30. Mai 2009
Von Andreas Hadel
Milch gehört zu den perfekten Nahrungsmitteln, die Mutter Natur ohne Zutun des Menschen schaffen kann. Die in vielen Kulturen als Lebenssaft zelebrierte weiße Flüssigkeit versorgt uns mit Protein, Kohlenhydraten, Mineralien und Vitaminen genau dann, wenn wir es am dringendsten brauchen: Nach unserer Geburt. Babies erfahren in den ersten 72 Stunden ihres Lebens ein rasantes Wachstum. Das liegt nicht nur an genetischen Faktoren, sondern auch zum großen Teil an der Muttermilch.

Interessanterweise produzieren die frisch gewordenen Mütter zunächst eine spezielle Form der Muttermilch, das sogenannte Kolostrum, das auch als Kolostralmilch, Vormilch oder Erstmilch bezeichnet wird. Kolostrum ist in seiner Zusammensetzung weitaus komplexer als die normale Muttermilch. Neben Proteinen enthält es eine größere Anzahl an Enzymen, Insulinähnlichen Wachstumsfaktoren und Antikörper. Letztere sind für die noch sehr krankheitsanfälligen Neugeborenen überlebenswichtig. Ungefähr 18 Stunden nach der Geburt beginnt die weibliche Milchdrüse die Zusammensetzung des Kolostrums zu ändern, bis nach etwa fünf Tagen nur noch normale Muttermilch produziert wird.
Die Wissenschaft hat das Kolostrum als entscheidenden Grund für das schnelle Wachstum in den ersten Lebenstagen identifiziert. Hierbei spielen vor allem die in der Kolostralmilch enthaltenen Insulinähnlichen Wachstumsfaktoren (IGF-1) eine bedeutende Rolle. Seit Mitte der 90er Jahre gilt es auf Grund zahlreicher Studien als gesichert, dass IGF-1 die Proteinsynthese fördert und damit direkt zum Muskelwachstum beiträgt. Die Kombination der Insulinähnlichen Wachstumsfaktoren und den in der Erstmilch enthaltenden Aminosäurenim machen das Kolostrum zu einer natürlichen anabolen Substanz und kann daher als Supplement eine sinnvolle Ergänzung in der Ernährung ambitionierter Sportler sein, die an Muskelaufbau und einer schnellen Regeneration interessiert sind.
Neben seiner anabolen Wirkung kann Kolostrum bei Ausdauersportlern auch zu einen metabolen Effekt führen. Den Grund hierfür findet man ebenfalls im IGF-1, den Insulinähnlichen Wachstumsfaktoren. Untersuchungen haben bestätigt, dass IGF-1 die Lipoporteinlipase anregt und gleichzeitig die Insulinaktivität in den Fettzellen hemmt. Infolgedessen wird der Fettstoffwechsel erhöht, der wiederum bei Ausdauerleistungen die zentrale zentrale Rolle bei der Energiebereitstellung spielt.
Was sich zunächst nach einer theoretischen Herleitung anhört, wurde in der Praxis bereits mehrfach bewiesen. Bei einer der bekanntesten Studien absolvierten 38 Männer ein 8-wöchiges Lauftraining. Dabei wurden die Probanden in zwei Gruppen eingeteilt. Die eine Gruppe bekam 60g Kolostrum pro Tag zugeführt, die andere erhielt hingegen täglich ein Placebo-Präparat. Zu Beginn der Testzeitraums mussten alle Teilnehmer einen Belastungstest auf dem Laufband absolvieren. Dessen Auswertung zeigte, dass sich beide Gruppen vom Leistungsniveau nicht signifikant unterschieden. Auch nach vier Wochen, als der Belastungstest wiederholt wurde, waren keine großen Unterschiede zu erkennen. Am Ende des 8-wöchigen Trainings hingegen, zeigten Männer der Kolostrum-Gruppe eine deutlich höhere Leistung, als die Teilnehmer, die das Placebo erhalten haben. Die Kolostrum-Probanden konnten nicht nur weiter laufen, sondern hatten bei der dem Belastungstest anschließenden Blutuntersuchung auch niedrigere Kreatinkinase-Werte aufzuweisen. Diese Beobachtung deutet darauf hin, dass Kolostrum auch den Umfang an Muskelschäden, die während einer intensiven körperlichen Belastung üblicherweise auftreten, verringern kann, wodurch der Athlet widerstandsfähiger gegenüber harter Trainingseinheiten wird und sich schneller erholen kann.
Der Nutzen von Kolostrum geht jedoch über den sportlichen Bereich hinaus. Insgesamt enthält die Erstmilch mehr als 37 verschiedene natürliche Immunfaktoren und mehr als 8 Wachstumsfaktoren, die das menschliche Immunsystem stabilisieren und stärker machen.
Zudem legen neuere Forschungsarbeiten und Beobachtungen aus der Praxis nahe, dass Kolostrum eine unterstützende Wirkung bei der Bekämpfung von Asthma und allergischen Reaktionen hat.
Weitere positive Effekte, die bei einer Einnahme von Kolostrum beobachtet werden konnten, sind die folgenden:
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