19. Mai 2010
Von Andreas Hadel
Menschen, die sich um Herzattacken Sorgen machen müssen, bekommen häufig Ratschläge zu hören, die sich auf ihr Essverhalten beziehen: weniger Fett und dafür mehr Obst und Gemüse. Neuere Forschungsergebnisse deuten jedoch daraufhin, dass der Genuss von Reis eine einfache und äußerst effektive Ernährungsänderung ist, die Ihrem Herzen zu Gute kommt.
Man kann sich nur schwer vorstellen, dass man eine gute Begründung finden muss, um jemanden für Reis zu begeistern. Immerhin ist er gerade in den Ländern, wo viele Menschen bis ins hohe Alter bemerkenswert gesund sind, die Hauptkomponente fast jeder Mahlzeit. Aber japanische Forscher sagen, dass Reis in den letzten Jahren an Popularität verloren hat und immer häufiger gegen westliche Kohlenhydratquellen ausgetauscht wird. Heute soll die japanische Bevölkerung rund fünfzig Prozent weniger Reis konsumieren, als sie es vor 50 Jahren getan hat. Und dieser Trend hat japanische Forscher dazu bewegt, das weiße Korn einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Sie wollten die Annahme überprüfen, ob die traditionelle Ernährung, die hauptsächlich aus Fisch und Reis besteht, tatsächlich gesünder ist, als ein westlich geprägtes Essverhalten.
Bisherige Forschungsarbeiten haben die positiven Effekte, die Fisch auf das Herz haben kann, ausführlich untersucht. Aber es gibt nur wenige Studien, die die Eigenschaften von Reis in dieser Hinsicht betrachtet haben. Es ist bekannt, dass Reis relativ hohe Mengen an Ballaststoffen hat und auch einige Vitamine auf den Teller bringt. Die japanischen Forscher an der Tempel-Universität in Tokio vermuteten jedoch, dass es noch mehr am Reis zu entdecken gäbe.
Und wie sich herausstellte, lagen sie völlig richtig. Sie entdeckten im Reis eine Komponente, die die Gefahr von Herzattacken verringern kann.
Aus den Forschungsergebnissen der Wissenschaftler geht hervor, dass Reis die Ausschüttung von Angiotensin II hemmt. Dieses Hormon verengt Blutgefäße und lässt überschüssiges Natrium in den Blutbahnen. Beides begünstigt die Entstehung von Herz- und Gefäßkrankheiten wie Bluthochdruck und verhärtete Arterien.
Es gibt eine Reihe von Medikamenten am Markt, die das Hormon Angiotensin II blockieren. Die Studie habe laut der Forscher jedoch gezeigt, dass man durch den Genuss von Reis den gleichen Effekt erzielen kann.
Es ist jedoch nicht jeder Reis in dieser Hinsicht gleich gut. Gerade brauner Reis, der häufig wegen seiner Ballaststoffdichte gelobt wird, schneidet hier besonders schlecht ab. Brauner Reis kann nur bedingt von unserem Organismus verdaut werden, daher können wir auch nur einen Bruchteil der Nährstoffe absorbieren, die eine Angiotensin-hemmende Wirkung haben. Das Problem ist, dass die Angiotensin-hemmenden Wirkstoffe genau eine Schicht unter der braunen Schale liegen. D.h. bei weißen Reis ist diese Schicht in der Regel gar nicht mehr vorhanden. Die Forscher raten daher, eher halbpolierten Reis zu essen. Dieser ist gut zu verdauen und enthält auf Grund der schonenden Verarbeitung noch eine vergleichsweise hohe Menge der Nährstoffe. Halbpolierter Reis wird häufig unter der Bezeichnung "Haigamai" verkauft und ist in der Regel in Asia-Läden zu bekommen.
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