Das Verletzungsrisiko beim Fußball - Ursachen und Behandlung typischer Verletzungen

Fußballspieler sitzt am Boden und ist verletzt, sein Bein wird mit Kühlspray gekühlt

Es kommt mitunter zu Zerrungen, Verstauchungen, Bänderrissen sowie Knorpelschäden

Der Fußball gilt nicht alleine hierzulande als beliebteste Freizeitbeschäftigung. Doch er füllt auch die Arztpraxen und Krankenhäuser – in keiner anderen Sportart werden derart viele Verletzungen festgestellt. Diese können unterschiedliche Intensitäten erreichen und vielfältige Behandlungsmaßnahmen erfordern.

Nutzung des gesamten Körpers

Die Bezeichnung mag irreführend klingen: der Fußball wird nicht alleine mit dem Fuß gespielt. In den letzten Jahren ist das Spiel immer schneller und athletischer geworden. Die Akteure müssen über hohe körperliche Fähigkeiten und ein Gefühl der Koordination verfügen. Nahezu alle Bewegungen verlaufen instinktiv und somit unbewusst.

Gerade darin liegt aber die Gefahr.

– ein Spieler, der eben noch gesund auf dem Platz stand, kann in der nächsten Sekunde bereits mehr oder weniger schwer verletzt sein. Oftmals hilft es, sich im Vorfeld einer Partie aufzuwärmen und die Muskeln zu dehnen. In den anderen Fällen muss ein mitunter langer Prozess der Genesung in Kauf genommen werden.

Fußballer haben die meisten Verletzungen

Fußballspieler richtet verletztes Bein eines am Boden liegenden anderen Spielers, hält Wade, keine Gesichter sichtbar
Injury © Jana Lumley - www.fotolia.de

In der Statistik der jährlichen 1,5 Millionen Verletzungen nehmen die Fußballer mit 500.000 den ersten Platz ein. Aber Fußball ist auch die am meisten ausgeübte Sportart in Deutschland, weltweit gibt es 240 Millionen Fußballakteure, wobei 200.000 Profi sind.

Fußball ist eine Kontaktsportart, d.h. dabei geht es oftmals hart her und jede vierte bis achte Verletzung wird dadurch hervorgerufen, wobei die Verletzungsgefahr beim Wettkampf vier bis sechsmal so hoch ist wie beim Training.

Weiterhin stellte man fest, dass die meisten Verletzungen immer am Ende einer Halbzeit erlitten werden. Die meisten Verletzungen sind Zerrungen, Prellungen und das Umknicken, gefolgt von Knie- und Sprunggelenksverletzungen, Bänder- und Muskelverletzungen.

Nicht weniger Erfolg trotz hoher Verletzungsrate beim Fußball

Ausschnitt Frauenbeine beim Fußballspiel auf Rasen
Girl fighting for Soccer Ball © Destinyvp - www.fotolia.de

60 bis 80 Prozent der Einsätze von Sportmedizinern beim Fußball sind auf Sportverletzungen zurückzuführen. Studien zufolge sind dabei besonders Mittelfeldspieler betroffen, gefolgt von Verteidigern und Stürmern.

Knapp 80 Prozent der Verletzungen betreffen die unteren Extremitäten; Muskelverletzungen treten besonders häufig auf. Doch wie Forscher herausgefunden haben, haben die vielen Verletzungen keine negative Auswirkung auf den Erfolg der Fußballteams, selbst wenn mit hohen Fehlzeiten gerechnet werden muss.

Zu den Risikofaktoren für Verletzungen beim Fußball gehören unter anderem Vorschäden sowie das Alter der Sportler.

Verletzungen der Muskeln

Den mit Abstand größten Anteil aller im Rahmen eines Fußballspiels erlittenen Blessuren vereinen die Muskeln auf sich. Üblicherweise handelt es sich dabei um

Zur Vorbeugung empfiehlt es sich

  • den Körper vor dem Anpfiff optimal zu erwärmen
  • alle Gliedmaßen zu dehnen und damit
  • fit und geschmeidig die hohe Intensität der Begegnung zu überstehen.

Kommt es dennoch zu einer Verletzung, so reicht im Regelfall eine konservative Behandlung. Sie setzt auf

  • Ruhe
  • Massagen sowie
  • wärmende Umschläge.

Eine Besserung sollte sich nach spätestens sieben bis zehn Tagen einstellen. Ebenso lange kann es dauern, ehe der Spieler wieder vollständig belastungsfähig ist und mit seinem Team auflaufen kann.

Verletzungen der Bänder

Das Grundübel eines jeden Kickers wird im Kreuzbandriss gesehen. Schnell entstehen daraus Zwangspausen, die sechs bis neun Monate betragen können. Selbst Operationen und ein langwieriger Heilungsverlauf ändern an dieser schwerwiegenden Diagnose wenig.

Zwar gilt ein solches Schicksal nicht für alle Bänderverletzungen. Kommt es hier aber zu Rissen und Dehnungen, sind meist besondere Maßnahmen gefragt. Insbesondere dann, wenn das betroffene Band im Bereich des Fußes oder Knies liegt und somit die gesamte Bewegung beeinträchtigt.

Soweit das möglich ist, wird auch hier auf eine sanfte Regeneration hingewirkt – gerade bei professionellen Spielern sind chirurgische Maßnahmen oftmals aber unumgänglich. Sie sollen nicht alleine den Genesungsprozess beschleunigen, sondern gleichfalls etwaige Folgeschäden vermeiden.

Verletzungen der Sehnen, der Adduktoren und des Meniskus

Ebenso tragisch kann für den Kicker die Diagnose sein, wenn jene Bestandteile des Fußes, Beins oder Knies betroffen sind, die trotz ihrer geringen Größe einen erheblichen Einfluss auf die Bewegung ausüben. Meist handelt es sich dabei um

  • den im Knie befindlichen Meniskus
  • die im Bereich der Oberschenkel ansässigen Adduktoren oder
  • die durch das gesamte Bein verlaufenden Sehnen.

Kommt es dabei zu Verletzungen, können sich unterschiedliche Folgen einstellen. Daher ist eine pauschale Aussage über den Behandlungsverlauf nicht möglich.

Dennoch lauern auch hier regelmäßig operative Eingriffe, denen meist eine längere Pause folgt. Wiederkehrende Leiden an diesen neuralgischen Punkten des Körpers können sogar das Ende der Karriere bedeuten.

Bei Verletzungen an Bein oder Knie müssen die Kicker oft lange pausieren
Bei Verletzungen an Bein oder Knie müssen die Kicker oft lange pausieren

Knochenbrüche und ähnliche Verletzungen

Das Fußballspiel wird mit Kraft und Leidenschaft geführt. Die Kicker stürzen, fallen unglücklich oder werden durch das Bein des Gegners verletzt. Knochenbrüche, die sich durch den gesamten Körper ziehen, sind daher keine Seltenheit.

Nicht immer sind somit die Schenkel betroffen. Selbst

können in Mitleidenschaft gezogen werden. Auch hier droht eine längere Verbannung in das Krankenlager. Zwar sind Spieler mit speziellen Manschetten und Bandagen in der Lage, trotz einer Fraktur im Bereich der Arme oder Schultern relativ schnell – und somit binnen wenigen Wochen – wieder aufzulaufen. Bei einem Bruch der Beinknochen sind zumeist aber Operationen notwendig, um den Prozess zu beschleunigen.

Prävention und Nachsorge zugleich: Tapes für Sportler

Frauenbeine, ein Kniegelenk mit Kinesio-Tape
Kinesio-Taping Knie Gelenk quer © Nick Freund - www.fotolia.de

Bei den sogenannten Tapes oder auch Sport-Tapes handelt es sich um spezielle Pflaster. Diese sollen aber nicht Wunden abdecken, sondern dienen als Stabilisatoren. Nach einer Verletzung kann so eine empfindliche Körperpartie durch die elastischen Tapes geschützt werden.

Viele Profi-Sportler nutzen diese aus Japan stammende Methode bereits seit Jahren, um sich trotz einer aktuellen Schwäche nicht von einem Wettkampf abhalten lassen zu müssen. Professionell auf dem Körper fixiert können die Tapes zum einen den Muskeln mehr Stabilität geben und zudem den Lymphfluss anregen. Nach einer Zerrung, Stauchung oder Bänderdehnung bekommt das Gewebe so den zusätzlichen Schutz, den es braucht.

Doch die Tapes haben nun vermehrt auch bei Hobby-Sportlern Einzug gehalten und werden regelmäßig eingesetzt. Ihr großer Nutzen besteht darin, dass man sie nicht nur bei akuten Verletzungen benutzen kann, sondern auch als eine Form der Prävention. Da sie Muskeln und Lymphsystem unterstützen, können sie bei einer starken Belastung auch als vorbeugende Therapie dienen. Wer beispielsweise noch nie Marathon gelaufen ist und nun zum ersten Mal teilnehmen möchte, kann mit Tapes größeren Schaden vermeiden.

Sportwissenschaftler raten aber gerade bei Hobby-Sportlern zu einem gesunden Maß an Vorsicht. Die Tapes können nur funktionieren, wenn sie korrekt benutzt werden und gerade Laien haben mit der richtigen Verwendung dieser Spezial-Pflaster erfahrungsgemäß einige Problem.

Es sei daher sinnvoll, vorher einmal bei einem Arzt oder Physiotherapeuten gewesen zu sein, um die korrekte Verwendung zu erlernen. An manche Körperpartien kommt man selbst kaum heran, sodass hier im Grunde nur der Arzt sinnvoll ein Tape anbringen kann. Allerdings kann man bei der falschen Benutzung zumindest keinen Schaden verursachen, außer, dass der erhoffte Schutz ausbleibt.

Viele Sportverletzungen im Amateurbereich können vermieden werden

Junge in Fußballtrikot liegt auf dem Bauch auf dem Rasen, die Hände auf dem Kopf
Foul!! © Johanna Mühlbauer - www.fotolia.de

Nach Ansicht des Rostocker Orthopäden Thomas Tischer sind zahlreiche Sportverletzungen im Breiten- und Amateursportbereich vermeidbar, sofern man gewisse Präventionsregeln beachtet. Gerade bei vielen Vereinen gibt es diesbezüglich noch viel Nachholbedarf, während spezielle Präventionsübungen im Profisport bereits zum Alltag gehören.

Bei Jugendlichen ab 16 Jahre steigt das Verletzungsrisiko rasant an, wenn die Trainingsumfänge in den Sportvereinen größer werden. Gerade deshalb appelliert Tischler an die Trainer und Verbände optimal fortzubilden, da durch präventive Übungen bestimmte Muskelgruppen aufgebaut und trainiert werden, womit sie den Gelenken bei großen Belastungen optimalen Halt geben.

Dasselbe gilt auch für Freizeitsportler, von denen viele "voller Ehrgeiz gleich voll loslegen wollen" und anschließend mit verletzten Schultern oder Knien sowie überlasteter Sehnen und Muskeln frustriert zum Arzt kommen. Aus diesem Grund sollte man vorher fachlichen Rat suchen, sodass man den Körper durch sinnvolle und langsame Steigerung nach und nach an Belastung gewöhnt.

Die sonstigen Verletzungen

Immer wieder kommt es neben den genannten Blessuren aber auch zu Verletzungen, die weniger oft auftreten. Zu denken wäre etwa an Knorpelschäden im Bein oder der Hüfte. Sie können eine mehrmonatige Pause hervorrufen.

Nicht eben positiver klingt die Diagnose, wenn von Einrissen der Lunge, der Milz oder anderer Organe die Rede ist. Auch hier kann ein konservativer Behandlungsverlauf meist wenig ausrichten – der Spieler muss sich unter das Messer begeben.

Glücklich schätzen darf sich also, wer eine intensive und auf hohem Niveau geführte Partie lediglich mit Schrammen, Kratzern und Blutergüssen übersteht. Sie bedürfen lediglich etwas Fürsorge, stehen dem Einsatz in der nächsten Partie aber nicht im Wege.

Grundinformationen zu Sportverletzungen

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Quellenangaben

  • Bildnachweis: soigneur © daniel sainthorant - www.fotolia.de
  • Bildnachweis: football © karaboux - www.fotolia.de

Autor:

Paradisi-Redaktion - Artikel vom (zuletzt überarbeitet am )

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