Bio als neuer Lifestyle-Trend - von der Entstehung der ersten Bioläden bis zur heutigen Entwicklung

In der heutigen Zeit gibt es zahlreiche Bio- und Naturkostläden. Doch wann sind sie entstanden?

Naturkostläden und Bio-Supermärkte gehören heute zum festen Bestandteil des Lebensmitteleinzelhandels

Bioprodukte sind in der heutigen Zeit sehr gefragt. Vor allem

  • persönliches Wohlbefinden
  • Qualität und
  • Genuss

stehen bei den Kunden, die auf Bioprodukte setzen, im Vordergrund. Diese schätzen an den Bioprodukten besonders, dass sie keine Pestizide, künstliche Mineraldünger oder Antibiotika-Rückstände enthalten. Auch die artgerechte Tierhaltung spielt für sie eine wichtige Rolle.

Entwicklung der Bio-Läden

Naturkostläden oder Bioläden werden spezielle Lebensmittelgeschäfte genannt, die umweltfreundliche Naturkostprodukte aus der ökologischen Landwirtschaft anbieten.

Früher fristeten Naturkostläden ein Nischendasein. Heute sind sie jedoch nicht mehr wegzudenken. In der heutigen Zeit findet man eine große Auswahl an diesen Geschäften. Doch wann sind die ersten Bioläden entstanden?

Bioläden in den 70er Jahren

Als die ersten Naturkostläden zu Beginn der 70er Jahre entstanden, waren artgerechte Tierhaltung und Umweltschutz noch nicht aktuell. Nur wenige Natur-Freaks nahmen das Angebot der speziellen Lebensmittelgeschäfte wahr und scheuten auch vor kilometerlangen Anfahrten nicht zurück, um Nahrungsmittel, die nicht aus industrieller Massenanfertigung stammten, zu konsumieren. Dabei spielten auch ideologische Motive eine große Rolle.

Der erste deutsche Naturkostladen wurde im Jahr 1971 gegründet und trug den Namen "Peace-Food". Zunächst wurde er von Ramon und Anchalla Markus betrieben, bis ihn in der Mitte der 70er Jahre die Yoga-Organisation Ananda Marga übernahm.

Zu Beginn fristeten die Bioprodukte ein Schattendasein, aber im Laufe der Jahre entstanden immer mehr Naturkostläden und immer mehr Biobauern schlossen sich zusammen und gründeten Verbände.

Aber auch außerhalb der Bundesrepublik Deutschland ging es mit der Biobewegung voran. So wurde im Jahr 1972 die IFOAM (International Federation of Organic Agriculture Movements) ins Leben gerufen, unter deren Dach sich zahlreiche ökologische Landwirtschaftsorganisationen zusammenschlossen.In nur zehn Jahren kam es zu einem Anstieg der Bioläden in dreistelliger Höhe.

Die ersten Großhändler waren ab 1975 tätig und ab 1979 entstanden auch regionale Verteilergenossenschaften. Verkauft wurden zu jener Zeit vorwiegend vegetarische Nahrungsmittel. Diese musste der Kunde oftmals selbst in Kartons oder Säcke abfüllen.

Darüber hinaus wurden aber auch Waren angeboten, die für einen alternativen Lebensstil standen, wie zum Beispiel

Außerdem bildeten die Naturkostläden kommunikative Treffpunkte, in denen die Basisarbeit von unterschiedlichen politischen Gruppen unterstützt wurde.

Bioläden in den 80er Jahren

In den 80er Jahren stieg die Zahl der Naturkostläden in Deutschland auf mehr als eintausend Verkaufsstellen an. Viele Inhaber setzten nun auf ein besseres Erscheinungsbild sowie professionellere Arbeit. Auf diese Weise wurden die Bioläden auch immer mehr für Normalkunden zugänglich.

1988 kam es zum Zusammenschluss der deutschen Bioverbände zur AGÖL (Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau), dessen Nachfolgeorganisation BÖLW (Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft) im Jahr 2002 entstand. In den 80er Jahren legte die Bioszene deutlich zu, sodass die Anzahl der Naturkostläden auf über tausend stieg.

Immer mehr Großhändler spezialisierten sich auf Ökoprodukte. Schließlich wurde 1987 in Mannheim der erste deutsche Biosupermarkt eröffnet. Außerdem entstanden mehrere Zusammenschlüsse wie der Bundesverband Naturkost Naturwaren Einzelhandel e.V. und der Bundesverband der Naturkost- und Naturwaren-Großhändler e.V. Ziel der Verbände war es, die entstandene Fachhandelstruktur zu erhalten.

Bioläden in den 90er Jahren

Durch die zunehmende Professionalisierung der Naturkostläden kam es in den 90er Jahren zu einer Neuausrichtung. So agierten nur noch wenige Bioläden im Sinne der 70er Jahre. Der Großteil der Betreiber sah sich jedoch als kompetenter Anbieter von ökologischen und umweltfreundlichen Produkten. Des Weiteren wurden auch zunehmend Waren wie Fleisch und Zucker angeboten, bei denen es sich jedoch ausschließlich um biologische Erzeugnisse handelte.

1991 wurde die EG-Verordnung zum ökologischen Landbau eingeführt, die ein wichtiges Kontrollelement darstellte. 1999 entstanden auch Richtlinien für tierische Produkte. Motiviert durch den Erfolg der Naturkostläden, versuchten die herkömmlichen Supermärkte dem Naturkosthandel Konkurrenz zu machen, jedoch nur mit mäßigem Erfolg.

Entwicklung bis heute

Im neuen Jahrhundert wurde die Produktpalette weiter ausgebaut und stärker an die Wünsche der Kunden angepasst. Zudem wurde verstärkt Wert auf fachkundige Beratung gelegt. Darüber hinaus entstanden Bio-Supermärkte mit speziellen Fleisch- und Käsetheken sowie Öko-Bäckerei-Shops.

Bio-Läden heute

In der Gegenwart hat Bio aus seinem Nischendasein gefunden. Naturkostläden und Bio-Supermärkte gehören zum festen Bestandteil des Lebensmitteleinzelhandels. Zudem bieten fast alle großen Supermarktketten und sogar die Discounter Bioprodukte in ihren Geschäften an.

Die Produktpalette reicht von

So sind nahezu alle Produkte des täglichen Bedarfs auch als Bioprodukte erhältlich. In der heutigen Zeit setzen die Naturkostläden auch verstärkt auf Lieferservice und stellen den Kunden Warenkisten zusammen.

Bio als Lifestyle-Trend

Zu dem Erfolg der umweltfreundlichen Produkte tragen vor allem die Biokunden bei. Diese betrachten Bio als wichtigen Teil ihres Lebensstils, um dem Körper etwas Gutes zu tun. So ist der Biolifestyle-Trend auch Ausdruck eines neuartigen Qualitätsbewusstseins, dessen Grundpfeiler Gesundheit und Qualität, aber auch Genuss sind.

Noch weiter ist der Biolifestyle-Trend in den Vereinigten Staaten von Amerika, wo bereits ein Drittel der einheimischen Bevölkerung auf Bioprodukte setzt. Dazu gehören auch prominente Namen wie Leonardo DiCaprio und Madonna.

Die Zukunft der Naturkostläden scheint gesichert, denn Wirtschaftsexperten sagen dem Biomarkt wegen seines neuen Images weiteres Wachstum voraus. Doch trifft diese positive Vorhersage tatsächlich zu?

Weniger Naturkostläden in Deutschland als erwartet

In einem gemeinsamen Projekt haben verschiedene Bio-Verbände gemeinsam Daten über die in Deutschland existierenden Bio- und Naturkostgeschäfte gesammelt. Dabei fiel die Anzahl der Läden geringer aus, als die Experten erwarteten.

Insgesamt 2.350 Naturkostläden in ganz Deutschland wurden gezählt. Darunter 400 Bio-Supermärkte, 302 Hofläden und eine große Anzahl an Fachgeschäften. Voraussetzung war, dass bei den Lebensmitteln zumindest 95 Prozent des Sortiments nachweislich als "Bio" gekennzeichnet und von jenen auch ein Vollsortiment vorhanden ist. Hofläden wurden nur dann mitgezählt, wenn sie ein größeres Sortiment an zugekauften Bio-Waren anbieten.

Mehr großflächige Naturkostgeschäfte

Die Schätzungen lagen eigentlich bei 2.500 bis 3.000 Geschäften. Dass es nun weniger sind als erwartet, führen die Experten auf eine interne Umverteilung zurück. So gibt es inzwischen mehr große Bio-Supermärkte mit weitläufiger Verkaufsfläche, dafür weniger kleine Einzelhändler.

Die flächendeckendste Versorgung mit Naturkost findet sich im Süden Deutschlands, namentlich in Bayern und Baden-Württemberg. Im Osten der Republik, mit Ausnahme von Berlin, sind Naturkostläden dagegen eher rar.

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