Die Nachgeburtsperiode - Funktion, Ablauf und gängige Handgriffe bei der Nachgeburt

Neugeborenes schreit, Nabelschnur

Informationen zur Wirkung verschiedener Hormone und dem Ablauf der letzten Geburtsphase samt wichtiger Nachgeburt-Handgriffe

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  • von Paradisi-Redaktion

Als Nachgeburt bezeichnet man den Vorgang, wenn die Plazenta nach einer Geburt ausgeschieden wird. Hebammen wenden dazu verschiedene Griffe an.

Nachgeburt: Definition

Den Zeitraum von Geburt des Kindes bis zur Ausstoßung des Mutterkuchens nennt man Nachgeburtsperiode. Erst wenn auch die Plazenta geboren wurde, ist die Geburt beendet.

Die Plazenta löst sich normalerweise etwa zwanzig bis dreißig Minuten, nachdem das Baby geboren wurde, von alleine. Ist dies jedoch nicht der Fall, muss nachgeholfen werden.

Ablauf

Die Lösung der Plazenta von der Gebärmutter verläuft folgendermaßen: Ist das Kind geboren, kommt es bald zu weiteren Gebärmutterkontraktionen. Dadurch verdickt sich die Wand, während sich ihre Innenfläche verkleinert - dies bewirkt eine Verschiebung des Punktes, an dem die Plazenta an der Gebärmutter anheftet; auf diese Weise kann sie sich mittig lösen.

Dadurch reißen kleine Gefäße zwischen Plazenta und Gebärmutter ab. Es kommt zur Blutansammlung und einem Hämatom, welches größer wird. Dessen Druck, weitere Gebärmutterkontraktionen sowie der Zug der Plazenta durch Tiefertreten können diese kokmplett von der Haftstelle lösen und zu deren Geburt führen.

Dieser Vorgang wird als zentrale Lösung nach Schultze bezeichnet. Er gilt als häufigste Form und hat den Vorteil, dass nur wenig Blut verloren wird.

Beginnt die Lösung am unteren Plazentarand und wird sie nach oben hin fortgeführt, spricht man von der Plazentalösung nach Duncan. In diesem Fall erfolgt zunächst die Geburt des unteren Plazentarands.

Die Dauer der Nachgeburt beläuft sich auf wenige bis 30 Minuten. Auch eine Lösungszeit von bis zu einer Stunde wird als normal angesehen, solange es keine stärkere Blutung gibt. Durch Hormongabe verkürzt man die Dauer.

Nach der Geburt des Babys muss die Platzenta noch ausgeschieden werden
Nach der Geburt des Babys muss die Platzenta noch ausgeschieden werden

Die Wirkung verschiedener Hormone

Oxytocin

Hierfür wird zur Unterstützung oft Oxytocin gegeben. Oxytocin ist ein Hormon, welches aus der Hirnanhangdrüse stammt. Während der Entbindung wird es durch die Wehen ausgeschüttet.

Auch das Saugen des Säuglings an der mütterlichen Brust führt dazu, dass Oxytocin ausgeschüttet wird. Die Gebärmutter (Uterus) zieht sich zusammen und dadurch löst sich der Mutterkuchen von der Gebärmutterwand.

Prostaglandinen

Die Kontraktionen entstehen durch Ausschüttung von Prostaglandinen. Gleichzeitig schließen sich die Gefäße, so dass die Blutung zum Stoppen kommt. Nach etwa fünf bis zwanzig Minuten lässt sich der Mutterkuchen durch vorsichtiges Ziehen an der Nabelschnur aus der Gebärmutter entfernen.

Angewandte Handgriffe

Löst sich die Plazenta nicht von selbst oder hat die junge Mutter während der Geburt sehr viel Blut verloren, so muss die Hebamme (Geburtshelfer) mit bestimmten Handgriffen bei der Plazentaablösung nachhelfen, da sonst ein operativer Eingriff notwendig wäre. Bei dieser Operation wird die Nachgeburt dann vom Arzt entfernt und eine Ausschabung vorgenommen.

Die Hebamme oder der Arzt untersucht den Mutterkuchen auf seine Vollständigkeit. Wenn Zotten oder Eihäute fehlen, muss mit Instrumenten nachgetastet werden.

Baer'sche Handgriff

Bevor sich die Nachgeburt löst, hat die frischgebackene Mutter erneut eine Wehe. Mit dem so genannten "Baer'schen Handgriff" massiert die Hebamme die Gebärmutter der Frau von außen.

Sobald eine Nachgeburtswehe auftritt, schiebt die Hebamme die Plazenta nach unten, indem sie den Bauch der Mutter etwas nach unten "zusammenschiebt". Wenn die Mutter mitpresst wie bei der eigentlichen Geburt, so kann die Plazenta schneller ausgeschieden werden. Dieser Handgriff wird von den Geburtshelfern am häufigsten angewendet.

Cord traction

Nach einer schweren Geburt hat die Mutter viel Blut verloren und leidet vielleicht auch unter einer Anämie. Dies können Gründe dafür sein, den Handgriff mit dem Namen "Cord traction" anzuwenden.

Mit diesem Handgriff wird die Plazenta am schnellsten ausgeschieden. Auch hier drückt die Hebamme bei einer Wehe von außen auf die Bauchdecke der Mutter.

Zeitgleich zieht sie jedoch von unten an der Nabelschnur, die zwischenzeitlich vom Baby getrennt wurde. Die Gefahr dieses Handgriffes ist jedoch, dass sich die Plazenta nicht komplett löst und anschließend ein kurzer chirurgischer Eingriff (Ausschabung) notwendig ist.

Credé-Handgriff

Wenn die Geburtshelfer den "Credé-Handgriff" anwenden, umfassen sie über die Bauchdecke die Gebärmutter. Zeigefinger, Mittelfinger, Ringfinger und der kleine Finger von Hebamme oder Gynäkologen werden hinter die Gebärmutter geschoben, der Daumen liegt auf der Gebärmutter. Sobald eine Nachgeburtswehe kommt, wird die Plazenta gelöst, so dass sie ausgeschieden werden kann.

Plazentalösungszeichen

Es dürfen keine Reste in der Gebärmutter verbleiben; dies könnte unter Umständen zu starken Blutungen, Wucherungen oder Infektionen führen. Wenn der Mutterkuchen geboren ist, sind die Geburtsphasen abgeschlossen und die Geburt ist beendet. Um sichergehen zu können, dass sich die Plazenta vollständig von der Haftstelle gelöst hat, achtet man auf bestimmte Plazentalösungszeichen.

  • Als sicherstes Zeichen gilt das Lösungszeichen nach Schröder: die Gebärmutter ist hart und kantig an der Seite über dem Nabel zu sehen bzw. zu fühlen. Ungelöst hingegen würde sie sich mäßig fest und breit unter dem Nabel zeigen.

  • Ebenfalls zu den Zeichen gehört die Afterbürde: es kommt zu einem Druck auf den Enddarm, der durch das Heruntersinken der Plazenta in den Vaginabereich entsteht.

  • Das Lösungszeichen nach Ahlfeld beschreibt das Vorrücken der Nabelschnur. Die Nabelschnur rückt nach der Entbindung des Babys mindestens 10 Zentimeter vor.

  • Das Lösungszeichen nach Küstner gehört nicht zu den Standartzeichen, da die Gebärmutter nicht berührt werden sollte, solange sich die Plazenta noch nicht gelöst hat: Liegt eine Lösung vor, wird die Nabelschnur nicht bewegt, wenn man mit den Fingerspitzen oberhalb des Schambeins einen leichten Druck nach unten ausübt.

  • Lösungszeichen nach Strassmann: Auch dieses ist nicht als Standard geeignet - man hält die Nabelschnur locker in der Hand. Klopft man im oberen Gebärmutterbereich leicht an, schwingt die Nabelschnur nicht mit, wenn sie gelöst ist.

  • Das Lösungszeichen nach Klein besagt, dass die Nabelschnur beim Pressen nach vorne rückt und liegen bleibt, wenn eine Lösung vorliegt; anderenfalls zieht sie sich in die Vagina zurück.

  • Des Weiteren kommt es zur Erschlaffung der Nabelschnurgefäße, wenn die Plazenta gelöst ist.

Auswirkungen für die Mutter

Die meisten Frauen empfinden diese letzte Phase als sehr unangenehm. Nach den Schmerzen der Geburt möchten sie nur noch ihre Ruhe und ihr Baby kennen lernen, vor allen Dingen aber keine weiteren Schmerzen ertragen.

Die Nachgeburtsperiode verursacht aber noch einmal wehenartige Schmerzen, wenn auch leichter als die vorausgegangenen Wehen. Nach der Nachgeburtsperiode ist es dann endlich geschafft; unter Umständen muss noch ein Dammschnitt oder Dammriss genäht und versorgt werden.

Ab jetzt nennt man die Frau Wöchnerin. Dann dürfen sich Mutter und Kind in Ruhe kennen lernen. Jetzt können schon die ersten Stillversuche stattfinden, wenn die Mutter dies möchte.

Die Frau ist jetzt im so genannten Wochenbett, denn mit der Geburt des Mutterkuchens gehen Hormonumstellungen einher, die bewirken, dass die Milchbildung in Gang gesetzt wird.

Grundinformationen und Hinweise zur Nachgeburt

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Quellenangaben

  • Bildnachweis: newborn child © Torsten Lorenz - www.fotolia.de
  • Bildnachweis: Baby girl few minutes after the birth © Halfpoint - www.fotolia.de

Autor:

Paradisi-Redaktion - Artikel vom (zuletzt überarbeitet am )

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