4. September 2010
Von Andreas Hadel
"Eine ausgewogene Ernährung, die reich an Obst, Gemüse und Früchten ist, kann dazu beitragen, das Krebsrisiko zu senken." Sätze wie diese finden sich in Diät- und Gesundheitsratgeber rund um den Globus. Es scheint ja auch Sinn zu machen, wenn man die Erkenntnisse berücksichtigt, dass u.a. Vitamin C freie Radikale beseitigt und so Zellschäden vermindert. Eine italienische Studie bringt diesen Grundsatz jedoch ins Wanken.
Die Wissenschaftler testeten dabei vor allem den Nutzen der so oft geforderten fünf Portionen Obst und Gemüse, die man pro Tag essen sollte, wenn man seinen Lebenspfad so lang wie möglich frei von Beschwerden beschreiten möchte. Dabei kamen sie jedoch zu dem Schluss, dass das gesunde Grün offenbar nur sehr wenig im präventiven Kampf gegen Krebs beiträgt. Laut den Auswertungen der italienischen Forscher, scheint es nur eine Personengruppe zu geben, die deutlich von einen gesteigerten Obstverzehr profitiert: schwere Alkoholiker. Und dabei scheint sich der positive Nutzen auch nur auf jene Krebsarten zu beschränken, die in Zusammenhang mit exzessivem Alkohol- und Nikotingenuss im Zusammenhang stehen, wie zum Beispiel Mundhöhlen- und Kehlkopfkrebs.
Dr. Paolo Boffetta, der die Untersuchungen leitete, sagte, dass es seit Jahren in Fachkreisen eine Kontroverse über den Zusammenhang von Obst und Gemüse hinsichtlich einer krebspräventiven Wirkung gäbe. Was seine Studie zeige, so der Akademiker weiter, ist, dass ein gewisser positiver Effekt zwar nicht von der Hand zu weisen sei, dieser jedoch weitaus kleiner zu sein scheint, als man bisher angenommen habe.
Boffetta und sein Team beobachteten für die Studie über neun Jahre fast 500.000 Personen in ganz Europa und werteten ihre Krankheitsgeschichte statistisch aus. Andere Faktoren, die neben der Ernährung einen Einfluss auf das Krebsrisiko haben (Sport, Beruf etc.) wurden statistisch bereinigt.
Am Ende konnte das italienische Forscherteam feststellen, dass der tägliche Konsum von Obst und Gemüse das Krebsrisiko um drei Prozent senkt. Und dies sei überwiegend bei den weiblichen Studienteilnehmern der Fall gewesen.
Die Ergebnisse der Studie sollten Sie jedoch auf keinen Fall dazu veranlassen, dass Sie ab sofort ihren Verzehr von Äpfeln, Beeren und Co. einschränken. Die italienischen Wissenschaftler haben sich ausschließlich auf Krebs konzentriert. Wenn es um Ihre Gesundheit geht, sollten Sie jedoch nicht das Gesamtbild aus den Augen verlieren. Vielleicht können Früchte und Gemüse nicht die Entstehung von Krebs verhindern, dafür haben sie jedoch einen positiven Effekt auf ihr Immunsystem, ihre Stimmung und anderen Dingen, die für unser Wohlbefinden eine entscheidende Rolle spielen.
Wer seinen Tag mit einem ungesüßten Smoothie startet, zum zweiten Frühstück einen Apfel mit Hüttenkäse verdrückt, als Beilage beim Mittag nicht auf Brokkoli und Spargel verzichtet und am Abend einen Salatteller vor sich findet, ist gesundheitsmäßig betrachtet auf der sicheren Seite.
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