Mögliche Formen, Anzeichen und Folgen einer Vergewaltigung sowie Tipps zum Verhalten danach

Junge Frau mit Blutergüssen im Gesicht schaut verletzt und wütend in Kamera

Wissenswertes zu unterschiedlichen Motiven und zu möglichen Behandlungsmaßnahmen nach einer Vergewaltigung

Die Vergewaltigung zählt zu den schwersten Formen des sexuellen Missbrauchs. Sie kann gravierende Folgen haben.

Von einer Vergewaltigung ist die Rede, wenn eine Person von einer weiteren Person zu Geschlechtsverkehr oder anderen sexuellen Handlungen genötigt wird. Das Erzwingen der Vergewaltigung erfolgt durch Gewalt sowie einer Bedrohung von Leib und Leben. So ist das Opfer dem Vergewaltiger stets hilflos ausgeliefert.

Häufigkeit von Vergewaltigungen

Wie oft es in Deutschland zu Vergewaltigungen kommt, ist nicht genau bekannt. So wird von einer beträchtlichen Dunkelziffer ausgegangen. Einer Bevölkerungsbefragung zufolge fielen in der Bundesrepublik 8,6 Prozent aller Frauen, die befragt wurden, mindestens einmal im Leben einer Vergewaltigung, einem Versuch oder einer sexuellen Nötigung zum Opfer.

In den USA liegen diese Zahlen sogar zwischen 15 und 25 Prozent. Bei den meisten Opfern handelt es sich um Kinder und Jugendliche.

Viele Fälle von Vergewaltigungen bleiben im Dunkeln und übersteigen die Meldungen von angezeigten Missbräuchen bei weitem. So wird von den Opfern keine Anzeige erstattet, weil:

  • sie sich schämen
  • sie das Trauma nicht noch einmal erleben wollen
  • sie Angst vor dem Täter haben

Nicht selten stammen die Vergewaltiger auch aus dem näheren sozialen Umfeld. Eine Anzeige erfolgt zumeist jedoch nur dann, wenn der Täter dem Opfer nicht bekannt ist. Darüber hinaus herrscht eine große Furcht davor, sozial abgestempelt zu werden.

In den meisten Fällen sind Frauen die Opfer einer Vergewaltigung. Aber auch bei Männern kommt es zu sexuellen Nötigungen. Da diese jedoch noch immer ein Tabuthema sind, wird von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen.

Täter und Opfer

Eine Vergewaltigung kann grundsätzlich jede Frau treffen. Dabei spielen Alter, Aussehen, Kleidung und soziale Herkunft nur eine zweitrangige Rolle. Entscheidend für den Täter ist, dass er sein Opfer leicht bedrängen und überwältigen kann. Einen vollkommenen Schutz gegen Vergewaltigung gibt es nicht.

Ein typisches Merkmal der Täter ist, dass sie ihre Opfer gezielt erniedrigen wollen. Dabei geht es dem Vergewaltiger weniger um lustvollen Sex, als um das Machtgefühl, das er über sein Opfer hat. So kann er dieses kontrollieren und dadurch Macht ausüben. Bei den meisten Tätern ist das Selbstwertgefühl nur gering ausgeprägt.

In der Regel sind die Opfer dem Täter schon vor der Vergewaltigung bekannt. Das heißt, dass etwa zwei Drittel aller Vergewaltiger Menschen sind, die aus dem sozialen Umfeld des Opfers stammen. Dabei kann es sich um

des Opfers handeln. Nach außen hin sind die meisten Vergewaltiger völlig unauffällig. In mehr als 50 Prozent aller Vergewaltigungsfälle findet die Tat entweder in der Wohnung des Täters oder des Opfers statt.

Formen

Vergewaltigungen können in verschiedenen Formen und aus unterschiedlichen Motiven stattfinden. So gibt es:

  • Vergewaltigungen an Frauen
  • Vergewaltigungen an Mädchen
  • Vergewaltigungen an Männern
  • Vergewaltigungen an Jungen
  • Gruppenvergewaltigungen
  • Vergewaltigungen im Krieg
  • Vergewaltigungen als Foltermethode

Vergewaltigungen an Frauen und Mädchen

In etwa 91 Prozent aller Fälle werden Frauen und Mädchen Opfer von Vergewaltigungen. Zu 99 Prozent handelt es sich bei den Tätern um Männer. Bei einem Prozent liegt eine Mitbeteiligung von Frauen vor.

Dabei stammen die Täter fast immer aus dem näheren sozialen Umfeld des Opfers. Lediglich in 15 Prozent aller Fälle in Deutschland handelt es sich um Vergewaltiger, die der Frau unbekannt waren.

Besonders hoch ist der Anteil an vergewaltigten Frauen in Ländern wie Südafrika und Indien. So kommen allein in Südafrika 64.000 Vergewaltigungen pro Jahr zur Anzeige. Die Dunkelziffer liegt jedoch weitaus höher.

In Umfragen wurde von jedem vierten südafrikanischen Mann zugegeben, bereits einmal eine Frau vergewaltigt zu haben. Eine Verurteilung der Täter findet jedoch nur in den seltensten Fällen statt.

Vergewaltigungen an Männern und Jungen

Noch immer als Tabuthema gelten Vergewaltigungen an Männern und Jungen. Doch auf der ganzen Welt werden durchschnittlich 3 Prozent aller Kinder und Erwachsenen vergewaltigt. Die Täter sind zumeist Männer, die älter sind als ihre Opfer.

Gelegentlich werden jedoch auch sexuelle Übergriffe von Frauen auf Männer verzeichnet. Für die männlichen Opfer ist der Leidensdruck durch das Männlichkeitsbild, das in der Gesellschaft besteht, besonders groß. Aus diesem Grund werden die Taten meist verborgen. Nicht selten kommt es auch zu Selbstmorden.

Besonders häufig geschehen Vergewaltigungen an Männern in Strafanstalten. Dort soll eine zwischenmännliche Hierarchie des Dominierens hergestellt werden, in dem man die Opfer, die zumeist schwächer und kleiner sind, auf symbolische Art in "Frauen umwandelt".

Gruppenvergewaltigungen

Unter Gruppenvergewaltigungen versteht man das Vergewaltigen des Opfers durch mehrere Personen. Bei den Tätern handelt es sich in der Regel um jüngere Männer. Die Tat wird von der Gruppe im Vorfeld geplant, sodass gemeinschaftlich ein schweres Verbrechen zustande kommt. Dabei spielt die Dynamik der Gruppe eine entscheidende Rolle.

Die Erniedrigung der Opfer fällt bei einer Gruppenvergewaltigung noch stärker aus, als bei einer einzelnen Vergewaltigung, sodass die psychischen Folgeerscheinungen deutlich stärker ausgeprägt sind. Die Täter genießen das Ohnmachtsgefühl ihres Opfers und empfinden die schändliche Tat als Unterhaltungsform.

Vergewaltigungen im Krieg

Vergewaltigungen im Krieg werden häufig systematisch durchgeführt. Sie geschehen vor allem im Rahmen von ethnischen Säuberungen und in Bürgerkriegen. Nicht selten handelt es sich bei den Vergewaltigungsopfern auch um Kinder.

Seit dem Jahr 2001 gilt Vergewaltigung im Kriegsfall als Verbrechen gegen die Menschlichkeit und schwerer Verstoß gegen die Genfer Konventionen.

Vergewaltigungen als Foltermethode

Vergewaltigungen können auch gezielt als Foltermethode zur Anwendung kommen. Fälle dieser Art sind bereits aus den 70er und 80er Jahren aus Chile und Argentinien bekannt. Darüber hinaus liegen Berichte vor über Vergewaltigungsfolter aus:

  • dem ehemaligen Jugoslawien
  • China
  • Südafrika
  • Bangladesch
  • Kenia
  • Tschad
  • Ruanda
  • der Türkei

Folgen einer Vergewaltigung

Vergewaltigungen haben oftmals erhebliche Auswirkungen auf das Opfer.

  • So kann es zu körperlichen Verletzungen, wie zum Beispiel in der Intimregion, kommen.
  • Außerdem besteht die Gefahr, dass die vergewaltigte Person sich mit einer Geschlechtskrankheit ansteckt.
  • Im schlimmsten Fall droht durch die Vergewaltigung sogar eine Schwangerschaft.
  • Darüber hinaus sind auch zahlreiche psychische Folgeerscheinungen möglich.

Auf welche Weise eine Frau letztlich auf eine Vergewaltigung reagiert, ist individuell unterschiedlich. Während manche Frauen Jahre oder sogar ihr ganzes Leben lang unter dem sexuellen Missbrauch leiden, sind andere dagegen in der Lage, die Tat auch ohne Hilfe zu bewältigen.

Die meisten Opfer tun sich jedoch schwer, wieder zu einem Mann Vertrauen aufzubauen. Andere fühlen sich dagegen schuldig und glauben, eine Mitverantwortung für die Vergewaltigung zu haben.

Unterschiedliche Folgeerscheinungen

Nach einer Vergewaltigung sind zahlreiche unterschiedliche Folgeerscheinungen möglich. Dazu gehören vor allem:

Ebenso ist eine Abhängigkeit von Alkohol, Medikamenten oder Drogen im Bereich des Möglichen.

Außerdem können auch der Partner oder die Kinder des Vergewaltigungsopfers unter der Tat leiden. Mitunter kommt es sogar zur Trennung vom Partner. Manche Opfer ziehen sich zudem von ihren Freunden und Bekannten zurück oder büßen ihre Arbeitsfähigkeit ein.

Erschwerend sind oftmals auch die Reaktionen von Familienmitgliedern oder Freunden, wenn diese mit Unverständnis, Abwehr oder Schuldzuweisungen reagieren.

Nicht selten erleiden die Opfer eine posttraumatische Belastungsstörung. Dabei treten Flashbacks auf, die sie immer wieder an die Vergewaltigung erinnern.

Obwohl die Opfer versuchen, ihr Alltagsleben wieder aufzunehmen, gelingt es ihnen nicht. Schlimmstenfalls können auch Selbstmordgedanken entstehen und die Opfer ihr Leben beenden.

Wichtig bei solchen Folgeerscheinungen ist, dass die Opfer sich professionelle Hilfe suchen. Auf diese Weise lässt sich das Geschehene besser verarbeiten.

Das richtige Verhalten nach einer Vergewaltigung

Die Angst und Scham lähmen die betroffenen Personen oft so sehr, dass sie es nicht schaffen, Hilfe bei der Polizei, bei einem Arzt oder in einem Krankenhaus zu suchen.

Trotz aller Ängste und Schamgefühle ist es nach einer Vergewaltigung überaus wichtig, schnell etwas zu unternehmen. So wird empfohlen, sich möglichst rasch von einem Gynäkologen untersuchen zu lassen. Diese Untersuchung sollte möglichst innerhalb von 24 Stunden nach der Tat erfolgen.

So schwer es der Frau fällt, so darf sie dennoch nach der Tat nicht die Kleidung wechseln oder sich duschen, bevor eine medizinische Untersuchung erfolgt ist. Dieser Punkt ist sehr wichtig zum Sichern von Beweisen.

Ob dann im Anschluss tatsächlich eine Anzeige bei der Polizei vorgenommen wird, kann das Opfer zu einem späteren Zeitpunkt bestimmen.

Untersuchung beim Arzt

Für die gynäkologische Untersuchung empfiehlt es sich, einen Arzt auszuwählen, zu dem man Vertrauen hat. Auch die Begleitung einer Vertrauensperson zur Untersuchung kann hilfreich sein.

Hat man sich dazu entschlossen, einen Frauenarzt oder eine Frauenärztin aufzusuchen, gilt es, auch auf die gesundheitlichen Aspekte zu achten. So besteht zum Beispiel das Risiko, dass es bei der Vergewaltigung zur Übertragung von gefährlichen Geschlechtskrankheiten wie Tripper (Gonorrhoe) oder Syphilis kommt.

  • Solche oder andere Gesundheitsbeeinträchtigungen können nur von einem Arzt festgestellt und entsprechend therapiert werden.
  • Außerdem ist der Gynäkologe in der Lage, wichtige Beweise am Körper zu sichern.
  • Des Weiteren hilft der Frauenarzt dabei, eine begleitende psychische Behandlung einzuleiten und schreibt die betroffene Frau krank, falls dies erforderlich sein sollte.

Um eine mögliche, ungewollte Schwangerschaft nach der Vergewaltigung zu verhindern, ist es wichtig, die sogenannte "Pille danach" einzunehmen. Dieses Präparat verfügt über die Eigenschaft, den Eisprung zu verzögern. Außerdem wird einer Einnistung der befruchteten Eizelle in die Gebärmutter entgegengewirkt.

Psychotherapeutische Behandlung

Im Anschluss an die frauenärztliche Behandlung ist in der Regel auch eine Psychotherapie notwendig. Mit deren Hilfe soll das Opfer die Geschehnisse

  • aufarbeiten
  • bewältigen und
  • sich wieder psychisch stabilisieren.

Welche Verfahren dabei zur Anwendung kommen, richtet sich nach dem jeweiligen Therapeuten sowie dem laufenden Verfahren. Daher ist es wichtig, sich an einen Psychotherapeuten zu wenden, der über ausreichend Erfahrung auf diesem Gebiet verfügt.

Außerdem sollte man darauf achten, die Therapie dokumentieren zu lassen und dafür sorgen, dass die eigene Glaubwürdigkeit nicht durch die Behandlung in Mitleidenschaft gezogen wird. Wer einen Partner hat, kann diesen zu einem späteren Zeitpunkt auch in die Psychotherapie einbeziehen.

Vergewaltigung anzeigen

Grundsätzlich kann das Opfer einer Vergewaltigung nicht dazu gezwungen werden, eine Anzeige gegen den Täter zu erstatten. Entscheidet sich die betroffene Frau jedoch für eine Anzeige bei der Polizei, wird die Staatsanwaltschaft aktiv. Dies gilt auch dann, wenn das Opfer seine Meinung später wieder ändert und keine Strafverfolgung wünscht.

Eine Anzeige wegen Vergewaltigung lässt sich also nicht mehr zurückziehen.

Da es sich bei den meisten Vergewaltigern jedoch um Wiederholungstäter handelt, ist eine Strafverfolgung durchaus zu empfehlen, damit ihnen nicht noch mehr Frauen zum Opfer fallen. Sinnvoll kann auch eine Beratung durch einen Rechtsanwalt sein.

Dieser informiert u.a. über die Verjährungsfrist, die in Deutschland 20 Jahre beträgt. Im Rahmen des Opferentschädigungsgesetzes sind zudem unterschiedliche Versorgungsleistungen möglich.

Vorsichtsmaßnahmen

Verhindern lässt sich eine Vergewaltigung auch durch Schutzmaßnahmen leider nicht immer. Dennoch ist es ratsam, stets selbstbewusst aufzutreten. Auf diese Weise macht man einem möglichen Täter klar, dass ein Angriff nicht so einfach ist.

Setzt sich das Opfer außerdem heftig zur Wehr, schrecken bis zu 80 Prozent aller Vergewaltiger vor einem weiteren Vorgehen zurück. Dabei kann ruhig auch laut um Hilfe gerufen werden.

Wichtig ist außerdem, Risikosituationen aus dem Wege zu gehen. Fühlt man sich zum Beispiel in der Gegenwart einer bestimmten Person unwohl, empfiehlt es sich, die betreffende Stelle zu verlassen und ein spontanes und ruhig lautes Telefonat per Handy (etwa mit dem Freund oder einer Freundin) zu beginnen, da ein Vergewaltiger nur selten angreift, wenn Zeugen anwesend sind.

Grundinformationen und Hinweise zur Vergewaltigung

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Quellenangaben

  • Bildnachweis: harte frau © Lisa Vanovitch - www.fotolia.de

Autor:

Paradisi-Redaktion - Artikel vom (zuletzt überarbeitet am )

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