Druckgeschwüre (Dekubitus) - Ursachen, Symptome und Behandlung

Pflegerin hält die faltige, rechte Hand einer bettlegerichen, alten Frau

Zu den Risikofaktoren zählt mitunter auch eine dünne Haut, die z.B. bei älteren Menschen oder Diabetikern vorkommt

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  • von Paradisi-Redaktion

Als Dekubitus bezeichnet man ein Druckgeschwür auf der Haut. Es tritt vor allem bei Menschen auf, die lange ans Bett gefesselt sind.

Der Begriff "Dekubitus" stammt aus dem Lateinischen und bedeutet soviel wie "Geschwür durch Liegen". Dabei kommt es zu lokalen Schädigungen der Haut sowie des Gewebes, das sich darunter befindet. Im Volksmund wird Dekubitus auch Wundliegen genannt. Stark betroffen von Druckgeschwüren sind ältere Menschen, die aufgrund von Pflegebedürftigkeit oder Lähmungen permanent im Bett liegen müssen.

Verbreitung

In Deutschland leiden pro Jahr schätzungsweise 400.000 Bundesbürger unter einem behandlungsbedürftigen Dekubitus. Besonders hoch ist die Zahl der Dekubitus-Fälle in Alten- und Pflegeheimen. Dort treten bei ca. 30 Prozent aller Bewohner Druckgeschwüre auf.

Ein Dekubitalgeschwür kann prinzipiell an jeder Stelle des Körpers vorkommen, an der kein Schutz vor Auflagedruck durch Fettgewebe oder Muskeln besteht.

Besonders betroffene Körperregionen sind

Ursachen

Verursacht wird ein Dekubitalgeschwür durch die Einwirkung von Druck auf die Haut, der durch langes Liegen oder Sitzen zustande kommt. Normalerweise tritt auch bei längerer Bettlägerigkeit kein Dekubitus auf, da der Mensch seine Lage immer wieder wechselt.

Können sich die Betroffenen jedoch nicht selbstständig bewegen, besteht die Gefahr von Wundliegen. Dadurch bildet sich permanenter Druck auf die Haut, der zum Zusammendrücken der kleinen Blutgefäße führt. Dies hat eine schlechtere Sauerstoffversorgung der betroffenen Körperstelle zur Folge, wodurch es schließlich zum Absterben von Gewebe kommt.

Neben der Druckeinwirkung spielen aber auch die Scherkräfte beim Wundliegen eine Rolle. So bewirken diese, dass sich die Gewebeschichten verschieben und die kleinen Blutgefäße in Mitleidenschaft gezogen werden. Diese Scherkräfte entstehen durch Rutschbewegungen im Bett.

Risikofaktoren

Durch bestimmte Risikofaktoren wird die Gefahr, dass sich ein Druckgeschwür bildet, erhöht. Dazu gehören neben langem Liegen oder Sitzen auch eine dünne, elastische Haut, wie sie vor allem bei älteren Menschen vorkommt, und Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit).

So gelten Diabetiker als besonders anfällig, weil durch die Zuckerkrankheit die Nerven geschädigt werden. Deswegen können sie eine erhöhte Druckeinwirkung weniger gut wahrnehmen. Als weitere Einflussfaktoren gelten

  • eine feuchte Haut
  • die Ursache der Bettlägerigkeit sowie
  • der Ernährungszustand des Patienten.

Symptome

Bei einem Druckgeschwür kommt es zu Veränderungen der Haut. Das Ausmaß der Symptome ist abhängig von der Form und dem Schwergrad des Geschwürs. In der Medizin teilt man Dekubitalgeschwüre in die Stadien I bis IV ein.

Stadium I

Im Anfangsstadium oder Schweregrad 1 macht sich ein Druckgeschwür durch eine scharf eingegrenzte Rötung an der betroffenen Hautstelle bemerkbar. Diese Rötung zeigt sich auch dann noch, wenn der Druck geringer geworden ist.

Mitunter ist die betroffene Stelle auch warm oder verhärtet. In Stadium I bleibt die Haut aber noch unversehrt.

Stadium II

Im zweiten Stadium bilden sich Blasen auf der Haut. Es ist aber auch möglich, dass sich die oberste Hautschicht ablöst. Schließlich entsteht eine offene, oberflächliche Wunde.

Stadium III

Im dritten Stadium erstreckt sich das Dekubitalgeschwür bis zu den Muskeln unterhalb der Haut. Das Geschwür ist nun offen und tief. An seinem Rand können sich mitunter Taschen bilden.

Stadium IV

Im vierten und höchsten Stadium sind freiliegende Knochen sichtbar. Es kommt zur Zerstörung von

  • Haut
  • Muskeln
  • Sehnen und
  • Knochen.

Das zerstörte Gewebe weist oft eine blauschwarze Verfärbung auf. Bemerkbar macht sich ein Druckgeschwür meist durch ein brennendes Gefühl, Juckreiz und starke Schmerzen an der betroffenen Körperstelle.

Liegt eine Infektion des Geschwürs vor, bildet sich mitunter ein übler Geruch. Im Falle einer Nervenschädigung, wie bei einer Polyneuropathie, kann es aber auch sein, dass der Patient die Symptome gar nicht spürt.

Diagnose

Diagnostizieren lässt sich ein Druckgeschwür vom Arzt schon anhand der typischen Haut- und Gewebeschäden. Um die richtige Versorgung der Wunde festzulegen, erfolgt ein Gewebeabstrich. Liegt Verdacht auf eine Knochenbeteiligung vor, wird eine Röntgenuntersuchung durchgeführt.

Behandlung

Je früher ein Druckgeschwür erkannt wird, desto leichter kann es behandelt werden. Die Behandlung besteht aus einer Lokaltherapie sowie einer Kausaltherapie. Bei der lokalen Therapie entfernt man operativ das abgestorbene Gewebe mit einem Skalpell. Als Alternative kommen auch der Einsatz von speziellen Enzymen oder eine Madentherapie infrage.

Bei der Madentherapie nehmen gezüchtete Fliegenlarven das abgestorbene Gewebe als Nahrung auf und beseitigen es auf diese Weise. Weiterhin wird die Wunde desinfiziert und erhält eine feuchte Behandlung mit Wundauflagen.

Bei der Kausaltherapie geht es darum, den Druck, der das Wundgeschwür hervorruft, zu beseitigen. Das heißt, dass die gefährdeten Körperstellen entlastet werden, indem man den Patienten anders lagert.

Zu diesem Zweck lässt sich ein spezielles Bett oder eine Dekubitus-Matratze verwenden.

Außerdem lagert man den Patienten regelmäßig um, damit es nicht zu erneuten Druckstellen kommt. Leidet der Patient unter Schmerzen, erhält er schmerzstillende Medikamente. Darüber hinaus wird dafür gesorgt, dass er über die Ernährung ausreichend Vitamine, Mineralstoffe und Eiweiß erhält.

Mitunter kann auch eine spezielle Ernährung nötig sein. Außerdem absolviert der Patient mithilfe eines Physiotherapeuten oder Pflegers krankengymnastische Übungen, um die Durchblutung zu fördern.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Dekubitus-Therapie ist die Behandlung von Begleiterkrankungen. Auch auf das psychische Wohlergehen des Patienten sollte geachtet werden.

Handelt es sich um die Dekubitus-Schweregrade I – III, lässt sich das Druckgeschwür in der Regel konservativ behandeln. Liegt jedoch Stadium IV vor, ist eine Operation nicht zu vermeiden. Dabei wird das Geschwür herausgeschnitten. Mitunter sind auch die Entfernung von Knochenteilen oder die Verpflanzung von Haut und Gewebeteilen notwendig.

Prognose

Der Heilungsprozess bei einem Druckgeschwür verläuft oft sehr langsam. So dauert es selbst bei einer optimalen Behandlung meist einige Monate bis zu seiner vollständigen Abheilung. Wichtig ist, die Wunde regelmäßig zu kontrollieren und die Wundbehandlung gegebenenfalls anzupassen.

Außerdem sollte eine gute Zusammenarbeit zwischen Ärzten, Pflegern, Patienten und Angehörigen bestehen.

Vorbeugung

Damit es gar nicht erst zu einem Dekubitalgeschwür kommt, wird empfohlen, einige Vorbeugemaßnahmen bei pflegebedürftigen Menschen zu ergreifen. Dazu gehört vor allem, länger anhaltenden Druck auf eine Körperstelle zu vermeiden, indem man den Patienten so weit wie möglich mobilisiert.

So sollte er nicht nur umgelagert, sondern auch zum Stehen oder Gehen angeregt werden. Lässt sich dies nicht durchführen, ist es wichtig, die Lage des Patienten alle zwei Stunden zu verändern.

Mittlerweile gibt es für die Dekubitusprophylaxe ein spezielles Anti-Dekubitus-System. Dabei wird mittels einer Software die Lage des Patienten erkannt.

Außerdem passt das System über mehrere Luftkammern den Druck an, wenn eine zu hohe Druckbelastung besteht. Weiterhin informiert es den Pfleger über ergänzende Maßnahmen, mit denen sich das Wundliegen vermeiden lässt.

Verschiedene Formen von Hautveränderungen

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Quellenangaben

  • Bildnachweis: Seniorin mit Pflegerin © bilderbox - www.fotolia.de

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