Gleichgewichtsprüfung

Als Gleichgewichtsprüfung bezeichnet man eine Untersuchung des Vestibularapparates (Gleichgewichtsorgan). Auf diese Weise können mögliche Ursachen für Schwindelanfälle festgestellt werden. Diese sind vielfältig und können in verschiedenen Tests analysiert werden. Lesen Sie alles Wissenswerte über Anwendung und Ablauf der Gleichgewichtsprüfung.

Von Jens Hirseland

Ziel und Zweck der Gleichgewichtsprüfung

Gemeinsam mit dem Hörorgan zählt das Gleichgewichtsorgan (Vestibularapparat) zu den Sinnesorganen im Innenohr. Um festzustellen, ob das Gleichgewichtsorgan von einer Erkrankung betroffen ist, wird eine Gleichgewichtsprüfung durchgeführt, für die es verschiedene Verfahren gibt.

Solche Gleichgewichtsprüfungen sind für Diagnose und Therapie von größter Bedeutung. Zudem kann dadurch auch die Genesung oder die Fahrtauglichkeit eines Patienten beurteilt werden.

Mögliche Ursachen von Gleichgewichtsstörungen

Gleichgewichtsprobleme entstehen oftmals durch Beeinträchtigungen des Gleichgewichtsorgans (Vestibularorgan). Dieses befindet sich hauptsächlich im Innenohr. Zusammengesetzt wird das Organ aus drei Bogengängen, die senkrecht zueinander stehen, und zwei Hohlräumen, die man als Utriculus und Sacculus bezeichnet.

Innerhalb des Gleichgewichtsorgans befindet sich Flüssigkeit, die sich bewegt. Diese Bewegungen bewirken das Verbiegen von feinen Härchen bestimmter Sinneszellen. Dadurch werden Körperbeschleunigungen in mehrere Richtungen registriert.

Häufig entstehen Schwindelanfälle nicht nur durch Innenohr-Erkrankungen, sondern ebenso durch Verletzungen der Halswirbelsäule oder durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Vielfach werden die Beschwerden auch durch Störungen des Gehirns oder der Gleichgewichtsnerven verursacht.

Mögliche Ursachen für eine Erkrankung des Gleichgewichtsorgans sind beispielsweise:

Typische Störungen des Gleichgewichtsorgans sind:

Doch auch schwere Verletzungen wie ein Schädelbasisbruch können das Gleichgewichtsorgan in Mitleidenschaft ziehen.

Als weitere Ursachen für Gleichgewichtsstörungen kommen in Betracht:

Durchführung der Gleichgewichtsprüfung: Ermittlung der Schwindelursachen

Bei einer Erkrankung des Gleichgewichtsorgans kommt es meist zu Schwindelanfällen. Diese können einige Minuten dauern oder gar mehrere Stunden lang anhalten.

Auch chronischer Dauerschwindel ist möglich. Ausgelöst werden kann der Schwindelanfall durch eine bestimmte Körperhaltung oder bei einem Wechsel der Körper- und Kopfhaltung.

Für die Ermittlung der Schwindelursache stehen dem behandelnden Arzt mehrere Testmöglichkeiten zur Verfügung. Dazu gehören:

  1. der Romberg-Versuch, bei dem der Patient mit geschlossenen Augen auf einem oder beiden Beinen steht
  2. der Tretversuch nach Unterberger, bei dem der Patient mit geschlossenen Augen auf der Stelle tritt
  3. die Prüfung der Gangabweichung, die auch Seiltänzergang genannt wird, bei der die Testperson mit geschlossenen Augen auf einer gedachten Linie läuft
  4. die Zeigeversuche wie der Finger-Nase-Versuch, der Knie-Hacken-Versuch oder der Fingerspitzen-Folge-Versuch, bei der der Patient bestimmte Körperteile berühren muss

Durch diese Versuche, die miteinander kombiniert werden können, lässt sich erkennen, ob Schädigungen des Gleichgewichtsorgans, des Gehirns oder der Nerven vorliegen. Danach kommt es zur Auswahl der eigentlichen Gleichgewichtsprüfungen.

Methoden einer Gleichgewichtsprüfung

Besteht der Verdacht auf eine Erkrankung des Gleichgewichtsorgans, wird eine Gleichgewichtsprüfung durchgeführt. Dabei kommen verschiedene Methoden zur Anwendung. Diese hängen von der Art der Beschwerden, der Krankengeschichte und den Voruntersuchungen ab.

Eine Störung des Gleichgewichts lässt sich bereits durch mehrere, einfache Tests feststellen wie zum Beispiel Stehen oder Gehen mit geschlossenen Augen. Dabei muss der Patient auch mit den Fingern auf seine Nasenspitze zeigen.

Es gibt aber noch weitere Untersuchungsmethoden, bei denen man eine Reizung des Gleichgewichtsorgans vornimmt. Dabei kommt es zu automatischen Augenbewegungen, die man als Nystagmus bezeichnet. Diese Bewegungen werden vom Arzt während der Untersuchung beobachtet.

Um die Augenbewegungen erkennen zu können, trägt der Patient meist eine spezielle Frenzel-Brille, die aus sehr starken Gläsern besteht. Eine andere Möglichkeit ist das Aufzeichnen der Augenbewegungen mithilfe von Elektroden.

Nystagmus-Prüfung

Als Nystagmus bezeichnet man eine unwillkürliche, rhythmische Bewegung der Augen. Diese kann vertikal, horizontal oder auch rotatorisch verlaufen. Die unterschiedlichen Formen des Nystagmus liefern Hinweise auf die Ursachen von Schwindelgefühlen.

Bei dem Test erhält der Patient eine so genannte Frenzel-Brille, die ein scharfes Sehen des Betroffenen verhindert. Von außen beurteilt der Arzt mit einer Lupe und Beleuchtung die Bewegungen der Augen.

Die Nystagmen können auch durch eine Elektronystagmographie registriert und analysiert werden.

AEP (Akustisch Evozierte Potentiale)

Dabei wird die Nervenverbindung von den untersten Anteilen des Gehirns, dem Hirnstamm, bis zum Innenohr überprüft. Diese Methode bezeichnet man auch als Hirnstammaudiometrie. Dabei werden die Stärke und die Geschwindigkeit der Nervenimpulse gemessen.

Wie bei einem EEG werden dazu elektrische Sonden auf bestimmte Stellen des Kopfes aufgesetzt.

Drehstuhl-Untersuchung

Bei diesem Test wird die zu untersuchende Person aufrecht auf einen Drehstuhl gesetzt. Zudem muss der Patient die Frenzel-Brille aufsetzen und den Kopf leicht nach vorne beugen. Dann wird der Stuhl für ca. zwanzig Sekunden gedreht. Danach erfolgt eine Aufzeichnung der Nystagmen.

Anschließend wird der Drehstuhl in eine andere Richtung gedreht und es erfolgt eine weitere Aufzeichnung. Im Anschluss daran werden die Ergebnisse der beiden Drehrichtungen verglichen.

Kalorische Spülung

Bei diesem Test wird die Erregbarkeit des Gleichgewichtsorgans durch Spülungen mit warmem oder kaltem Wasser geprüft.

Mögliche Risiken der Gleichgewichtsprüfung

All diese Tests gelten als risikolos. Gelegentlich kann es jedoch bei der Drehstuhl-Untersuchung und den Kalorischen Spülungen zu Schwindelanfällen oder leichter Übelkeit kommen.