6. Oktober 2011
Unter einer Delfintherapie versteht man eine spezielle tiergestützte Behandlungsmethode, die körperlich und geistig behinderten Kindern zugute kommen soll. Die Therapie ist unter Wissenschaftlern jedoch stark umstritten.
Bei der Delfintherapie handelt es sich um eine alternative Behandlungsmethode, die als Unterstützung zu konservativen Therapien angeboten wird. Durch die tiergestützte Therapie soll der Effekt von herkömmlichen Behandlungsmethoden verstärkt werden, indem sie bei geistig und körperlich behinderten Kindern Ängste abbaut und sie zu weiteren Behandlungen motiviert. Den Delfinen, die bei der alternativen Therapie zum Einsatz kommen, spricht man in Bezug auf Kinder hohe therapeutische Fähigkeiten zu. Es wird den Tieren nachgesagt, dass sie über ein besonderes Gespür für den Umgang mit behinderten Kindern verfügen.
Im Rahmen einer Delfintherapie baut man die Delfine in ein herkömmliches Therapiekonzept wie zum Beispiel eine Physiotherapie mit ein. Die Begegnung mit den Delfinen gilt für das zu behandelnde Kind als besondere Motivation. In den meisten Fällen reagieren die behinderten Kinder sehr positiv auf die Delfine und bauen eine Beziehung zu ihnen auf. Ebenfalls positiv wirken sich der Aufenthalt am Wasser und das milde Klima auf die Kinder aus. So werden durch die erhöhte Aufmerksamkeit bessere Lernresultate erzielt.
Zur Anwendung kommt die Delfintherapie in erster Linie bei körperlichen oder geistigen Behinderungen. Dazu gehören vor allem Autismus, das Down-Syndrom, starke Traumata sowie das Wachkoma. Die Befürworter der Delfintherapie vertreten die Ansicht, dass die ungewöhnliche Behandlungsmethode die Aufnahmefähigkeit und die Konzentration der Kinder verbessert. So sind die Kinder entspannter und können sich besser mitteilen als vor der Therapie. Darüber hinaus werden auch Verbesserungen bei der Motorik erzielt. Wichtig für den Erfolg der Delfintherapie ist jedoch die Kontrolle durch den behandelnden Arzt. Dieser stellt das Behandlungskonzept zusammen und kümmert sich um dessen Umsetzung. Des Weiteren legt er fest, welche Übungen zur Anwendung kommen und achtet darauf, dass die Fähigkeiten des Patienten individuell gefördert werden.
Entwickelt wurde die Delfintherapie von dem amerikanischen Verhaltensforscher und Psychologen David E. Nathanson, der in den USA die Therapieprogramme der Dolphin-Human-Therapy leitet. Unter Wissenschaftlern ist die Wirksamkeit der Delfintherapie trotz positiver Erfahrungen jedoch umstritten. So konnten Studien keine messbaren oder nachhaltigen Verbesserungen feststellen und schrieben die positiven Effekte der subjektiven Wahrnehmung der Eltern zu, sodass ein wissenschaftlicher Wirksamkeitsnachweis bisher fehlt. Auch viele Tierschützer und Biologen stehen der Delfintherapie ablehnend gegenüber und befürchten Gefahren für die Kinder, da die Meeressäuger unberechenbar sind. So gab es in den USA einige Verletzungsfälle durch Delfine.
Die meisten Delfintherapien werden in den Vereinigten Staaten von Amerika und Israel angeboten. Dort leben die Delfine in separaten Meeresbuchten. In Deutschland bietet man die Therapie an der Würzburger Universität im Rahmen eines Forschungsprogramms an. Die Kinder dürfen dabei jedoch erst am letzten Behandlungstag in das Delfinbecken. Bis dahin finden die Sitzungen am Beckenrand statt. Da die Delfintherapie von den Krankenkassen aufgrund der fehlenden wissenschaftlichen Anerkennung nicht bezahlt wird, müssen die Eltern der Kinder für die Behandlungskosten aufkommen. Diese können bis zu 20.000 Euro betragen, wenn die Therapie im Ausland stattfindet. Darüber hinaus gibt es lange Wartelisten für einen Therapieplatz.
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