11. September 2007
Kinderärzte setzen medizinischen Honig für die Wundheilung ein.
(pgk) Honig ist seit Jahrtausenden als Heilmittel bekannt, seine entzündungshemmende Wirkung kommt in der Kosmetik (Honig macht spröde Lippen weich) und als Hausmittel bei Infekten, zum Beispiel in heißer Milch, zum Einsatz.
Bereits seit einigen Jahren setzen Ärzte in der Bonner Universitäts-Kinderklinik einen speziellen medizinischen Honig zur Wundpflege ein. "Abgestorbenes Gewebe wird schneller abgestoßen, und die Wunde heilt rascher", erklärt Wundpflegespezialist Kai Sofka. "Selbst Wunden, die über Jahre partout nicht heilen wollten, lassen sich mit dem Produkt in den Griff bekommen – und das oft innerhalb weniger Wochen", sagt Sofka. Außerdem bereitet der Verbandswechsel den kleinen Patienten weniger Schmerzen, weil sich die Umschläge leicht entfernen lassen, ohne die neu gebildeten Hautschichten zu verletzen.
Der Medizinhonig hat noch weitere nützliche Effekte: "Normalerweise riechen manche Wunden unangenehm – eine enorme Belastung für den Patienten. Der Honig hilft auch dort, indem er geruchsmindernd wirkt", erklärt Sofka.
Auch das zunehmende Problem der Antibiotika-Resistenz in Krankenhäusern scheint mit dem Medizinhonig vom Tisch: Er macht selbst multiresistenten Keimen den Garaus. Andererseits entwickeln – nach bisheriger Erkenntnis – Bakterien keine Resistenz gegen die im Medizinhonig enthaltenen Antiseptika. Krebskranke Kinder profitieren besonders von der heilenden Wirkung des Honigs, da die Medikamente, die sie einnehmen müssen (Zytostatika), die Wundheilung bremsen.
Der Honig, der in Bonn und in mehr als 20 weiteren deutschen Kliniken in der Wundversorgung zum Einsatz kommt, ist ein hochspezialisiertes Medizinprodukt, das nur unter fachlicher Aufsicht eingesetzt werden sollte. Der Hersteller verwendet zwei verschiedene, ganz spezielle Honigsorten und macht sie durch Bestrahlen keimfrei. Deshalb ist von einer Selbstbehandlung mit naturbelassenem Honig, der Bakterien und Sporen enthalten kann, dringend abzuraten.
Honig kann wie alle naturbelassenen Lebensmittel Allergien auslösen oder verstärken. Kinder unter einem Jahr sollten überhaupt keinen Honig essen, denn es besteht die Gefahr – vor allem in den ersten sechs Monaten – an Säuglingsbotulismus zu erkranken, ausgelöst durch den Erreger Clostridium botulinum, der im Honig vorkommen kann. Die (in Mitteleuropa extrem seltene) Infektion führt zu Vergiftungserscheinungen, z. B. Muskellähmungen. Das Risiko ist zwar denkbar gering, sollte sich aber ein Säugling infizieren, ist trotz intensivmedizinischer Behandlung mit bleibenden Schäden zu rechnen.
Deshalb ist es am besten, ganz auf Honig als Bestandteil der Säuglingsnahrung zu verzichten. Denken Sie daran, nicht nur den Honig zum Süßen von Milch oder Tee wegzulassen, sondern auch den "versteckten" Honig: Stillende Mütter sollten ihre wunden Brustwarzen nicht mit Honig pflegen, auch auf dem Schnuller hat Honig nichts zu suchen, bis das Baby älter als ein Jahr ist.
Quellen:
Honig hilft bei Problemwunden, Pressemitteilung der Universität Bonn vom 27.07.2006, /www.uni-bonn.de/
Forschungsinstitut für Kinderernährung Dortmund: http://kunden.interface-medien.de/fke/
Robert Koch-Institut, Fallbericht Säuglingsbotulismus, in: Epidemiologisches Bulletin 37/1998
Schinkhof/Christen: Säuglingsbotulismus, in: Pädiatrie hautnah, 07/2006
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