15. April 2009
Von Viola Reinhardt
Das Leipziger Allerlei wird zu Unrecht zum Mischgemüse am Tellerrand degradiert. Einst war es das Essen der gehobenen Bürgerschicht und zudem eine Hauptspeise, nicht einfach nur eine Beilage. Der Inhalt der Dosen, auf denen "Leipziger Allerlei" steht, hat in den meisten Fällen wenig bis nichts mit dem Original zu tun. Nachdem die sächsische Spezialität jahrzehntelang stiefmütterlich behandelt wurde, besinnt man sich nun langsam wieder der alten Rezepte.
Wie der Name schon verrät, handelt es sich beim Leipziger Allerlei um eine Spezialität aus dem sächsischen Leipzig. Der Legende nach wurde es ersonnen, um die damals sehr reiche Stadt nach den napoleonischen Kriegen vor Steuereintreibern und Bettlern zu schützen. Dem Leipziger Stadtschreiber Malthus Hempel werden die folgenden Worte zugeschrieben: "Verstecken wir den Speck und bringen nur noch Gemüse auf den Tisch, sonntags vielleicht ein Stückchen Mettwurst oder ein Krebslein aus der Pleiße dazu. Und wer kommt und etwas will, der bekommt statt Fleisch ein Schälchen Gemüsebrühe und all die Bettler und Steuereintreiber werden sich nach Dresden und Halle orientieren."

Die Grundlage für das Leipziger Allerlei bildet ein bunter Gemüsemix
Ganz so schlicht war aber das ursprüngliche Leipziger Allerlei nun auch nicht. Neben frischem Frühlingsgemüse wie Erbsen, Möhrchen, Spargel, zartem Kohlrabi, Bohnen und Blumenkohl finden sich im originalen Leipziger Allerlei auch Flusskrebse und frische Morcheln. Obenauf gab es zerlassene Krebsbutter und frische Petersilie. Wichtig war und ist, dass alles schön knackig und bissfest gekocht wird.
Das originale Allerlei ist jedoch auch eine rechte Kalorienbombe. Das gekochte Gemüse wird nach dem Garen in gesalzener Butter geschwenkt, die Morcheln in Krebsbutter und obendrauf kommt laut Rezept ebenfalls Krebsbutter oder braune Butter. Für kalorienbewusste Köche lässt sich dies natürlich umgehen, indem das Gemüse nur gedünstet statt gekocht wird, statt der Unmengen an Butter tut es auch ein wenig Krebsbutter. Die verleiht dem Allerlei seinen ursprünglichen Geschmack.

Leipziger Allerlei frisch angerichtet
Der Fantasie sind beim Variieren des Rezeptes kaum Grenzen gesetzt. Statt der Krebse können auch Krabben benutzt werden. Wer gar keine Wasserfrüchte mag, kann sie auch durch Filetspitzen vom Rind, Schwein oder Geflügel ersetzen. Auch, ob dem Allerlei eine Sauce hinzugefügt wird oder nicht, ist jedem selbst überlassen. Im Sinne des Erfinders sind vor allem die Frische der Zutaten und ihre Knackigkeit wichtig. Wer also seinen Lieben oder gar seinen Gästen ein echtes Leipziger Allerlei servieren will, sollte besser auf die Dose oder die Tiefkühlmischung verzichten und alle Zutaten frisch zubereiten.
Angesichts der internationalen Gerichte die auch hierzulande seit Jahrzehnten eifrig angeboten oder nachgekocht werden, kann man mit dem Leipziger Allerlei nicht nur ein handfestes Essen auf den Tisch bringen, sondern auch noch so ganz nebenbei der eigenen Kreativität freien Lauf lassen, denn die Gemüsewelt bietet eine riesige Auswahl, so dass man das eine oder andere ungeliebte Gemüse durchaus durch ein anderes ersetzen kann. Ein Küchentipp, der gerade zur beginnenden Frühlingszeit eine bunte Palette an Saisongemüse bereithält und somit auch Frühlingsfit macht.
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