2. September 2009
Liegen bei einem Patienten Hörprobleme vor, kommt es zur Anwendung der Audiometrie. Dabei kann der Hals-Nasen-Ohrenarzt auf verschiedene Testmöglichkeiten zurückgreifen, um die genaue Ursache zu ermitteln.
1. Tonschwellen-Audiometrie
Zu der am meisten angewendeten Hörtest-Methode der subjektiven Audiometrie gehört die Tonschwellen-Audiometrie. Als Ausgangspunkt gelten dabei die Werte eines normal hörenden Menschen, sodass die Lautstärke eines Tones gerade noch wahrgenommen werden kann. Die Laustärke für Sinustöne (reine Töne) in Oktavabständen liegt dabei zwischen 125 und 8.000 Hertz. Grundsätzlich kann der Hörtest auch für beide Ohren gleichzeitig angewendet werden, was man als Freifeld-Audiometrie bezeichnet. Normalerweise erfolgen die Tests aber für je ein Ohr. Die Testperson erhält Kopfhörer und anschließend erfolgt die Hörtestung Ohr für Ohr. Dabei werden verschiedene Töne mit zunehmender Lautstärke erzeugt. Die Testperson meldet sich per Handzeichen oder Knopfdruck, sobald sie den Ton wahrnimmt.
2. Sprach-Audiometrie
Bei der Sprach-Audiometrie wird die Hörfähigkeit über eine bestimmte Anzahl von gehörten Wörtern ermittelt. Der zu Testende erhält Kopfhörer, über dem ihm entweder an einem Ohr oder auch an beiden Sätze, Zahlen oder Wörter zugespielt werden. Als Ausgangspunkt dient dabei die Lautstärke eines normal hörenden Menschen, der 50 Prozent versteht. Ermittelt wird dann, ab welcher Lautstärke die Testperson die Worte wahrnehmen kann.
Die Sprach-Audiometrie ist besonders sinnvoll vor der Anwendung eines Hörgerätes, bevor dieses angepasst wird. Dabei werden sowohl die Hörschwelle als auch die wahrnehmbaren Tonhöhen getestet. Auch die Empfindlichkeit bei Störgeräuschen wird festgestellt.
3. Stimmgabelprüfungen
Mit Hilfe von Stimmgabelprüfungen lassen sich Mittelohr- und Innenohrschwerhörigkeit von einander unterscheiden. Anstatt der Schallleitung über die Luft wird hierbei die Schallleitung über die Schädelknochen angewendet. Dabei nehmen die Sinneszellen des Innenohres die Schwingungen der Stimmgabel wie einen Ton wahr, ohne das die Weiterleitung über das Mittelohr erfolgt.
Bei diesem Test kommt eine schwingende Stimmgabel zum Einsatz, die auf verschiedene Stellen des Kopfes gesetzt wird. Während bei dem Weber-Versuch die Knochenleitung beider Ohren getestet wird, dient der Rinne-Versuch dazu, Knochen- und Luftleitung miteinander zu vergleichen. Dadurch können Schallempfindungsschwerhörigkeit und Schallleitungsschwerhörigkeit besser voneinander unterschieden werden.
4. Überschwellige tonaudiometrische Prüfungen
Bei überschwelligen tonaudiometrischen Prüfungen wird ermittelt, ob es sich bei einer Schwerhörigkeit um einen Schaden an den Haarzellen des Labyrinths oder um eine Schädigung des Hörnervs handelt. Liegt eine einseitige Schwerhörigkeit vor, wird bei dem schwerhörigen Ohr eine höhere Lautstärke angewendet als bei dem gesunden Ohr. Für den Fall, das dabei ein Ausgleich in der Wahrnehmung der Lautstärke erfolgt, liegt vermutlich eine Schädigung der Haarzellen vor.
5. Stapedius-Reflexmessung
Mit der Stapedius-Reflexmessung wird die Beweglichkeit des Steigbügels, eines Gehörknöchelchens, getestet. So kann festgestellt werden, ob eine Schallleitungsschwerhörigkeit vorliegt, wenn der Steigbügel am Innenohr festgewachsen sein sollte. Bei dem Test werden die Töne über einen Knochenleitungshörer abgegeben, welcher auf den Schädelknochen hinter dem Ohr aufgesetzt wird. Auf diese Weise gelangen die Töne über den Knochen in das Innere des Ohres.
6. Elektrische Reaktionsaudiometrie (ERA)
Bei dieser objektiven Audiometrie werden Gehirnaktivitäten, durch die Hörreize ausgelöst werden, gemessen. Die elektrischen Spuren können an der Oberfläche des Kopfes und der Stirn ermittelt werden. Der Test ähnelt der Tonschwellen-Audiometrie, mit dem Unterschied, dass die Testperson den Hörzeitpunkt nicht selbst mitteilen muss.
Aus diesem Grund eignet sich der Test besonders gut für Kinder oder Menschen, für die ein Tonschwellen-Hörtest nicht geeignet ist.
7. Simulationsproben und Taubheitstests
Auch für die Überprüfung von Taubheit gibt es verschiedene Testmöglichkeiten. Dazu gehören der Lombard-Test, bei dem Texte verlesen werden, während gleichzeitig störende Geräusche über einen Kopfhörer abgespielt werden sowie der Lee-Test, bei dem die Testperson einen Text vorlesen muss, dieser aber zeitversetzt zusätzlich über Kopfhörer abgespielt wird.
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