(Osteoporotische) Wirbelkörperfraktur - Ursachen, Symptome und Behandlung

Bei einem Wirbelkörperbruch handelt es sich um die spezielle Fraktur eines Wirbelkörpers. Dabei bleiben die Wirbelbögen unversehrt. Bei der osteoporotischen Wirbelkörperfraktur handelt es sich um eine besondere Form des Knochenbruchs. Sie wird durch Osteoporose hervorgerufen.

Ist Osteoporose die Ursache eines Wirbelkörperbruchs, unterscheidet man die bikonkave Fraktur, die Keilfraktur sowie den Stauchungsbruch

Wirbelkörperbruch - Ursachen, Symptome und Behandlung

Von einem Wirbelkörperbruch spricht man, wenn es zur Fraktur eines Wirbels der Wirbelsäule kommt. Während eine Fraktur des Wirbelkörpers auftritt, bleibt der Wirbelbogen dagegen meist unbeschädigt.

Nicht selten treten auch Schäden an den Weichteilstrukturen auf. Dabei kann es sich um Bänder oder Bandscheiben handeln. In den meisten Fällen zeigen sich die Wirbelkörperbrüche an dem Übertritt zwischen der Lendenwirbelsäule und der Brustwirbelsäule.

Ursachen eines Wirbelkörperbruches

Normalerweise sind gesunde Wirbelkörper sehr stabile und kompakte Knochen. So bedarf es einer erheblichen Einwirkung von Gewalt, um eine Wirbelkörperfraktur auszulösen. Zu den häufigsten Bruchursachen gehören

Bei älteren Menschen können allerdings auch Erkrankungen wie

den Wirbelkörper derart schwächen, dass er bereits bei leichten Belastungen bricht. Dabei ist ein Bruch sogar ohne eine konkrete Unfallursache, sondern durch ganz alltägliche Belastungen im Bereich des Möglichen. So sorgt die Grunderkrankung für eine deutliche Schwächung des Knochens.

Besonders betroffen von Wirbelkörperfrakturen in Deutschland sind Personen zwischen 50 und 79 Jahren. So kommt es Jahr für Jahr bei rund 230.000 Bundesbürgern zu solchen Brüchen.

Symptome

Bei den meisten Patienten setzen nach einem Wirbelkörperbruch plötzliche Rückenschmerzen ein. Im Ruhezustand sind die Schmerzen mehr oder weniger ausgeprägt, bei Bewegungen verstärken sie sich dagegen.

Tritt die Wirbelkörperfraktur an der Halswirbelsäule auf, macht sich dies oft dadurch bemerkbar, dass der Betroffene nicht mehr imstande ist, seinen Kopf frei zu bewegen und ihn in einer Zwangshaltung hält. Als weitere mögliche Hinweise für einen Wirbelkörperbruch kommen

infrage. In manchen Fällen tritt auch ein Auseinanderstehen der Dornfortsätze auf. Das bedeutet, dass diese Höcker über der Wirbelsäule entweder zu dicht oder zu weit auseinander stehen. Für den Fall, dass auch das Rückenmark durch den Bruch des Wirbelkörpers in Mitleidenschaft gezogen wurde, können zusätzliche Beschwerden wie

auftreten. Im schlimmsten Fall ist sogar eine Querschnittslähmung möglich.

Durch den Wirbelkörperbruch kann es auch zur Querschnittlähmung kommen
Durch den Wirbelkörperbruch kann es auch zur Querschnittlähmung kommen

Diagnose

Besteht Verdacht auf einen Wirbelkörperbruch, erfolgt zunächst eine gründliche körperliche Untersuchung. Dabei überprüft der behandelnde Arzt auch die Nervenfunktionen. Als Hinweis auf eine Fraktur des Wirbelkörpers gelten Klopfschmerzen, Kompressionsschmerzen oder Druckschmerzen an einer bestimmten Wirbelsäulenstelle.

Im Anschluss an die körperliche Untersuchung wird eine Röntgenuntersuchung durchgeführt, mit deren Hilfe die Absicherung der Diagnose erfolgt. Mitunter lässt sich die Diagnose auch durch Funktionsaufnahmen erstellen. Das heißt, dass der verletzte Bereich in unterschiedlichen Positionen geröntgt wird.

Für den Fall, dass der Patient nicht mehr bei Bewusstsein ist, kann auch die ganze Wirbelsäule aufgenommen werden. Auf diese Weise lassen sich sämtliche Wirbelkörper überprüfen.

Ergeben die Röntgenaufnahmen einen verdächtigen Befund, wird danach in den meisten Fällen eine Computertomographie (CT) vorgenommen, um mögliche Einengungen des Rückenmarkskanals oder weiterer Strukturen festzustellen. Zur Beurteilung von Rückenmark, Bändern und Bandscheiben kann auch eine Kernspintomographie (MRT) erfolgen.

Behandlung

Ob die Behandlung einer Wirbelkörperfraktur entweder konservativ oder durch einen chirurgischen Eingriff durchgeführt wird, richtet sich nach der Stabilität des betroffenen Wirbels und ob der Patient unter weiteren Beeinträchtigungen leidet. Die Therapieziele umfassen,

  • die Schmerzen zu behandeln
  • eventuelle Fehlstellungen zu korrigieren
  • die Wirbelsäule vor weiteren Verletzungen zu bewahren und
  • die Verletzungen zu heilen.

Sind Grunderkrankungen wie Krebs oder Osteoporose die Ursache der Fraktur, werden auch diese entsprechend behandelt. Bei einigen Patienten kann das Anlegen von äußeren Stützen wie einem Stützkorsett oder einem Stützmieder notwendig sein.

Als operative Therapie kommen vor allem

  • eine Kyphoplastie mit einem expandierbaren Ballon
  • eine Spondylodese mit einem Fixateur externe oder
  • eine ventrale Stabilisierung, wie beispielsweise mit einem Cage,

infrage. Bei einer raschen Behandlung gelten die Heilungsaussichten des Wirbelkörperbruchs sowie der begleitenden Erscheinungen als positiv.

Vorbeugemaßnahmen

Einem Wirbelkörperbruch lässt sich durch bestimmte Verhaltensmaßnahmen durchaus vorbeugen.

  • So sollten im Straßenverkehr Sicherheitsmaßnahmen wie Airbags, Rückenprotektoren oder das Anlegen eines Sicherheitsgurtes ergriffen werden.
  • Auch ein umsichtiges Verhalten bei sportlichen Aktivitäten gilt als empfehlenswert.
  • Liegt eine Grunderkrankung wie Osteoporose vor, ist es wichtig, diese so rasch wie möglich zu therapieren.

Im Folgenden gehen wir näher auf die Form der Wirbelkörperfraktur ein, die durch Osteoporose ausgelöst wird...

Osteoporotische Wirbelkörperfraktur

Die osteoporotische Wirbelkörperfraktur zählt zu den am häufigsten vorkommenden Knochenbrucharten. Besonders betroffen sind ältere Menschen, vor allem aber Frauen.

Eine osteoporotische Wirbelkörperfraktur tritt in erster Linie an der mittleren Brustwirbelsäule (BWS) auf. Doch auch am Übergang zwischen Brustwirbelsäule und Lendenwirbelsäule (LWS) zeigt sie sich häufig.

Unterschiedliche Arten

Ärzte unterscheiden bei der osteoporotischen Wirbelkörperfraktur zwischen drei verschiedenen Formen. Dies sind die bikonkave Wirbelsäulenfraktur, die Keilfraktur und der komplette Stauchungsbruch.

Bikonkave Fraktur

Bei einer bikonkaven Wirbelsäulenfraktur kommt es zum Zusammensacken des zentralen Wirbelkörperbereichs. In den meisten Fällen tritt sie im Lumbalbereich auf.

Keilfraktur

Die Keilfraktur ist gekennzeichnet durch einen Kollaps der vorderen Wirbelsäule, während die hintere Säule dagegen weitgehend intakt bleibt. Keilfrakturen entstehen vorwiegend an der mittleren Brustwirbelsäule sowie am Übergang zwischen Brustwirbelsäule und Lendenwirbelsäule.

Stauchungsbruch

Von einem kompletten Stauchungsbruch spricht man, wenn es zu einem Kollaps des ganzen Wirbelkörpers kommt. Auch von dieser Form sind vor allem die mittlere Brustwirbelsäule sowie der Übergangsbereich zwischen Lendenwirbelsäule und Brustwirbelsäule betroffen. Im fortgeschrittenen Stadium der Osteoporose können auch Frakturkombinationen auftreten.

Ursachen

Verantwortlich für osteoporotische Wirbelkörperfrakturen ist Osteoporose, auch Knochenschwund genannt. Knochenschwund gehört zu den häufigsten Knochenkrankheiten bei älteren Menschen.

Ein typisches Merkmal der Osteoporose ist die Abnahme der Knochendichte, die wiederum eine Folge des Abbaus von Knochensubstanz ist. Durch den Verlust der Knochensubstanz büßt der Knochen zunehmend an Stabilität und Belastbarkeit ein. Infolgedessen können schon an sich harmlose Stürze, die normalerweise keinen Knochenbruch verursachen würden, zu Frakturen führen.

Neben der Wirbelsäule ist auch der Oberschenkelknochen häufig von Brüchen betroffen. In manchen Fällen kommt es sogar ohne einen Sturz zu Knochenbrüchen.

Als Hauptursache für eine Osteoporose bei Frauen gilt die Hormonumstellung, die in den Wechseljahren stattfindet. Weitere mögliche Ursachen sind

  • ein hohes Lebensalter
  • Tabakkonsum
  • ein niedriges Körpergewicht
  • eine lange Behandlung mit bestimmten Medikamenten wie Kortison
  • eine länger andauernde Immobilisation sowie
  • der übermäßige Genuss von Kaffee und Alkohol.

Symptome

Die Symptome bei einer osteoporotischen Wirbelkörperfraktur können überaus unterschiedlich sein. So treten bei vielen Patienten kaum Schmerzen auf, während andere wiederum unter starken Schmerzen leiden, die gürtelförmig ausstrahlen.

Aus welchen Gründen es zu diesen Differenzen kommt, ist nicht bekannt. Auch nach einer Therapie der Fraktur leiden manche Patienten noch Jahre später unter Schmerzen bei körperlichen Belastungen, während andere dagegen rasch schmerzfrei sind.

Eine osteoporotische Wirbelkörperfraktur hat oftmals auch Veränderungen der Körperform zur Folge. So kann sich die Rumpfhöhe verkürzen sowie ein Buckel oder ein so genanntes Osteoporosebäuchlein bilden. Weiterhin sind Funktionsbeeinträchtigungen von Darm und Lunge möglich.

Diagnose

Um eine osteoporotische Wirbelkörperfraktur zu diagnostizieren, erfolgt zunächst eine Röntgenuntersuchung. Dabei werden Aufnahmen von der Brustwirbelsäule und der Lendenwirbelsäule angefertigt.

Allerdings lässt sich mit einer Röntgenuntersuchung nicht immer ermitteln, bei welchen Wirbelfrakturen es sich um frische oder ältere Brüche handelt. Um dies feststellen zu können, führt man eine Kernspintomographie (MRT) durch.

Mithilfe der Magnetresonanztomographie lässt sich auch feststellen, ob der Bruch auch wirklich durch die Osteoporose verursacht wurde oder ob andere Gründe wie zum Beispiel Metastasen dafür verantwortlich sind. Auch Einengungen des Rückenmarkkanals können mit einer Kernspintomographie festgestellt werden.

Nach einer diagnostizierten osteoporotischen Wirbelkörperfraktur wird häufig eine Knochendichtemessung vorgenommen, um die Knochendichte in den verschiedenen Bereichen des Skeletts zu überprüfen. Auf diese Weise lässt sich vorhersagen, wie hoch das Risiko für weitere osteoporotische Knochenbrüche ist.

Behandlung

Sofern keine Einengung des Wirbelkanals (Spinalkanals) vorliegt, erfolgt die Behandlung einer osteoporotischen Wirbelkörperfraktur auf konservative Weise. Das heißt, dass der Patient schmerzstillende Mittel und ein spezielles Stützkorsett erhält.

Darüber hinaus können auch krankengymnastische Übungen erfolgen. So lässt sich die Rückenmuskulatur durch gezielte Wirbelsäulengymnastik stärken, wodurch die Gefahr von weiteren Wirbelkörperfrakturen verringert wird.

Führt die konservative Therapie nicht zur Besserung der Beschwerden, muss eine Operation erfolgen. Dabei kommen minimal-invasive Verfahren wie die Kyphoplastie oder die Vertebroplastie zur Anwendung.

Kyphoplastie

Im Rahmen einer Kyphoplastie oder Ballon-Kyphoplastie punktiert man zunächst den gebrochenen Wirbelkörper durch die Haut mit einer Spezialnadel. Nächster Schritt ist das Einführen eines Ballons in den Wirbelkörper, der anschließend aufgeblasen wird. Auf diese Weise ist es möglich, den gebrochenen Wirbel zum Teil wieder aufzurichten.

Nach dem Entfernen des Ballons bringt man in den entstandenen Hohlraum des Wirbels Knochenzement ein. Die Erfolgsquote der Kyphoplastie gilt als sehr hoch. So hatten etwa 60 Prozent aller Patienten nach dem Eingriff deutlich weniger Schmerzen, bei rund 30 Prozent traten sogar überhaupt keine Schmerzen mehr auf. Ob eine Kyphoplastie sinnvoll ist, muss jedoch von Fall zu Fall entschieden werden.

Vertebroplastie

Bei der Vertebroplastie handelt es sich um einen kurzen chirurgischen Eingriff, der in der Regel unter Vollnarkose erfolgt. Während die Wirbelsäule während der Operation leicht überstreckt wird, was die Aufrichtung des zusammengedrückten Wirbels bewirkt, injiziert man dem Patienten hochviskösen Zement.

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Quellenangaben
  • OP 3 © Carsten Kattau - www.fotolia.de
  • Spinal Fracture © freshidea - www.fotolia.de

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