23. Juni 2010
Bei dem Kindbettfieber handelt es sich um eine bakterielle Infektion. Man nennt sie auch Wochenbett- oder Pueperalfieber. Betroffen sind Mütter nach der Entbindung ihres Kindes. Gefährlich sind die Fremdkeime aus der Umgebung.
Früher war das Kindbettfieber sehr häufig und verursachte die hohe Müttersterblichkeit. Das Kindbettfieber war schon in der Antike bekannt, erst als Frauen in Krankenhäusern ihre Kinder zur Welt brachten, breitete es sich aus. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts nahm es epidemische Ausmaße an. Ebenfalls im 19. Jahrhundert erkannte der Arzt Ignaz Semmelweis die schlechten hygienischen Bedingungen. Die mangelnde Sauberkeit und Desinfektion, vor allen Dingen in Krankenhäusern, verursachte die Erkrankung. Hauptsächlich die ungewaschenen Hände der Ärzte, die auch mit Leichen in Berührung kamen, sorgten für die Übertragung von Erregern. Es hat lange gedauert, bis sich die Erkenntnis von Ignaz Semmelweis durchgesetzt hat und auf Hygiene geachtet wurde. Heutzutage sind die hygienischen Bedingungen sehr gut und deshalb hat sich die Häufigkeit des Kindbettfiebers deutlich gesenkt. Für die Infektion können die unterschiedlichsten Erreger verantwortlich sein, wie Streptokokken, Staphylokokken, Pneumokokken oder Escherichia coli. Die Bakterien dringen zunächst in die Umgebung der Gebärmutter ein. Normalerweise werden sie durch den Wochenfluss ausgeschwemmt, ist dieser zu schwach, kann dies ein Kindbettfieber begünstigen. Die Wunde der Gebärmutter, welche durch die Ablösung der Plazenta entstanden ist, bildet einen idealen Nährboden für die Erreger. Da der Muttermund noch weit geöffnet ist, können sie einfach von der Scheide zur Gebärmutter aufsteigen.
Bei Fieber während oder nach der Entbindung und anderen Auffälligkeiten, die auf Kindbettfieber hindeuten, empfiehlt sich eine Antibiotika Prophylaxe. Wird eine Gebärmutterinfektion nicht rechtzeitig behandelt, dann gelangen im schlimmsten Fall, die Bakterien in die Blutbahn und so können sich die Erreger, unter ungünstigen Umständen, im gesamten Organismus verbreiten. Wichtig sind die optimalen hygienischen Bedingungen, heutzutage kommt es bei aseptischer Entbindung, bis auf wenige Fälle von Autoinfektion, nur noch sehr selten zu Kindbettfieber. Durch Antibiotika hat das Kindbettfieber seinen Schrecken verloren, die Behandlung wird durch Schmerzmittel ergänzt. Zusätzlich werden Medikamente gegeben, welche die Rückbildung der Gebärmutter fördern. Rechtzeitig erkannt und behandelt sind die Prognosen gut und das Kindbettfieber heilt binnen weniger Wochen.
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Von Wolfgang Tschirk das Buch Tödliche Wahrheit. Roman um Ignaz Semmelweis, der das Kindbettfieber besiegte.