Wie das Alter unsere Sexualität beeinflusst

Älteres Ehepaar an Bergsee mit Sonnenschein und grüner Wiese, die Arme umeinander gelegt

Mögliche Vorteile und Nachteile von Sex im hohen Alter

Auch ältere Menschen haben Sex. Allerdings wird die Sexualität im Alter von verschiedenen Faktoren beeinflusst.

Sex im Alter als Tabuthema?

Nach wie vor zählt Sexualität im Alter zu den Tabuthemen in der Gesellschaft.

Altersgrenzen gibt es nicht

Fakt ist jedoch, dass die Mehrheit aller älteren Frauen und Männer über 60 Jahren nach wie vor regelmäßig Geschlechtsverkehr hat. Allerdings wird über dieses Thema kaum geredet, da der Sex im Alter anders und weniger spektakulär abläuft als in der Jugend.

Eine Altersgrenze für ein befriedigendes Sexualleben gibt es also nicht.

Sexualität wird komplizierter - aber auch erfüllender

Mit zunehmendem Alter kommt es zu einer Veränderung des Sexuallebens. So wird der Geschlechtsverkehr nicht mehr so häufig ausgeübt wie in jüngeren Jahren. Dafür nimmt das Bedürfnis nach Zärtlichkeit zu.

Wie befriedigend das Sexualleben letztlich empfunden wird, ist auch eine individuelle Frage, die allerdings nicht nur vom Alter abhängt. Hat man bereits als junger Mensch wenig Interesse an Geschlechtsverkehr, ändert sich dies im Alter nicht mehr.

Einfacher wird die Sexualität im Alter jedenfalls nicht, da sie durch verschiedene Faktoren beeinflusst werden kann. Dazu gehören neben den körperlichen Veränderungen - zu denen es im Alter zwangsläufig kommt - auch:

  • Beeinträchtigungen durch die Gesellschaft
  • Krankheiten
  • Medikamente
  • Lebensgewohnheiten

Inwieweit diese Faktoren die Sexualität im Alter beeinflussen kann, lesen Sie im Folgenden.

Beeinträchtigung durch die Gesellschaft

Da die heutige Gesellschaft stark von Jugend und körperlicher Ästhetik geprägt ist, tut man sich mit Sexualität im Alter schwer. So herrscht eher ein Bild von Asexualität vor, da man älteren Menschen Lust und Leidenschaft weitgehend abspricht.

Besonders ältere Frauen sind betroffen

Vor allem sexuell aktive Frauen jenseits der Wechseljahre passen nicht in die gesellschaftlichen Moralvorstellungen. Toleriert werden dagegen ältere Männer, die allgemein aktiv sind, und sogar im hohen Alter noch Kinder mit jüngeren Frauen zeugen.

Ein Problem ist die gesellschaftliche Haltung vor allem für ältere Frauen, die verwitwet sind oder keinen Partner mehr haben.

  • Während bei etwa 50 Prozent aller über 80-jährigen Männer noch eine Partnerschaft besteht,
  • ist dies bei Frauen in diesem Alter nur bei jeder Zehnten der Fall.
Auswirkungen der Erziehung

Eine Rolle dabei spielt auch die Erziehung dieser Frauen.

  • So besitzen sie wegen ihrer Moralvorstellungen oft nicht den erforderlichen Mut, noch einmal eine Partnerschaft oder sexuelle Kontakte einzugehen.
  • Oftmals wird auch Rücksicht auf die Kinder genommen, da man familiäre Probleme befürchtet.
  • Viele Frauen finden sich im Alter aber auch körperlich nicht mehr attraktiv genug, da sie nicht mehr den vorherrschenden Schönheitsidealen entsprechen.

Es wird jedoch vermutet, dass kommende Generationen in Zukunft anders mit dieser Thematik umgehen, da sie sexuell freizügiger aufgewachsen sind.

Beeinträchtigung durch körperliche Veränderungen

Mit zunehmendem Alter machen sich immer mehr körperliche Veränderungen bemerkbar. So reagieren Gelenke und Knochen empfindlicher auf Belastungen. Auch Haut und Haare sowie die inneren Organe verändern sich.

Veränderungen bei der Frau

Vor allem bei Frauen kommt es durch die Wechseljahre zu einem bedeutenden Einschnitt hinsichtlich der Sexualität, da sie nach der Menopause auf natürliche Weise keine Kinder mehr bekommen können.

Außerdem wird der Östrogenspiegel im Blut abgesenkt, was zur Folge hat, dass die weibliche Scheide an Elastizität verliert und weniger feucht wird.

Deshalb können beim Geschlechtsverkehr mitunter

auftreten.

Veränderungen beim Mann

Aber auch das männliche Geschlecht hat mit Veränderungen zu kämpfen, da bei ihnen mit zunehmendem Alter der Testosteronspiegel sinkt. Da auch das Gewebe des Penis weniger elastisch ist, dauert es etwas länger, bis sich Erektionen entwickeln.

  • Das bedeutet, dass mehr körperliche Stimulation erforderlich ist, um eine Erektion auszulösen.
  • Darüber hinaus erreicht der Penis nicht mehr die Steife wie in früheren Jahren.
  • Das Absinken des Testosteronspiegels hat jedoch auch zur Folge, dass die Libido weniger ausgeprägt ist.

Bei diesen Veränderungen handelt es sich jedoch nicht um Erkrankungen, sondern um gewöhnliche Alterserscheinungen. In manchen Fällen lässt sich ihnen mit bestimmten Medikamenten entgegenwirken.

Nach wie vor unverändert bleibt jedoch die Orgasmusfähigkeit.

Beeinträchtigung durch Krankheiten

Zu den größten Störfaktoren für Sex im Alter gehören körperliche Erkrankungen und chronische Schmerzen. Doch auch Erektionsstörungen sind häufige Lustkiller.

Erektionsstörungen

Da der Körper im Alter anfälliger für Krankheiten wird, hat dies auch negative Auswirkungen auf die Sexualität. Besonders Erektionsstörungen und Impotenz machen älteren Männern zu schaffen.

Nicht immer ist eine erektile Dysfunktion altersbedingt. Häufig ist sie eine Folge von hohem Nikotinkonsum oder Krankheiten wie Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) oder Arteriosklerose (Arterienverkalkung).

Knochen- und Gelenkbeschwerden sowie Operationen

Aber auch

können die Sexualität beeinträchtigen. Während ältere Männer häufig an der Prostata (Vorsteherdrüse) oder am Darm operiert werden, ist dies bei Frauen oft an der Gebärmutter der Fall.

Inkontinenz

Ebenfalls ein großes Problem im Alter kann Inkontinenz sein. So haben zahlreiche ältere Männer und Frauen mit Harn- oder Stuhlinkontinenz zu kämpfen.

Zwar werden dadurch die sexuellen Funktionen nicht unmittelbar beeinträchtigt, doch das Schamempfinden ist bei den meisten Betroffenen so groß, dass sie lieber auf sexuelle Aktivitäten verzichten.

Psychische Probleme

Auch psychische Probleme können sich auf das Sexualleben im Alter auswirken, da depressive Verstimmungen in diesem Lebensabschnitt keine Seltenheit sind.

Allerdings nimmt das Interesse an der Sexualität meist wieder zu, wenn sich die Depression bessert.

Beeinträchtigung durch Medikamente und Lebensgewohnheiten

Da im Alter oft verschiedene Medikamente eingenommen werden müssen, kann darunter das Sexualleben leiden. Manchmal wirken sich auch die täglichen Lebensgewohnheiten negativ auf die Libido aus.

Lustkiller Medikamente

Da es gerade im Alter besonders häufig zu chronischen Krankheiten kommt, ist deswegen oft die dauerhafte Einnahme von bestimmten Arzneimitteln notwendig. Bei zahlreichen Medikamenten besteht jedoch die Gefahr, dass sie das Lustgefühl oder die Erektionsfähigkeit herabsetzen.

Vor allem blutdrucksenkende Mittel und Psychopharmaka haben negative Auswirkungen auf die sexuelle Aktivität.

Gegenmaßnahmen

In manchen Fällen reicht es aus, ein anderes Medikament einzunehmen, um die Libido wieder anzuregen. Für eine Medikamentenumstellung sollte man sich an seinen behandelnden Arzt wenden.

Lustkiller ungesunde Lebensweise

Ebenfalls negative Auswirkungen auf das Sexualleben können die Lebensgewohnheiten eines Menschen haben, deren Folgen sich oftmals erst im Alter zeigen.

Dazu gehören vor allem:

Bei Männern wirken sich diese Faktoren oft negativ auf die Potenz aus.

Das sexuelle Verhalten an die altersbedingten Veränderungen anpassen

Wichtig ist, dass man das sexuelle Verhalten an die Veränderungen, die das Alter mit sich bringt, anpasst. Dazu gehört beispielsweise das Ausprobieren von bequemeren Stellungen.

  • Für viele ältere Menschen wird der Austausch von Zärtlichkeiten sogar wichtiger als der Sex selbst.
  • Manche Senioren empfinden das Sexualleben im Alter sogar als angenehmer, da nicht mehr der große Leistungsdruck aus jüngeren Jahren besteht.
  • Außerdem lassen sich viele Krankheiten, die die Sexualität beeinträchtigen, heutzutage oft erfolgreich behandeln.

So kann Sex im Alter also durchaus erfüllend und bereichernd sein.

Grundinformationen und Hinweise zum Sexualleben

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  • Bildnachweis: attractive married mature couple enjoying the sunset. © Patrizia Tilly - www.fotolia.de

Autor:

Paradisi-Redaktion - Artikel vom (zuletzt überarbeitet am )

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