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Damit der Oberschenkelhals erst gar nicht bricht - Wie kann man Stürze im Alter verhindern?

Stürze können in jedem Alter passieren. Bei älteren Personen sind jedoch die Ursachen und Konsequenzen zumeist anders als bei jungen Menschen. Etwa 30 Prozent der über 65-jährigen stürzen nach Schätzungen mindestens einmal pro Jahr. Die meisten dieser Unfälle bleiben ohne schwerwiegende gesundheitliche Schäden.

Stürze können gefährlich sein - in jedem Alter!

Dennoch sollte jeder Sturz im Alter ein Warnsignal sein: Wenn ein älterer Mensch bereits einmal gestürzt ist, besteht ein erhöhtes Risiko, dass sich dieses Ereignis wiederholt. Und jedes Mal besteht die Gefahr, dass dadurch der Wunsch nach einem mobilen und unabhängigen Leben im Alter zunichte gemacht wird, denn viele Betroffene erlangen nach einem Sturz mit schweren Verletzungen ihre ursprüngliche Beweglichkeit nicht zurück.

Verschiedene Ursachen für einen Sturz

Die Ursachen für Stürze im Alter lassen sich in zwei Gruppen einteilen, weiß Prof. Dr. Hans Georg Nehen, Leiter des Essener Zentrums für Altersmedizin Haus Berge: "In der ersten Gruppe sind die Unfallursachen auf äußere Bedingungen zurückzuführen. Hindernisse und Stolperfallen sind hier zu nennen: beispielsweise Teppichkanten, Türschwellen, herumliegende Kabel, glatte Böden, vereiste Gehwege, rutschende Badematten. Veränderungen in der Wohnung können für ältere Menschen ebenfalls zu Stolperfallen werden, denn sie brauchen in der Regel länger, um sich an ‚neue Hindernisse’ zu gewöhnen. Unzureichende Lichtverhältnisse erhöhen das Risiko zusätzlich. Aber auch schlecht sitzende Schuhe oder zu lange Kleidung, die über den Boden schleift, führen zu Gehunsicherheiten. Zur zweiten Ursachengruppe gehören gesundheitliche Faktoren: Neben plötzlich auftretenden Ereignissen wie Schlaganfall oder Herzinfarkt sind dies vor allem Schwindel durch Blutdruckschwankungen, plötzlicher Bewusstseinsverlust bei Herzrhythmusstörungen, Störungen des Gleichgewichtsorganes oder Sehbehinderungen. Eine unnatürliche Körperhaltung – hervorgerufen beispielsweise durch Bandscheibenschäden oder Arthrose – machen den Gang ebenfalls unsicher. Bei Verwirrtheit und psychischen Veränderungen – Angst, Unruhe, Depression – sind die Betroffenen unachtsam und stürzen leichter. Eine Benommenheit kann auch durch Nebenwirkungen oder Fehldosierungen von Medikamenten ausgelöst werden."

Etwa 20 Prozent der Stürze bedürfen medizinischer Versorgung. Die gefürchteten Knochenbrüche treten bei etwa zehn Prozent der Fälle auf. Die häufigsten sind Oberschenkelhalsfrakturen, Brüche des Oberarms und der Schulter. Besonders gefährlich sind Stürze auf den Stürze auf den Kopf, die eine Schädelfraktur oder eine innere Blutung nach sich ziehen können. Frauen sind von Frakturen häufiger betroffen als Männer. Grund dafür: Frauen leiden deutlich öfter von Osteoporose – dem Abbau der Knochenmasse. Bei dieser Erkrankung lassen oft bereits vermeintlich leichte Unfälle die Knochen brechen.

Richtig vorbeugen

Alte Menschen selbst, aber auch deren Angehörige, sollten um die Sturzrisiken wissen. "Faktoren, die laut Statistik die Wahrscheinlichkeit eines Sturzes erhöhen, sind ein Lebensalter über 70 Jahre, ein reduzierter Allgemeinzustand oder eine körperliche Behinderung. Grundsätzlich kann man auch sagen, dass Frauen häufiger stürzen als Männer", konstatiert der Leiter des Geriatriezentrums. "Bei diesen Risikogruppen sollte man sich auf jeden Fall Gedanken machen, welche Vorkehrungen zu treffen sind." Wichtig ist, im persönlichen Umfeld nach Stolperfallen zu suchen und diese zu beseitigen, auf genügend Platz zwischen den Möbeln und auf gute Beleuchtung zu achten. Außerdem sollten in der Wohnung ausreichende Haltemöglichkeiten angebracht sein. Medizinische Ursachen, die zu einem Sturz führen können, müssen behandelt werden: Ob nun durch Korrektur von Sehschwächen oder Herzschrittmacher für Patienten mit bestimmten Rhythmusstörungen. Das Absetzen unnötiger Schlaf- und Beruhigungsmittel kann helfen, die Risiken zu verringern. "Durch körperliche Bewegung wird man nicht nur ruhiger und kann besser schlafen, auch die Muskeln bleiben kräftig und geben so mehr Sicherheit", betont Nehen. "Altersbedingte Schwächen können außerdem durch gezielte Maßnahmen wie Bewegungstraining und Gleichgewichtsübungen verbessert werden."

Richtig fallen lassen

Sicher sind nicht alle Stürze vermeidbar, aber wenn es doch einmal zum Stolpern oder zum Schwindel kommt, sollten sich die Betroffenen so wenig wie möglich verletzen. Während des Bewegungstrainings oder in besonderen Kursen können Risikogruppen eine Anleitung erhalten, wie sie sich im Fall des Falles richtig fallen lassen. "Beim Erlernen bestimmter Sportarten gehört ein Sturztraining als Verletzungsvorbeugung heute einfach dazu", so Nehen. "In einer der Altersgruppe angepassten Form könnten solche Informationen und Übungen auch für viele alte Menschen hilfreich sein." Um die Knochen zu stärken, sollte Osteoporose mit der Einnahme von Vitamin D und Mineralien angegangen werden. Wichtig ist, auch ausreichend Sonnenlicht, das dafür sorgt, dass Vitamin D im menschlichen Körper synthetisiert wird. So genannte Hüftprotektoren sind eine effektive Maßnahme, um die Zahl der Oberschenkelhalsfrakturen zu vermindern. Sturzgefährdeten Personen wird empfohlen, einen solchen Slip mit seitlicher Polsterungen zu tragen, der beim Sturz den Aufprall abfedern kann.

"Welche Maßnahmen Erfolg versprechen, hängt sehr von der persönlichen und gesundheitlichen Situation eines älteren Menschen ab," so Nehen. "Aber wer sich mit der Sturzgefahr ganz nüchtern auseinander setzt und gewisse Vorkehrungen trifft, wird sein zukünftiges Unfallrisiko reduzieren können. Das Problem aktiv anzugehen hilft außerdem dabei, Ängstlichkeit gegenüber bestimmten Gefahrensituationen abzubauen. Und wer aus Angst vor einem Unfall seine körperlichen Aktivitäten einschränkt, verliert dadurch nicht nur ein Stück Lebensqualität, sondern das Sturzrisiko ist vielmehr noch größer als bei Menschen, die täglich viel zu Fuß unterwegs sind."

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