2. November 2011
Für intersexuelle Menschen ist das Leben nicht einfach. So pendeln sie ständig zwischen zwei Geschlechtern.
Bei Intersexuellen handelt es sich um Menschen, die über Merkmale von beiden Geschlechtern verfügen. In Deutschland gibt es schätzungsweise 100.000 Menschen, die man keinem eindeutigen Geschlecht zuordnen kann. Mediziner beschreiben Intersexualität als physischen Zustand, bei dem sich das Geschlecht weder der weiblichen noch der männlichen Kategorie eindeutig zuordnen lässt. So sind die Betroffenen mit Geschlechtsmerkmalen ausgestattet, über die sonst entweder nur Frauen oder Männer verfügen. Pro Jahr kommen etwa 300 bis 400 intersexuelle Kinder in Deutschland zur Welt.
Intersexualität gehört zu den Tabuthemen der Gesellschaft. Für die Betroffenen sind ganz alltägliche Dinge des Lebens wie zum Beispiel das Umkleiden nach sportlichen Aktivitäten, bestimmte Freizeitgestaltungen oder Arztbesuche oft mit Peinlichkeiten und Schamgefühlen verbunden. So passen Intersexuelle nicht in das gängige Gesellschaftsschema von Mann und Frau. Das herkömmliche Ordnungsmuster wird für sie zu einem großen Problem. Etwa zwei Drittel aller Intersexuellen haben mit starken psychischen Belastungen zu kämpfen. So ist die Gefahr an einer Depression zu erkranken, bei Intersexuellen erheblich höher als bei anderen Menschen. Die Betroffenen leiden häufig unter Scham, persönlicher Unsicherheit und sozialer Isolierung. Viele setzen sich oft langwierigen Hormonbehandlungen oder schmerzhaften chirurgischen Eingriffen aus. Der Wunsch nach einem erfüllten Sexualleben bleibt meist unerfüllt.
Um den Kindern solche Probleme zu ersparen, wird den betroffenen Eltern von Medizinern meist empfohlen, operative Eingriffe zur Geschlechtsangleichung durchführen zu lassen, die jedoch schmerzhafte Nebenwirkungen haben können. Zahlreiche intersexuelle Erwachsene und Selbsthilfegruppen sind jedoch gegen operative Geschlechtsangleichungen bei Kindern, da sie traumatische Folgen dadurch befürchten. So sei es besser, abzuwarten, bis das Kind selbst einen solchen Eingriff wünscht. Die Behandlungskonzepte bei Intersexualität haben sich allerdings gegenüber früheren Jahren deutlich verbessert. Doch nicht alle Intersexuellen sind später auch zufrieden mit dem Geschlecht, das sie bei der Behandlung erhalten haben. In manchen Fällen bleiben die Geschlechtsmerkmale auch zunächst unauffällig und prägen sich erst in der Pubertät aus.
Neben den psychischen und physischen Belastungen haben es intersexuelle Menschen auch mit juristischen Problemen zu tun, da man sie in Deutschland als eigenständiges Geschlecht nicht anerkennt. Eine Situation, die von Menschenrechtlern und einigen Juristen kritisiert wird.
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Von dem Autor Claus Overzier das Fachbuch Die Intersexualität aus dem Jahr 1961.
