26. Juni 2009
Von Andreas Hadel
Dass das Essverhalten einer werdenden Mutter einen direkten Einfluss auf das heranwachsende Leben hat, ist ein in sich schlüssiger Gedankengang. Dabei sind die Auswirkungen jedoch weitaus größer und weitreichender, als bisher angenommen. Eine Wissenschaftlergruppe des Liggins-Institut der neuseeländischen Auckland-Universität stellte in dieser Beziehung auf dem 90. Treffen der Gesellschaft für Endokrinologie in San Francisco überraschende Forschungsergebnisse vor.

Die Forscher fütterten schwangere Ratten zum einen gemäß einer durchschnittlichen Diät und zum anderen gemäß einer stark fetthaltigen Diät. Die getrennte Fütterung wurde auch während der Stillperiode fortgesetzt. Die Nachkommen dieser beiden Rattengruppen wurden ebenfalls entweder auf eine normale oder eine fettreiche Diät gesetzt.
Jene Ratten, deren Mütter vorwiegend fettreiches Futter erhielten, erreichten die Pubertät deutlich früher, als Ratten, deren Mütter eine gesunde Diät bekamen. Dabei hatte die eigene Nahrungsaufnahme der Jungtiere keinen wesentlichen Effekt.
Ein frühes Einsetzen der Pubertät wird in der modernen Medizin mit einem größeren Risiko an Fettsucht, Insulinunempfindlichkeit, Diabetes, Depressionen und Brustkrebs zu erkranken in Verbindung gebracht.
Interessanterweise hatte die Ernährung jener Jungtiere, deren Mütter eine gesunde Diät erhielten, einen Effekt auf das Einsetzen der Pubertät. Dh. erhielten diese Ratten eine fettreiche Kost, war erwartungsgemäß eine frühe Geschlechtsreife zu beobachten. Bekam diese Generation jedoch eine normale Kost, setzte die Pubertät in dem gewohnten Durchschnittsalter ein. Bei den Nachkommen jener Muttertiere, die sich fettreich ernährten, war der Einfluss der eigenen Ernährung erstaunlich gering. Egal ob sie auf eine fettreiche oder fettarme Diät gesetzt wurden. Die Jungtiere erreichten die Pubertät in beiden Fällen überdurchschnittlich früh.
Neben dem früheren Einsetzen der Geschlechtsreife stellten die Forscher bei den Nachkommen der High-Fat-Ratten auch ungewöhnliche Werte bei den Sexualhormonen und höhere Körperfettwerte fest.
Ähnliche Beobachtungen konnten bereits auch bei Studien geführt werden, an denen menschliche Probanden teilgenommen haben, wenngleich nicht in der Deutlichkeit.
Dennoch scheint vieles darauf hinzudeuten, dass die Ernährung einer Schwangeren eine weitaus größere Auswirkung auf die Entwicklung des Kindes hat, als bisher angenommen. Um dem Nachwuchs ein möglichst gesundes Leben zu ermöglichen, sollte dafür bereits während der Schwangerschaft Verantwortung übernommen werden. Neben eines aktiven Lebensstils, der dem Verlauf der Schwangerschaft angepasst werden sollte, sollten die Monate des Austragens des Kindes willens nicht unbedingt als Entschuldigung dienen, um Essgelüste hemmungslos zu befriedigen.
Gelegentliche Schlemmereien sind durchaus vertretbar und angesichts der hohen Belastung, die eine Schwangerschaft darstellt, durchaus angebracht. Dennoch sollten sie eher die Ausnahme bilden.
Bisher blieb die Wissenschaft die Antwort schuldig, ob eine fettreiche Ernährung, die hauptsächlich aus gesunden ungesättigten Fettsäuren und Omega-3-Fettsäuren ebenfalls schädlich ist oder ob die Beobachtungen nur für Ernährungsweisen zutreffen, bei denen vornehmlich gesättigte Fettsäuren und Transfette zu sich genommen werden.
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