1. Juni 2010
Bei Organspenden denken die meisten Menschen spontan an die Transplantation von Herzen oder Nieren. Einer der häufigsten und erfolgreichsten Eingriffe ist jedoch die Hornhaut-Transplantation.
Ungefähr 4500 Hornhäute können jedes Jahr in den Augenkliniken der Bundesrepublik verpflanzt werden. Immer bessere Operationsmethoden sorgen dafür, dass so jedes Jahr tausende Menschen erfolgreich wieder ihr Augenlicht zurückgewinnen und somit ein neues Leben geschenkt bekommen.
Das Potenzial ist jedoch noch lange nicht ausgeschöpft, denn der Bedarf an gespendeten Hornhäuten ist enorm groß. Etwa 2000 Menschen stehen dauerhaft auf der Warteliste für ein Implantat. Es gibt nach wie vor zu wenig Spender. Dabei handelt es sich bei der menschlichen Hornhaut um ein nicht durchblutetes Gewebe, das bis zu 72 Stunden nach dem Tod des Spenders noch entnommen werden kann. Eine Altersbeschränkung gibt es dafür nicht.
Zwischenzeitlich diskutiert die Wissenschaft immer wieder Möglichkeiten, künstliche Hornhautprothesen einzusetzen. Diese sollen eines Tages den Mangel an Spender-Hornhäuten ausgleichen. Doch die Meldungen verschwinden meist wieder so schnell, wie sie aufgetaucht sind, denn ein geeignetes Material ließ sich bisher nicht finden. Es muss nämlich auch einigen Ansprüchen genügen: So muss es sich mit dem umliegenden Gewebe verbinden, ohne eine Abstoßungsreaktion auszulösen und gleichzeitig über Jahre transparent bleiben. Das schafft bisher nur die natürliche menschliche Hornhaut.
Derweil entwickelt die Medizin sich allerdings stetig weiter. Eine sehr erfolgreiche Technik, die in ihren Grundzügen bereits seit über 100 Jahren existiert, ist die "perforierende Keratoplastik". In den letzten Jahren kamen dazu einige weniger belastende Techniken, wie etwa die "lamelläre Keratoplastik", bei der nur einzelne Schichten anstelle der kompletten Hornhaut transplantiert werden. Zwischen 2005 und 2009 ist die Zahl der Patienten, die mit der lamellären Methode behandelt wurden, von 2,8 Prozent auf 14,1 Prozent gestiegen. Allerdings ist das Verfahren noch in der Erforschung und die Ergebnisse überzeugen nicht immer.
Bei Menschen, bei denen nicht nur die Hornhaut erkrankt, sondern auch die Linse trüb ist, können auch kombinierte Eingriffe erfolgen. Hierbei wird die Linse durch eine aus Kunststoff ersetzt, für die Hornhaut ist jedoch nach wie vor ein menschlicher Spender notwendig. Es ist zu hoffen, dass die Anzahl dieser in den nächsten Jahren zunimmt.
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