Oberschenkelhalsbruch - Ursachen, Symptome, Behandlung und Vorbeugemöglichkeiten

Als Oberschenkelhalsbruch bezeichnet man eine Fraktur in der Halsregion des Oberschenkelknochens. Besonders bei älteren Menschen kommt dieser Bruch häufig vor.

Die Entstehung eines Oberschenkelhalsbruchs und wie man ihn erkennen und behandeln kann

Definition

Oberschenkelhalsbrüche (Schenkelhalsfrakturen) gehören zu den häufigsten Verletzungen bei alten Menschen. Ausgelöst wird die Fraktur meist durch einen seitlichen Sturz auf die Hüftgegend. Bei jüngeren Menschen kommt ein Oberschenkelhalsbruch hingegen nur selten vor und ist meist die Folge eines Verkehrsunfalls oder eines Sturzes aus großer Höhe.

Die Form des Oberschenkelknochens (Femur) ist die eines langen Schaftes mit kurzem Hals. Dieser trägt die Kugel des Hüftgelenks. An dieser Stelle ist der Knochen nicht sehr widerstandsfähig.

Fraktur-Arten

Oberschenkelhalsfrakturen werden in Medial (Fraktur in der Schenkelhalsmitte) und Lateral (Bruch seitlich der Schenkelhals-Mittellinie) eingeteilt. Mediale Frakturen kommen weitaus häufiger vor.

Weitere Klassifizierungskriterien von Oberschenkelhalsbrüchen in Bezug auf die Bruchneigung nach Pauwel:

  • Typ 1-Fraktur: Neigungswinkel unter 30 Grad
  • Typ 2-Fraktur: Neigungswinkel zwischen 30 und 70 Grad
  • Typ 3-Fraktur: Neigungswinkel von mehr als 70 Grad

Mit zunehmendem Alter steigt auch das Risiko

Da im Alter die Knochenentkalkung zunimmt, entsteht dadurch die zunehmende Gefahr eines Bruches. Schenkelhalsfrakturen gehören daher zu den häufigsten Verletzungen bei älteren Personen. Besonders ab dem 60. Lebensjahr nimmt das Risiko, einen Oberschenkelhalsbruch zu erleiden, zu.

Dabei sind Frauen häufiger von solchen Frakturen betroffen als Männer. In Deutschland ziehen sich pro Jahr über 100.000 Menschen eine Schenkelhalsfraktur zu. Dabei passieren die meisten Brüche durch Stürze im Haushalt. In den meisten Fällen muss dann eine Operation erfolgen.

Bei Senioren, die von Knochenschwund betroffen sind, genügt schon ein leichter Sturz, um einen Bruch auszulösen. Neben altersbedingter Osteoporose können auch Tumore die Knochenstabilität beeinträchtigen und zu Brüchen führen.

Am Oberschenkelknochen-Ende befindet sich ein kurzer Hals, der die Hüftgelenkkugel trägt. Zwischen Hüftschaft und Hüftkopf liegt ein Übergang, der bei Gewalteinwirkung brechen kann.

Bei jüngeren Personen ist das meistens erst der Fall, wenn sie beispielsweise einen schweren Verkehrsunfall hatten; bei älteren Menschen ist der Schenkelhals weitaus instabiler, Stolperfallen wie Teppichkanten oder glatte Fußbodenfliesen bedeuten bereits ein hohes Gefahrenrisiko.

Ursachen

Häufigste Ursache für eine Schenkelhalsfraktur im hohen Alter ist Knochenschwund (Osteoporose). Dabei können schon simple Stürze, wie zum Beispiel über eine Bordsteinkante oder ein Ausrutscher in den eigenen vier Wänden zu einer Fraktur führen.

Zu den Unfallursachen im Haushalt gehören lose Kabel, Türschwellen oder rutschige Badematten. Unfälle im Haushalt wie Stolpern oder Ausrutschen machen 70 Prozent aller Bruchursachen aus.

Auch von Schnee und Eis bedeckte Gehwege erhöhen das Risiko für einen Sturz. Ungünstige Lichtverhältnisse, falsches Schuhwerk oder zu lange Hosen führen zu Unsicherheiten beim Gehen. Einige Stürze können auch durch Schwindelanfälle oder Herz-Kreislaufprobleme hervorgerufen werden.

Aber auch Alkohol- und Medikamentenmissbrauch können eine Ursache für solche folgenschweren Stürze sein. Darüber hinaus erhöhen Bandscheibenschäden, Arthrose-Erkrankungen oder falsche Medikamentendosierungen das Sturzrisiko. In seltenen Fällen können auch Krankheiten wie Knochenkrebs für einen Oberschenkelhalsbruch verantwortlich sein.

Bei Menschen unter 60 Jahren kommen Oberschenkelhalsfrakturen nur sehr selten vor. Wenn sie eintreten, werden sie zumeist durch schwere Stürze aus großer Höhe oder durch Verkehrsunfälle verursacht.

Verlauf

Aufgrund vieler verschiedener Faktoren, die bei einem Oberschenkelhalsbruch eine Rolle spielen, lassen sich nur schwer allgemeine Verlaufsprognosen erstellen. Der Verlauf des Heilungsprozesses hängt auch davon ab, von welchen Krankheiten der Patient außerdem betroffen ist, wie zum Beispiel:

In manchen Fällen kann es auch trotz bester Therapiemaßnahmen zu Komplikationen kommen, wie:

Nach einer Oberschenkelhals-Operation können zudem Blutergüsse, Wundinfektionen oder Unterschiede in der Beinlänge auftreten. Auch Lockerungen eingesetzter Hüftimplantate sind möglich.

Symptome

Typische Symptome bei einem Oberschenkelhalsbruch sind zum Teil starke Schmerzen im Bereich von Becken und Oberschenkel sowie eingeschränkte Beweglichkeit des Hüftgelenkes. Häufig kommt es auch zu einer unterschiedlichen Länge der Beine.

Dabei dreht sich das betroffene Bein nach außen, was als Außenrotationsfehlstellung bezeichnet wird. Gehen oder Stehen ist oftmals unmöglich.

Außerdem kann es zu Begleiterscheinungen wie Schwellungen und Blutergüssen über dem Hüftgelenk kommen. Entsteht dabei ein größerer Blutverlust, sind bei älteren Menschen häufig Kreislaufprobleme die Folge.

Diagnose

Diagnostiziert werden kann ein Oberschenkelhalsbruch zumeist schon durch die charakteristischen Symptome. Nach der ersten Untersuchung werden dann Röntgenaufnahmen des Hüftgelenkes gemacht, um eine genaue Diagnose zu erstellen.

Durch eine Röntgenaufnahme kann auch der genaue Verlauf des Bruches festgestellt werden. Dies spielt für die weitere Therapie eine wichtige Rolle. Falls eine Röntgenaufnahme zur Klärung nicht ausreicht, können auch Kernspinuntersuchungen (MRT) oder Computertomographien (CT) vorgenommen werden.

Behandlung

Oberschenkelhalsbrüche werden als Notfall mit aufgeschobener Dringlichkeit eingestuft und in den meisten Fällen operativ behandelt. Nach einer internistischen Basisdiagnostik wird eine Akuttherapie durchgeführt. In der Regel nimmt man den Eingriff rund 48 bis 72 Stunden nach der Einlieferung in die Klinik vor.

Mit einer Operation soll die Belastbarkeit schnell wieder ermöglicht werden, um eine längere Bettlägerigkeit zu vermeiden, bei denen älteren Menschen Komplikationen wie zum Beispiel eine Lungentzündung drohen.

Dabei kommen unterschiedliche Operationsmöglichkeiten in Betracht. Angewendet werden dabei:

  1. hüftkopfzersetzende Verfahren
  2. hüftkopferhaltene Verfahren

Letztere werden eher bei jüngeren Menschen durchgeführt, weil sich Hüftprothesen bei größerer Aktivität und Belastung schneller wieder lockern, wodurch ein Austausch der Hüftprothese erforderlich wird.

Konservative Therapie

Handelt es sich um hüftkopfnahe Brüche, die nicht verschoben oder eingekeilt sind, kann von einer Operation abgesehen werden. Bei einer konservativen Therapie wird das betroffene Bein geschient sowie eine Schmerztherapie und krankengymnastische Behandlungen durchgeführt.

Um Thrombosen vorzubeugen, werden den Patienten Spritzen in das Unterhautfettgewebe verabreicht.

Hüftkopferhaltene Operation

Laterale Schenkelhalsfrakturen behandelt man meist gelenkerhaltend mit einer Osteosynthese. Kommt es zu einer Hüftkopferhaltenen Operation wird der Bruch durch spezielle Schrauben, Metallkombinationen, Platten oder Nägel fixiert.

Eine mögliche Variante ist die Dynamische Hüftschraube, bei der man eine Konstruktion aus Metallplatten und Schrauben am Oberschenkel anbringt. Dieses Verfahren hat jedoch den Nachteil, dass es zur Bildung einer Hüftkopfnekrose kommen kann. Außerdem ist eine sofortige Vollbelastung nicht möglich.

Bei einer Verplattung oder Verschraubung muss das betroffene Bein rund zwölf Wochen lang entlastet werden. Bei der Anwendung anderer Methoden hingegen sind rasche Belastungen durchaus sinnvoll.

Hüftkopfersetzendes Verfahren

Im Falle einer medialen Schenkelhalsfraktur versorgt man ältere Menschen mit einer Duokopfprothese oder einer Hüfttotalendprothese, dem Patienten implantiert wird. Diese Verfahren kommen vor allem deswegen zur Anwendung, damit dem Patienten ein weiterer Eingriff möglichst erspart bleibt. Außerdem kann der Patient nach dieser Operation die betroffene Seite rascher wieder belasten, womit auch das Risiko der Immobilität gesenkt wird.

Bei einem Hüftkopfzersetzenden Verfahren wird das Hüftgelenk durch eine totale Endprothese (TEP) ersetzt. Diese Operationsmethode gehört zu den häufigsten Eingriffen in Deutschland. Mehr als 100.000 solcher Operationen werden hierzulande durchgeführt.

Der größte Vorteil des künstlichen Hüftgelenks ist die rasche Belastbarkeit. Schon nach wenigen Tagen kann mit krankengymnastischen Übungen begonnen werden. Danach folgt eine intensive Physiotherapie zur Kräftigung der Oberschenkelmuskulatur. Dabei müssen die Patienten auch wieder das Gehen und Treppensteigen üben.

Vorbeugung

Die beste Vorsorgemaßnahme gegen einen Oberschenkelhalsbruch ist die Vermeidung eines Sturzes. Dabei ist eine gut trainierte Muskulatur sehr hilfreich. Diese sollte bereits in jungen Jahren durch andauerndes Training aufgebaut werden.

Durch eine kalziumhaltige Ernährung werden zudem die Knochen gestärkt und somit belastbarer. Auch Herz-Kreislaufprobleme und neurologische Erkrankungen sollten rechtzeitig behandelt werden, damit es nicht zu einem folgenschweren Sturz kommt.

Wie können ältere Menschen einem Oberschenkelhalsbruch vorbeugen?

Besondere wichtig ist eine stabile Muskelbasis. Es ist überaus sinnvoll, die Muskeln schon früh zu trainieren und die Übungen auch mit zunehmendem Alter regelmäßig auszuüben.

Bei Neigung zu Schwindelanfällen und anderen neuromuskulären Störungen sollte immer ein Arzt hinzugezogen werden, um das Risiko eines Sturzes zu reduzieren.

Auch ein starker Knochenbau schützt vor Instabilität des Oberschenkelhalses. Eine Ernährung mit genügend Kalzium unterstützt die Belastbarkeit der Knochen. Nahrungsergänzungsmittel mit hohen Dosen Vitamin D sind hilfreich, allerdings sollten ältere Menschen dann immer genug trinken, um die Einlagerung von Nierensteinen zu verhindern.

Der effektivste Schutz vor einer Oberschenkelhalsfraktur ist das Vermeiden von Stürzen auf den Hüftbereich. Zahlreiche Sturzrisiken lassen sich mit einfachen Maßnahmen eindämmen:

  • Stolperfallen wie Teppiche oder Kabel beseitigen
  • Ausreichend Platz zwischen Möbeln schaffen
  • Auf genügend Licht achten
  • Anbringung von Haltemöglichkeiten
  • Regelmäßige Kontrolle von Sehfähigkeit, Medikamentendosierung und Herz-Kreislauf-System
  • Muskelübungen und Koordinationstraining
  • Bei erhöhter Sturzgefahr Unterwäsche mit gepolsterten Hüftprotektoren tragen

Eine an die persönliche Situation angepasste Prophylaxe reduziert die Sturzgefahr und führt zu mehr Lebensqualität. Ältere Menschen und Angehörige sollten sich mit dem Risiko einer Oberschenkelhalsfraktur objektiv auseinandersetzen, entsprechende Vorkehrungen treffen und Gefahrensituationen abbauen.

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  • hüftschmerezn © Sebastian Kaulitzki - www.fotolia.de

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