2. Oktober 2009
Wenn sich Krankheitserreger als resistent gegen herkömmliche Mittel erweisen oder Wunden schlecht heilen, kann eine Biotherapie zur Anwendung kommen. Diese erfolgt durch den Einsatz von lebenden Organismen.
Für die Anwendung einer Biotherapie mit lebenden Organismen, kommen mehrere Möglichkeiten in Frage.
1. Madentherapie
Im Rahmen einer Madentherapie, die auch Biochirurgie genannt wird, kommen keimfreie Maden zur Reinigung von chronischen Wunden zum Einsatz. Diese Therapie wurde bereits vor Jahrhunderten angewandt. Im 19. Jahrhundert wurden Maden zur Behandlung von verwundeten Soldaten eingesetzt. 1929 fand die Madentherapie auch die Aufnahme in die zivile Chirurgie und erwies sich als sehr erfolgreich. Durch die Erfindung der Antibiotika geriet die Madentherapie allerdings außer Mode. Doch aufgrund der zunehmenden Resistenz von Bakterien gegenüber Antibiotika, kommt die Madentherapie wieder häufiger zur Anwendung.
Bei einer Madentherapie werden keimfreie Goldfliegenmaden, die speziell in einem Labor gezüchtet wurden, in Gazepäckchen, die Ähnlichkeit mit einem Teebeutel haben, auf die schlecht heilenden Wunden gelegt. Die Maden fressen dann ausschließlich das kranke und abgestorbene Gewebe auf. Auf diese Weise sorgen sie für eine Neubildung des Gewebes, wodurch sich die Wunde dann endlich schließen kann. Für die meisten Patienten verläuft diese ungewöhnliche Behandlung schmerzlos. Knapp ein Viertel der Patienten benötigt jedoch ein Schmerzmittel während der Behandlung. In manchen Fällen kann es durch die Maden auch zu Kribbeln und Juckreiz kommen.
2. Blutegelbehandlung
Eine Behandlung mit Blutegeln erfolgt vor allem bei Abszessen, Furunkeln sowie bei Arthrose und Thrombosen. Auch in der plastischen Chirurgie kommen sie zur Wundheilung zur Anwendung. Beim Saugen mit ihrem Speichel geben die Blutegel verschiedene entzündungshemmende und Blutgerinnungshemmende Substanzen ab. Diese ca. zwanzig Substanzen bilden eine Art pharmazeutischen Cocktail, der sich als wirksam gegen bestimmte entzündliche Erkrankungen erweist und darüber hinaus schmerzlindernd wirkt. Die Blutegel werden für den medizinischen Gebrauch speziell gezüchtet und auf einer erkrankten Stelle des Körpers angebracht. Dort verbleiben sie etwa eine halbe Stunde, bis sie sich satt gefressen haben. Danach werden sie von dem behandelnden Arzt wieder entfernt. Zu spüren ist lediglich ein leichtes Brennen. Als Nebenwirkungen können leichtes Nachbluten und kleine Irritationen der Haut auftreten. Manchmal kann es auch zu leichter Kreislaufschwäche kommen.
3. Phagentherapie
Eine weitere Variante der Biotherapie ist die Behandlung mit Bakteriophagen. Dies sind Viren, die darauf spezialisiert sind, Bakterien anzugreifen. Dadurch regulieren sie den Bestand der Bakterien. Eine Phage befällt ein Bakterium und bringt es zum Platzen. Dies geschieht solange, bis keine Bakterie mehr übrig ist. Danach sterben auch die Bakteriophagen ab. Die Therapie wird, aufgrund zunehmender Antibiotikaresistenz von Bakterien, wieder häufiger verwendet. So dienen mit Bakteriophagen versehende Wundauflagen zum Beispiel zur Behandlung von Neurodermitis.
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