17. November 2009
Von Viola Reinhardt
Es fühlt sich an als wenn die Hand oder der Arm eingeschlafen wäre. Mal zeigt sich eher ein Taubheitsgefühl in der Hand, dann mehr ein Kribbeln. Doch egal welches Symptom hier überwiegt: In den meisten Fällen zeigen sich Schmerzen und die Schwierigkeit, die Hand zusammenballen zu können. Deutliche Beeinträchtigungen im Alltag entstehen dadurch, da man zumeist nicht einmal eine Flasche mehr öffnen oder ein Messer halten kann. Das Karpaltunnelsyndrom ist allerdings sowohl leicht zu diagnostizieren als auch zu behandeln. Der erste Weg zur Heilung: Der Gang zum Neurologen.
Das Karpaltunnelsyndrom wird durch das Einklemmen eines Nervs in der Hand, der unter ein Band geraten ist. Dieses Band, medizinisch Retinaculum flexorum genannt, liegt im Handgelenk und quetscht zusammen mit den Sehnen, der Sehnenscheide und auch der Handgelenkwurzel den Nervenkanal. Dadurch wird er Druck auf den Nerv extrem erhöht, der allerdings durch das Strecken und Beugen der Hand, des Handgelenks und der Finger nochmals eine Steigerung erfährt. Dieser gequetschte Nerv, der Medianusnerv, verursacht in der Folge ein Taubheitsgefühl, ein Kribbeln, Schmerzen, sowie die Unfähigkeit die Hand für alltägliche Bewegungen einzusetzen.
Besonders häufig von dem Karpaltunnelsyndrom betroffen sind Schwangere, Frauen in den Wechseljahren, Menschen mit rheumatischen Erkrankungen, Stoffwechselstörungen, Arthritis und Arthrose, sowie Personen, die schwere Arbeiten verrichten müssen. Auch nach Knochenbrüchen, einem Ganglion, Haemodialyse oder Sehnenscheidenverdickungen begünstigen das Erscheinen des Karpaltunnelsyndroms. Obwohl mittlerweile rund 30% der Betroffenen zu einem Personenkreis gehören, die Computerarbeiten verrichten müssen, wurde jedoch noch keine Begünstigung dieser Erkrankung durch ein derartiges Arbeiten wissenschaftlich belegt.
Die Behandlung eines Karpaltunnelsyndroms liegt zunächst in der Diagnose des Neurologen. Anschließend wird zumeist mit einem operativen Eingriff der Nerv wieder freigelegt. Hier gibt es inzwischen zwei Varianten der Operation. Während die eine das Durchschneiden des straff gespannten Bandes beinhaltet, was zumeist eine anschließende Ruhigstellung der Hand mittels eines Gipses für einen Zeitraum von sechs Wochen bedeutet, gibt es mittlerweile auch eine sanfte Methode, die zwar ebenfalls das Band durchtrennt, allerdings nicht in direkter Nähe zum Handgelenk. Da bei dieser Operation der wichtige Mittelhandnerv geschützt wird und auch Nervenverästelungen im Fettgewebe weitestgehend unbeschädigt bleiben, zeigt sich diese Variante als sicherer und auch schonender. Mit einem nur rund zwei Zentimeter langen Schnitt, der mit nur wenigen Stichen genäht wird, können die Patienten schon einen Tag später ihre Hand wieder bewegen.
Für welche der OP-Varianten man selbst als geeignet erscheint, hängt von unterschiedlichen gesundheitlichen Faktoren, sowie der Wahl der entsprechenden Klinik und des vorbehandelnden Neurologen ab. Doch eines ist sicher: Ein relativ harmloser Eingriff nimmt im Anschluss die Schmerzen, sowie die deutlichen Einschränkungen im Alltag und in der persönlichen Lebensqualität.
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