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Das Übergewichts-Paradoxon

Von Andreas Hadel

Ein aktuelles Studienergebnis, das im Widerspruch zu bisherigen Erkenntnissen steht, stellt die Mediziner und Ernährungsexperten vor ein neues Rätsel. Demnach scheint Mutter Natur übergewichtige Menschen mit einen Schutzmechanismus ausgestattet zu haben, der die Wahrscheinlichkeit einen Herzinfarkt zu überstehen, erhöht.

Mann auf Waage

Gregory Freund und Christina Sherry, zwei Wissenschaftler von der Universität in Illinois, sind vor Kurzem auf das Phänomen gestossen, als sie den Hormonhaushalt von Mäusen genauer unter die Lupe nahmen. Seither wird ihre Entdeckung als das Übergewichts-Paradoxon bezeichnet. Doch was genau förderte der Wissensdrang der beiden Forscher zu Tage?

Im Interesse der Wissenschaftler stand zunächst Leptin. Ein Hormon, das für den Energiestoffwechsel eine Schlüsselrolle spielt und unter anderem einen direkten Einfluss auf den Appetitanregung hat. Dabei ist besonders auffällig, dass Leptin auch an den Körperfettgehalt gebunden zu sein scheint. Je größer die Fettzellen sind, um so höher ist auch der Leptinspiegel. Leptin signalisiert dem Gehirn bei der Nahrungsaufnahme, dass der Körper mit genügend Nährstoffen versorgt wurde. Bei einer längeren Diät oder während einer Fastenkur senkt sich der Leptinwert. Neben der Wirkung auf unsere Nahrungsaufnahme stimuliert Leptin aber auch die Ausschüttung von entzündungshemmenden Molekülen.

Den beiden Wissenschaftlern drängte sich also die Frage auf, welche Rolle Leptin für die Gesundheit von übergewichtigen Personen wirklich spielt. In einem Experiment mit zwei Mäusepopulationen simulierten sie bei den Tieren einen Herzinfarkt, indem sie den Nagern die Sauerstoffzufuhr versagten. Dabei bestand eine Gruppe aus normalgewichtigen Mäusen und die andere aus Mäusen mit einem erhöhten Körperfettwert. Die zweite Nagergruppe wurde über 12 Wochen mit fettreichem Futter gemästet, um sie auf den erforderlichen Fettgehalt zu bringen.

Während des Experiments wurde ersichtlich, dass sich die übergewichtigen Mäuse bis zu dreimal schneller von dem simulierten Herzinfarkt erholten, als deren schlankere Gegenstücke. Als die Forscher den normalgewichtigen Nagern Leptin injizierten, erholten diese sich ebenfalls schneller.

Da die Studie erst vor wenigen Tagen in einem Fachblatt für Endokrinologie erschienen ist, ist ein Echo der Expertenwelt gerade am erklingen. Einige Stimmen glauben aus den Ergebnissen ableiten zu können, dass man infarktgefährdete Patienten zu einem moderaten Übergewicht raten solle, um die positiven Eigenschaften von Leptin besser zur Wirkung bringen zu können. Andere halten eine Übertragung der Erkenntnisse auf den Menschen für gewagt und wollen weitere Studien abwarten. Ganz offensichtlich ist jedoch, dass die beiden Forscher aus Illinois für ein Laubfeuer unter Kardiologen gesorgt haben, dessen Ausmaße noch nicht ganz abzusehen sind.

Es ist jedoch davon auszugehen, dass die grundsätzlichen Richtlinien für einen herzgesunden Lebensstil bestehen bleiben werden. Und dazu gehören neben eines regelmäßigen Kardiotrainings wie Joggen, Schwimmen oder Radfahren auch das kalorienbewusste und cholesterinarme Essen.

QUELLENANGABEN

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