Sekundärstoffwechsels hochgradig toxisch sind, vermutete man lange Zeit, dass sekundäre Pflanzenstoffe für den Menschen schädlich sind. Erst in den frühen 90er Jahren begannen Forscher den heilsamen Funktionen dieser Stoffe auf die Schliche zu kommen.
Eine wesentliche Rolle nehmen die sekundären Pflanzenstoffe bei der Inaktivierung krebserregender Stoffe ein. So können sie freie Radikale unschädlich machen, die als Nebenprodukt im menschlichen Stoffwechsel gebildet werden. Diese sehr reaktionsfreudigen Substanzen sollen an der Entstehung von Krebs und Herz-Kreislauferkrankungen beteiligt sein.
Zu den "Gegenspielern" der freien Radikale gehören die Carotinoide, die als Farbstoff vor allem in gelben und roten Obstsorten vorkommen. Aber auch grünblättriges Gemüse wie Grünkohl, Spinat und Brokkoli enthält die schützende Stoffgruppe. Carotinoide beugen nicht nur Krebserkrankungen vor, sondern stärken zudem unser Immunsystem und schützen vor Herzinfarkten.
Auch die Glucosinolate, Sulfide und Terpene sollen einen Schutz vor Krebs bieten. Glucosinolate finden sich in allen Kohlsorten, in Senf und Meerrettich. Die Sulfide werden in Zellen der Zwiebeln, des Knoblauchs und Spargels gebildet. Sie fangen nicht nur freie Radikale ab, sondern hemmen zusätzlich Entzündungsreaktionen und fördern Heilungsprozesse.
Ein Schutz vor Dickdarmkrebs sollen die Phytosterine und Saponine bieten. Diese Substanzen kommen hauptsächlich in Hülsenfrüchten, Spinat, Nüssen, Sonnenblumenkernen und Sojabohnen vor und können bei ausreichendem Verzehr außerdem den Cholesterinspiegel senken.
Wahre Alleskönner unter den sekundären Pflanzenstoffen sind die Polyphenole und Flavonoide. Sie kommen als Farbstoffe in Kirschen, Aprikosen, Beeren, Trauben und schwarzem Tee vor. Sie leisten Dienste im Schutz gegen Krebs und Herzinfarkte, hemmen die Vermehrung von Bakterien und Viren und stärken das Immunsystem.
Sekundäre Pflanzenstoffe werden seit Menschengedenken zur gezielten Medikation bei Infekten genutzt. Obwohl bereits unsere Vorfahren gute Erfahrungen mit diesen Substanzen sammeln konnten, brauchte es Jahrhunderte bis die schützenden Funktionen dieser Pflanzenstoffe wissenschaftlich belegt werden konnten. Dabei bedarf es nur eines Besuchs im Gemüseladen, um unseren Gesundheitszustand positiv zu beeinflussen. Und das völlig ohne Nebenwirkungen.
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