Gedächtnisstörungen - Ursachen und Behandlung

Man unterscheidet unterschiedliche Formen von Gedächtnisstörungen. Die Behandlungsmöglichkeiten variieren je nach Ursache.

Die Entstehung von Gedächtnisstörungen und wie man sie behandeln und lindern kann

Ursachen

Gestresste Menschen vergessen Dinge wesentlich leichter als andere. Auch Personen, die unter chronischem Schlafmangel leiden, neigen zu Gedächtnisstörungen.

Menschen, die sich ungesund ernähren, können dadurch ebenfalls eine Gedächtnisstörung hervorrufen. Auch der Missbrauch von Drogen und Alkohol sowie ein Schädel-Hirn-Trauma nach einem Unfall können zu Störungen im menschlichen Gedächtnis führen.

Viele ältere Menschen klagen darüber, dass sie sich nicht mehr so viele Dinge merken können wie früher. Dies ist jedoch meist ein normaler Alterungsprozess.

Erkrankungen

In einigen Fällen kann jedoch auch eine Erkrankung dahinter stecken, bei der die Leistungsfähigkeit des Gehirns immer weiter abnimmt. Hier bemerken die Angehörigen jedoch zusätzlich auch noch eine Wesensveränderung des Patienten oder auch eine immer schlimmer werdende Orientierungslosigkeit.

Beispiele hierfür sind psychische Krankheiten wie zum Beispiel die Depression. Auch

führen zu Gedächtnisstörungen.

Folgen

Leider haben Gedächtnisstörungen nicht immer eine harmlose Ursache. So können sich dahinter ernsthafte Erkrankungen wie eine Demenz verbergen. Dabei nimmt die Gedächtnisschwäche im Laufe der Zeit immer weiter zu.

Da sich die Betroffenen zusehends weniger an bestimmte Dinge erinnern können, besteht die Gefahr, dass es zu

  • Misstrauen
  • Verdächtigungen oder
  • aggressivem Verhalten

kommt. Bei einer Demenz geht das "Ich" des Patienten schließlich immer mehr verloren. Am Ende steht seine komplette Hilflosigkeit.

Wann zum Arzt?

Nicht bei jedem Gedächtnisproblem ist gleich ein Arztbesuch nötig. So sind in den meisten Fällen Müdigkeit, zu viel Stress, Schlafprobleme oder ein Mangel an Flüssigkeit für die Vergesslichkeit verantwortlich.

Kommen die Gedächtnisstörungen jedoch immer wieder vor, sollten deren Ursachen ermittelt werden. In solchen Fällen wendet man sich am besten zuerst an den Hausarzt oder einen Neurologen. Außerdem werden spezielle Gedächtnissprechstunden angeboten.

Diagnose

Leidet der Betroffene wiederholt unter Gedächtnisstörungen, sollte er zur Abklärung eine ärztliche Untersuchung vornehmen lassen. Dabei befasst sich der Arzt zuerst mit der Krankengeschichte.

Anamnese

Bei Gedächtnisstörungen beginnt die Untersuchung zunächst mit der Befragung des Patienten. Dabei erkundigt sich der Arzt danach,

  • wie lange die Gedächtnisprobleme schon andauern
  • wie oft sie vorkommen und
  • ob die Vergesslichkeit zunimmt.

Außerdem möchte der Mediziner wissen, ob normale Arbeitsvorgänge nicht mehr richtig durchgeführt werden können und ob der Patient Gedächtnisprobleme mit Angelegenheiten hat, die früher keinerlei Problem für ihn darstellten.

Außerdem gilt es, weitere Beschwerden und mögliche Grunderkrankungen abzuklären. Hilfreich können bei der Befragung auch die Angaben von Angehörigen sein.

Verdacht auf Demenz

Liegt Verdacht auf eine Demenz vor, lassen sich neuropsychologische Demenztests durchführen. In deren Verlauf muss der Patient bestimmte Aufgaben erfüllen, was vom Arzt beobachtet wird.

Zu den bekannten Demenztests gehört der so genannte Uhrentest. Dabei muss der Patient auf einem Blatt Papier zwei Uhrzeiger aufzeichnen, von denen eine bestimmte Zeit angezeigt wird, sowie die Ziffern einer Uhr ergänzen. Wer unter Demenz leidet, ist dazu normalerweise nicht in der Lage.

Weitere Untersuchungen

Nächste Schritte sind das Vornehmen einer körperlichen sowie einer neurologischen Untersuchung. Liegen deutliche Symptome einer Demenz vor, können zudem eine Computertomographie (CT) oder eine Magnetresonanztomographie (MRT) erfolgen. Lässt sich dabei eine Schrumpfung des Gehirns feststellen, gilt dies als deutliches Indiz für eine Demenz.

Um Hinweise auf die Funktionen des Gehirns und des Herzens zu erhalten, werden ein EEG (Elektroenzephalogramm) sowie ein EKG (Elektrokardiogramm) durchgeführt. Ebenso überprüft man die Reflexe der Pupillen und der Muskeln sowie den Blutdruck des Patienten.

Als sinnvoll gilt zudem eine Liquordiagnostik, bei der das Nervenwasser untersucht wird. Als weitere mögliche Untersuchungen kommen

in Betracht. Sind psychische Ursachen der Auslöser für die Gedächtnisstörungen, finden psychologische Tests statt.

Behandlung

Tritt die Gedächtnisstörung nur hin und wieder im Alltag auf, kann dies völlig harmlos und unbedenklich sein und muss in diesem Fall auch nicht ärztlich behandelt werden. Wenn sie jedoch ganz plötzlich auftritt, muss zwingend eine ärztliche Behandlung erfolgen, da hier oft eine schwerwiegende Krankheit die Ursache ist.

In diesen Fällen kann eine Operation notwendig werden und/oder eine längere Krankenhausbehandlung. Teilweise kommen die Erinnerungen dann auch wieder zurück.

Kommt die Gedächtnisstörung schleichend einher, muss auch hier ein Arzt aufgesucht werden. Häufig helfen hier Medikamente, eine Verschlimmerung der Gedächtnisstörungen zu vermeiden oder zumindest zu verlangsamen.

Selbsttherapie

Gedächtnistraining

Um Gedächtnisprobleme zu lindern und ihnen weitgehend entgegenzuwirken, empfiehlt es sich, ein Gedächtnistraining zu absolvieren. Auf diese Weise lassen sich die grauen Zellen gut fördern. So steigert man dadurch seine Merkfähigkeit und erinnert sich besser an Personen, Bilder, Begriffe und Zahlen.

Ein Gedächtnistraining gilt sogar für Menschen als hilfreich, die bereits unter Demenz leiden. Dabei ist jedoch eine spezielle Trainingsform nötig, bei der die Patienten Erinnerungen abrufen, die sich in ihrem Langzeitgedächtnis befinden. Bei den Übungen sollten die Patienten Freude und eine Stärkung ihres Selbstbewusstseins erfahren.

Eselsbrücke

Nicht selten kommt es vor, dass man zu Hause ständig nach einem bestimmten Gegenstand sucht, den Einkaufszettel oder die Geheimzahl der EC-Karte vergisst oder einen wichtigen Termin verpasst. Um Gedächtnislücken entgegenzuwirken, raten Mediziner dazu, auf Merkbilder und so genannte Eselsbrücken zurückzugreifen.

Unter einer Eselsbrücke versteht man einen Merkspruch oder Merkreim. Dabei handelt es sich um ein Gedächtnistraining, mit dessen Hilfe sich Fakten leichter einprägen lassen.

Ein solcher Merkspruch beinhaltet zumeist einen ungewöhnlichen Sachverhalt, der das visuelle Gedächtnis nutzt. Bei einem Merkreim wird wiederum das akustische Gedächtnis aktiviert.

Der Begriff "Eselsbrücke" stammt von der Eigenart, dass sich die Grautiere beharrlich weigern, durch Wasser zu gehen, da sie wasserscheu sind. Diese Sturheit besteht selbst dann, wenn es sich nur um einen kleinen Wasserlauf handelt, den der Esel leicht durchqueren könnte.

Um die Esel dennoch dazu zu bringen, eine Furt zu überqueren, baute man ihnen kleine Brücken, die "Eselsbrücken" genannt wurden. So kann eine sprichwörtliche Eselsbrücke als Umweg angesehen werden, der jedoch rascher zum Ziel führt. Ein typischer Merkspruch, der zu den gereimten Eselsbrücken gehört, ist zum Beispiel: "Nie ohne Seife waschen."

Bei einer Eselsbrücke prägt man sich also nicht den eigentlichen Sachverhalt, sondern einen bestimmten Spruch ein. Das Gleiche funktioniert auch mit Bildern, Sinneseindrücken oder Gefühlen.

Merkbilder

Eine Form von Eselsbrücken sind Merkbilder. Bilder haben den Vorteil, dass sie sich leichter vom Gedächtnis speichern lassen als Worte. Merkbilder werden daher auch häufig verwendet, um die richtige Schreibweise von Wörtern zu erlernen, die oftmals miteinander verwechselt werden.

Aber auch für das Merken von Zahlen eignen sich Bilder gut. So kann man jeder einzelnen Zahl ein bestimmtes Bild zuordnen, wie zum Beispiel einen Dreizack für die Ziffer 3. Am nachhaltigsten bleiben Bilder im Gedächtnis, wenn man sie sich selbst ausdenkt.

Weitere Tipps gegen Gedächtnislücken

Neben Eselsbrücken und Merkbildern gibt es noch weitere Möglichkeiten, Gedächtnislücken entgegenzuwirken.

  • So ist es grundsätzlich sinnvoll, sich stets auf eine Sache zu konzentrieren und sich dabei nicht ablenken zu lassen.
  • Außerdem wird empfohlen, wichtige Gegenstände immer am gleichen Platz abzulegen, den man sich genau merkt.
  • Hilfreich ist auch das Aufstellen eines Tagesplans, der Tätigkeiten wie zum Beispiel Einkaufen beinhaltet.
  • Beim Erledigen bestimmter Dinge sollte stets nach deren Wichtigkeit vorgegangen werden. Das heißt, was am wichtigsten ist, wird zuerst gemacht.
  • Als Gedächtnisstütze können auch bestimmte Gegenstände dienen. Hat man beispielsweise einen Zahnarzttermin vor sich, legt man am besten eine Zahnbürste als Erinnerungshilfe auf seinen Nachttisch.
  • Da es häufig durch zuviel Stress zu Gedächtnislücken kommt, ist es ratsam, für genügend Pausen zu sorgen.

Vorbeugung

Gedächtnisstörungen lässt sich am besten durch eine gesunde Lebensweise vorbeugen. So ist es wichtig, sich ausreichend zu bewegen und gesund zu ernähren.

Wer häufig unter Schlafproblemen oder Stress leidet, kann sich mit Entspannungsmethoden wie

mehr Ruhe verschaffen. Um die geistigen Fähigkeiten besser anzuregen, wird empfohlen, in der Freizeit Beschäftigungen nachzugehen, die sich positiv auf den Geist auswirken. Dabei kann es sich zum Beispiel um

handeln. Je mehr unterschiedliche Bereiche des Gehirns man dabei anspricht, desto mehr profitiert das Erinnerungsvermögen davon. Ebenfalls wichtig für ein gutes Gedächtnis sind genügend Schlaf und körperliche Bewegung. Auch ausreichende soziale Kontakte sowie das bewusste Einkaufen ohne Einkaufszettel sind wichtig für die Merkfähigkeit.

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