28. September 2011
Unter Wahnvorstellungen versteht man Vorstellungen von Menschen, die nicht der Realität entsprechen. Sie treten als Symptom von Psychosen wie der Schizophrenie auf.
Von Wahnvorstellungen spricht man, wenn die Betroffenen Vorstellungen oder Ideen entwickeln, die mit der Realität nichts zu tun haben. In ihrem Wahn messen sie bestimmten Ereignissen, Personen oder Gegenständen eine Bedeutung zu, die diese gar nicht haben. Insofern handelt es sich bei Wahnvorstellungen um Fehlwahrnehmungen der Realität. Die Betroffenen sind von ihrem Denken durch nichts abzubringen. Man unterscheidet zwischen verschiedenen Formen von Wahnvorstellungen.
Wahnvorstellungen kommen in den mannigfaltigsten Ausprägungen vor. Besonders häufig auftretende Formen sind Beziehungswahn und Verfolgungswahn. Beim Beziehungswahn glauben die Betroffenen, dass sich alles in ihrer Umgebung nur auf sie bezieht. So nehmen sie sogar an, dass im Fernsehen versteckte Botschaften direkt an sie gerichtet werden. Zu Beziehungswahn kommt es vor allem bei paranoischen Formen. Der Verfolgungswahn äußert sich dadurch, dass sich die Betroffenen von anderen Menschen beleidigt, gedemütigt oder verhöhnt fühlen. Mitunter glauben sie sogar, dass man ihnen nach ihrem Leben trachtet. Außerdem fühlen sie sich ständig beobachtet oder von Spionen oder Außerirdischen verfolgt. Es gibt aber noch viele weitere Ausprägungsformen von Wahnvorstellungen. Dazu gehören unter anderem der Verarmungswahn, bei dem die Betroffenen glauben zu verarmen, obwohl dazu gar kein Anlass besteht, der Schädigungswahn, bei dem die Betroffenen annehmen, sie würden durch ihre bloße Existenz anderen Menschen Schaden zufügen oder Unheil bringen, der Schuldwahn, bei dem die Vorstellung besteht, die Schuld an bestimmten allgemeinen Ereignissen, wie zum Beispiel Armut auf der Welt, zu tragen oder sich versündigt zu haben, sowie der Krankheitswahn, bei dem die Betroffenen sich unheilbar krank fühlen, obwohl sie gar nicht ernsthaft krank sind. Beim Größenwahn, der auch Megalomanie genannt wird, glaubt man, eine wichtige politische oder religiöse Person zu sein. Manche Erkrankte halten sich auch für einen Superhelden, einen Propheten, oder die Reinkarnation einer großen historischen Persönlichkeit. Auch ein Sendungswahn, bei dem der Glaube besteht, die Menschheit von ihren Übeln erlösen zu müssen, ist möglich. Darüber hinaus gibt es Sonderformen von Größenwahn wie religiösen Wahn, politischen Wahn, Heilswahn, Weltverbesserungswahn oder Omnipotenzwahn. Weitere Formen von Wahnvorstellungen sind der Erfinderwahn, der Eifersuchtswahn, der Nichtigkeitswahn sowie der Devitalisierungswahn, bei dem der Betroffene seine eigene Existenz leugnet.
Bei Wahnvorstellungen können die Patienten ein regelrechtes Wahnsystem entwickeln. Dieses äußert sich dadurch, dass für die Betroffenen alle Dinge, Wahrnehmungen und Personen zusammenpassen und somit zum Bestandteil ihres Wahns werden. Auf diese Weise wird deren wahnhafte Überzeugung noch gesteigert. Bei Menschen, die unter Schizophrenie leiden, können sich Wahnvorstellungen und Realität aber auch abwechseln oder miteinander vermischen. Äußern sich Wahnvorstellungen ganz plötzlich, spricht man von einem Wahnanfall.
Menschen, die unter Wahnvorstellungen leiden, medizinisch zu behandeln, ist sehr schwierig, da es ihnen meist an Einsicht mangelt. Nur in seltenen Fällen lässt sich der Patient durch Ärzte oder Verwandte dazu bringen, sich einer Therapie zu unterziehen. Besteht jedoch die Gefahr, dass durch das Verhalten des Erkrankten er selbst oder andere Menschen gefährdet werden, kann man ihn auch zwangsweise behandeln. Vor einer psychiatrischen Therapie ist eine genaue Diagnose sehr wichtig, um die richtigen Therapiemaßnahmen einleiten zu können. In den meisten Fällen greift man für die Behandlung von Wahnvorstellungen auf Neuroleptika zurück, da diese über eine antipsychotische Wirkung verfügen. Leidet der Patient unter einer Depression oder Manie, verabreicht man ihm zusätzlich Antidepressiva oder antimanische Mittel. Häufig kann durch die Gabe von Neuroleptika eine schnelle Besserung erzielt werden. Allerdings gibt es auch Wahnformen, die sich als therapieresistent erweisen.
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