Pilzvergiftung - Ursachen, Symptome, Behandlung und Vorbeugemöglichkeiten

Zu einer Pilzvergiftung kommt es durch den Genuss von schädlichen Pilzen. Im schlimmsten Fall kann eine solche Vergiftung zum Tode führen.

Die Entstehung einer Pilzvergiftung und wie man sie erkennen und behandeln kann

Definition

In der Medizin bezeichnet man eine Pilzvergiftung auch als Myzetismus. Schon kleine Mengen von Pilzgiften sind ausreichend, um Vergiftungserscheinungen zu verursachen. Eine Pilzvergiftung muss unbedingt ärztlich behandelt werden, da sie lebensbedrohliche Ausmaße annehmen kann.

In Deutschland kommt es in den meisten Fällen durch den Verzehr von selbst gesammelten Pilzen zu Pilzvergiftungen. Obwohl es in den hiesigen Wäldern etwa zehntausend Großpilzarten gibt, lassen sich nur rund tausend davon essen.

Pilzvergiftungen in Deutschland

Allerdings ist es nicht immer leicht, ungiftige Pilze von Giftpilzen zu unterscheiden, die zudem nicht immer gleich giftig sind. Wie oft es pro Jahr in Deutschland zu Vergiftungen durch Pilze kommt, lässt sich nicht genau sagen, denn hierzulande gibt es keine zentrale Meldestelle, die sich mit Pilzvergiftungen befasst.

Außerdem wird den Verbraucherzentralen nicht jede Pilzvergiftung mitgeteilt. Sicher ist jedoch, dass Pilzvergiftungen an sämtlichen gemeldeten Vergiftungen einen Anteil von rund 10 Prozent haben.

Ursachen

In den meisten Fällen werden Pilzvergiftungen durch den Verzehr von ungenießbaren und oftmals selbst im Wald gesammelten Pilzen verursacht. Besonders bekannte Giftpilze sind der Knollenblätterpilz und der Fliegenpilz, deren Genuss sogar tödliche Folgen haben kann.

Aber auch eigentlich essbare Speisepilze führen gelegentlich zu Vergiftungserscheinungen, wenn sie zum Beispiel durch falsche Lagerung oder beschädigte Verpackungen verdorben sind. In diesem Fall handelt es sich aber eher um eine Lebensmittelvergiftung.

Manchmal kommt es auch durch den Genuss von rohen oder nur unzureichend erhitzen Speisepilzen zu einer Vergiftung. Das ist darauf zurückzuführen, dass zahlreiche Speisepilze giftige Toxine enthalten, zu deren Zerstörung es erst durch Erhitzen kommt.

Darüber hinaus gibt es so genannte unechte Pilzvergiftungen. Dazu zählt man Allergien oder Pilzunverträglichkeiten, die beim Verzehr von unbedenklichen Pilzen entstehen.

Verlauf

Welchen Verlauf eine Pilzvergiftung nimmt, ist von der Pilzsorte, der verzehrten Menge und dem allgemeinen Gesundheitszustand des Betroffenen abhängig. Bei leichten Pilzvergiftungen, die fachgerecht behandelt werden, sind keine weiteren Folgen zu befürchten.

Beim Verzehr von bestimmten hochgiftigen Pilzen besteht jedoch die Gefahr von lebensgefährlichen Schädigungen der Nieren und der Leber.

Symptome

Kommt es zu einer Pilzvergiftung, können sich die dabei auftretenden Beschwerden schon nach etwa 30 Minuten zeigen. Es ist aber auch möglich, dass erst nach zehn Tagen Symptome auftreten. Späte Vergiftungserscheinungen gelten als besonders gefährlich, da es dabei häufig zu lebensgefährlichen Schädigungen von Leber und Nieren kommt.

Da die zahlreichen Giftpilze oder Pilzgruppen in ihren Giftstoffen unterschiedlich ausgeprägt sind, fallen auch die Beschwerden mannigfaltig aus. Am häufigsten kommt es zu Symptomen wie:

Auch Verwirrtheit und Wahrnehmungsstörungen sind im Bereich des Möglichen. Bei schweren Vergiftungen kann auch Lebensgefahr bestehen.

Zu den zahlreichen Formen von Pilzvergiftungen gehören unter anderem:

  1. das Phalloides-Syndrom, das zumeist durch Knollenblätterpilze verursacht wird
  2. das Orellanus-Syndrom, für das meist Schleierlinge verantwortlich sind
  3. das Gyromitra-Syndrom, dessen Urheber vor allem die Frühjahrslorchel und die Riesenlorchel sind
  4. das Tricholoma-equestre-Syndrom, das vom Grünling hervorgerufen wird
  5. das Muskarin-Syndrom
  6. das Pantherina-Syndrom
  7. das Gastrointestinale Syndrom

Gelegentlich kann es aber auch zu Vergiftungserscheinungen durch Pilze kommen, die eigentlich essbar sind. Dazu zählt man unter anderem das Coprinus-Syndrom, das auftritt, wenn gleichzeitig während des Verzehrs von bestimmten Pilzen wie dem Faltentintling, Alkohol getrunken wird.

Dabei können Beschwerden wie Kreislaufprobleme, Herzrasen, Schweißausbrüche und Gesichtsrötung auftreten, die jedoch in der Regel keine Gefahr darstellen.

Diagnose

Die Diagnose bei einer Pilzvergiftung wird zumeist durch die auftretenden Beschwerden nach dem Verzehr von Pilzen gestellt. Während der Untersuchung ist es wichtig, den behandelnden Arzt darüber zu informieren, dass Pilze gegessen wurden. Dadurch kann dieser eine Magen-Darm-Krankheit oder eine Lebensmittelvergiftung ausschließen. Sind noch Reste der Pilzmahlzeit oder erbrochener Mageninhalt vorhanden, lassen sich diese vom Arzt untersuchen.

Behandlung

Tritt eine Pilzvergiftung auf, ist es wichtig, sofort einen Arzt, den Rettungsnotdienst oder eine Giftnotrufzentrale um Hilfe zu bitten. Um die Art der Vergiftung schneller feststellen zu können, ist es zudem hilfreich, Reste der Pilze oder eventuell Erbrochenes mit ins Krankenhaus zu nehmen.

Weitere wichtige Hinweise können die Zeit zwischen dem Verzehr der Pilze und dem Ausbruch der Beschwerden, sowie die Lagerung und die Art der Zubereitung liefern. Das Ausprobieren von Hausmitteln sollte bei einer Pilzvergiftung dagegen besser unterlassen werden.

In manchen Fällen reicht es aus, sich auf die Behandlung der Symptome der Vergiftung zu beschränken. Zudem kontrolliert man:

  1. den Puls des Patienten
  2. die Atmung des Patienten
  3. den Blutdruck des Patienten

Bei schweren Vergiftungen unternimmt man meist den Versuch, das Pilzgift durch eine Magenspülung aus dem Organismus zu entfernen: Außerdem verabreicht man den Betroffenen Aktivkohle. Bei bestimmten Giftpilzsorten besteht auch die Möglichkeit, ein Gegengift zu verabreichen.

Vorsichtsmaßnahmen

Damit es gar nicht erst zu einer Pilzvergiftung kommt, sollte man einige wichtige Vorsichtsmaßnahmen beachten.

  • Sammelt man selbst Pilze im Wald, dürfen nur Exemplare mitgenommen werden, die man absolut sicher kennt. Im Zweifelsfall ist es besser, die Finger davon zu lassen.
  • Die Pilze sollten lieber in einem luftigen Gefäß und nicht in Plastiktüten gesammelt werden, da sie sich dort rasch zersetzen. Um Pilze, die schon alt oder matschig sind, macht man besser einen großen Bogen.
  • Damit man die gesammelten Pilze besser bestimmen kann, ist es ratsam, sich entsprechende Lektüre zu besorgen.
  • Beim Kochen ist darauf zu achten, dass die Pilze lange genug, also mindestens 15–20 Minuten, gegart werden. Außerdem sollte man selbst gesammelte Pilze möglichst schon am selben Tag zubereiten.

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  • toadstool in the forest © Bruce Parrott - www.fotolia.de

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