2. Oktober 2009
Bei bestimmten physischen oder psychischen Erkrankungen empfiehlt sich die Anwendung einer Ergotherapie, um körperliche und geistige Fähigkeiten zu verbessern. Dafür gibt es verschiedene Methoden.
1. Ergotherapie in der Neurologie
Bei Anwendung der Ergotherapie in der Neurologie werden in erster Linie Krankheiten des zentralen Nervensystems wie Multiple Sklerose, Parkinson, Querschnittslähmung, Schädel-Hirn-Verletzungen, Polyneuropathie oder ein Schlaganfall behandelt, denn vor allem neurologische Erkrankungen erweisen sich oftmals als sehr komplex und langwierig.
Ziel der Ergotherapie ist dabei die Wiederherstellung oder Verbesserung von verloren gegangenen Fähigkeiten wie Bewegung, Konzentration, Gedächtnis, Lesen, Schreiben und Sinneswahrnehmungen. Zu der Therapie gehören Stimulationen der Aufnahme und Verarbeitung von Sinnesreizen, Training der Greiffunktionen der Hände sowie Verbesserungen der Orientierungs- und Konzentrationsfähigkeiten. Auch ganz alltägliche Dinge wie Essen, Anziehen oder Waschen werden geübt.
Dabei versuchen die Therapeuten auch den Patienten dazu zu bringen, dass er falsche oder kraftraubene Bewegungen oder Körperhaltungen unterlässt. Stattdessen werden Bewegungen geübt, die weniger Kraftaufwand erfordern. Alternativ kann der Patient auch lernen mit seinen Handicaps umzugehen und entsprechende Bewegungen üben. Die Art der Übungen hängt auch von den Bedürfnissen des Patienten im Alltag ab. Durch das Arbeiten mit Therapieknete, Steckspielen oder Salzteig werden Fingerspitzengefühl und Feinmotorik gefördert. Für die Verbesserung der Handbewegungen malt der Patient Kreise oder bestimmte Muster auf. Um das Gedächtnis und die Konzentration zu verbessern, werden Denksportaufgaben oder konzentrationsförderne taktische Spiele durchgeführt.
2. Ergotherapie in der Orthopädie oder Traumatologie
In diesem medizinischen Bereich kommt eine Ergotherapie bei Lähmungen, angeborenen Fehlbildungen, Knochenverletzungen- oder Tumoren, Verletzungen von Nerven oder Sehnen, Abnutzung der Gelenke oder der Wirbelsäule, Rheumaerkrankungen oder nach Amputationen zur Anwendung. Ziel ist die Wiederherstellung der Beweglichkeit und die Kräftigung der Muskulatur des Patienten. Außerdem lernt der Patient sich möglichst schmerzlos und schonend zu bewegen. Auch der Umgang mit Hilfsmitteln wie Haushaltshilfen, Handschienen oder Prothesen wird geübt.
3. Ergotherapie bei geistiger Behinderung
Bei einer geistigen Behinderung des Patienten ist vor Beginn der Therapie eine genaue Überprüfung der individuellen Lebensgestaltungsmöglichkeiten und Perspektiven erforderlich. Der Patient erhält durch die Ergotherapie bestimmte Erfahrungen, die er benötigt, sich aber nicht selbst aneignen kann. Zu diesem Zweck werden Wahrnehmungsbehandlungen, basale Stimulationen, physiotherapeutische Übungen, Behandlungen von gestörter eigener Körperwahrnehmung sowie Trainings der Arbeitsfähigkeit durchgeführt.
4. Ergotherapie in der Altersheilkunde
In der Altersheilkunde (Geriatrie) dient eine Ergotherapie der Verbesserung von altersbedingt eingeschränkten psychischen, physischen und psychosozialen Fähigkeiten. Dabei werden motorische Fähigkeiten und die Erhaltung der Grundmobilität gefördert, geistige Fähigkeiten wie Konzentration oder Gedächtnis trainiert, Kommunikation, Orientierung und Kontaktfähigkeit verbessert sowie Hilfestellungen bei seelischen Problemen gegeben.
5. Ergotherapie bei psychischen Störungen
Hierbei werden Menschen mit psychischen Störungen oder Krankheiten wie zum Beispiel Depressionen, Schizophrenie, Demenz, Alzheimer, Zwangsneurosen, Angststörungen, Autismus, gestörtem Essverhalten oder Schlafstörungen behandelt. Auch Suchterkrankungen jeglicher Art werden im Rahmen einer Ergotherapie behandelt. Dabei sollen vor allem Motivation, Ausdauer, Belastbarkeit, Selbstständigkeit und Flexibilität des Patienten gefördert werden. Weiterhin werden situationsgerechtes Verhalten, Interaktionsfähigkeit, Realitätsbezogenheit, psychische Stabilität und eigenständige Lebensführung trainiert. Verloren gegangene Fähigkeiten sollen wiederhergestellt werden.
6. Ergotherapie in der Kinderheilkunde
In der Kinderheilkunde (Pädiatrie) kommt eine Ergotherapie bei körperlichen oder geistigen Einschränkungen von Kindern und Jugendlichen zur Anwendung. Ziel ist die Verbesserung von gestörten Bereichen. Dabei werden Koordination und Bewegungsabläufe verbessert, Ausdauer, Konzentration und kognitive Fähigkeiten trainiert, die Sinneswahrnehmung verbessert sowie Neugier und Motivation gestärkt.
7. Arbeitstherapie
Im Rahmen einer Arbeitstherapie wird der Wiedereinstieg in das Berufsleben geübt. Dies geschieht bei Patienten, die unter physischen, psychischen oder geistigen Einschränkungen leiden. Dabei werden Konzentrationsfähigkeit, Zeitstrukturierung und Ausdauer trainiert, Anpassungsfähigkeit, Kontaktfähigkeit und Durchsetzungsvermögen geübt, Entscheidungsfähigkeit und Selbstvertrauen gestärkt, physische Belastbarkeit, Geschicklichkeit und Feinmotorik verbessert sowie Schreiben, Rechnen und Organisationsfähigkeit trainiert.
Risiken und Komplikationen sind bei der Ergotherapie nicht bekannt. Es kann aber in manchen Fällen zur Überforderung von einzelnen Patienten kommen.
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10.02.12 | |
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