Verhaltensauffällige Kinder: Vorbild sein und Überforderung vermeiden

Verhaltensauffällige Kinder sind schon längst keine Einzelfälle mehr. Die Gründe für ein gestörtes Sozialverhalten sind vielfältig und können seelischer oder körperlicher Natur sein. Doch wie äußern sich Verhaltensauffälligkeiten und welche Möglichkeiten haben Eltern, wenn ihre Kinder Schwierigkeiten im Umgang mit anderen Menschen haben?

Zappelphilipp, Schlafmütze oder Rüpel - heute werden bis zu 25 Prozent der Kinder als verhaltensauffällig eingestuft

Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern äußern sich durch verschiedene Anzeichen.

  • Aggressivität,
  • Sprachschwierigkeiten,
  • Zerstörungswut,
  • Kontaktlosigkeit,
  • mangelndes Selbstvertrauen oder
  • Ängstlichkeit

gehören zu den typischen Merkmalen.

Als Auslöser für Verhaltensauffälligkeiten gelten körperliche Ursachen, aber auch traumatische Ereignisse wie der Tod eines Angehörigen oder Missbrauch.

Der genaue Ursprung für ein gestörtes Verhalten lässt sich nur von einem Facharzt herausfinden, denn oft sind die Auslöser sehr komplex, eine genaue Diagnose kann generell nur unter Berücksichtigung individueller Faktoren erfolgen.

Einteilung der Symptome in drei Gruppen

Häufig werden Verhaltensauffälligkeiten im Kindergarten festgestellt. Die Kleinen

  • verhalten sich egoistisch,
  • zeigen motorische Unruhe,
  • suchen Streit,
  • können sich nicht in die Gemeinschaft einfügen,
  • weisen Konzentrationsprobleme auf,
  • spielen permanent den Kasper oder
  • haben große Hemmungen.

Diese ganzen Anzeichen können einzeln oder in Kombination auftreten. Die Symptome lassen sich grob in drei Gruppen einteilen:

  • Gestörtes Sozialverhalten
  • Eingeschränkte Leistungsfähigkeit
  • Zuordnung von Auffälligkeiten in den emotionalen Bereich

Besonders wichtig ist es, keine übereilten Schlüsse zu ziehen und alle möglichen Ursachen in eine Bewertung von verhaltensauffälligen Kindern einzubeziehen. Entwicklungsphasen, die gegenwärtige Situation und das Umfeld des Kindes spielen in diesem Rahmen eine bedeutende Rolle. Für Eltern ist es oft besonders schwer, die nötige Objektivität zu zeigen, da sie sich häufig selbst in einem größeren Konflikt mit ihrem Kind befinden.

Bei anhaltenden Verhaltensauffälligkeiten sollten sich Eltern zunächst an den Kinderarzt wenden. Kann der Arzt körperliche Ursachen ausschließen, wird er geeignete Stellen zur Behandlung empfehlen, zum Beispiel einen Kinderpsychologen oder eine sozialpädiatrische Schwerpunkteinrichtung. Sozialpädiatrische Einrichtungen gibt es in allen größeren Städten. Dort werden Maßnahmen zur Prävention, Diagnostik, Behandlung und Förderung angeboten.

Beratungsstellen bieten Lösungen für "Problemkinder"

Bundesweit gibt es Beratungsstellen, die Lösungen für sogenannte Problemkinder entwickeln. Geschulte Teams klären zunächst, ob es sich bei dem Verhaltensmuster lediglich um einen besonders ausgeprägten Charakterzug handelt oder ob die Auffälligkeiten behandlungsbedürftig sind. Die Kinder werden eingehend untersucht, gleichzeitig erfolgt die Einbeziehung der Familie in die Ursachenforschung. Dabei geht es insbesondere um die Frage, ob ein Kind nur ein wenig schwierig ist oder ob eine psychische oder physische Erkrankung vorliegt.

Manchmal erleben Eltern das Verhalten ihrer Kinder als problematisch, obwohl nur bestimmte Wesenszüge stärker hervortreten. Häufig stufen Erwachsene bereits eine starke Lebhaftigkeit als verhaltensauffällig ein.

Schwierig wird es dann, wenn Kinder im Kindergarten oder in der Schule Probleme haben, Kontakte zu knüpfen, ständig unerklärlich psychosomatische Beschwerden wie Magenschmerzen haben oder sozial isoliert sind.

Handelt es sich um eine behandlungsbedürftige Verhaltensauffälligkeit, werden mithilfe moderner Diagnoseverfahren individuelle Therapien entwickelt.

Wie können Eltern mit der Situation umgehen?

Stellen Eltern ein länger andauerndes auffälliges Verhalten fest, sollten sie zunächst ein Gespräch mit dem Kind führen und erfragen, aus welchem Grund es sich so verhält. Bei solchen Gesprächen können Eltern wichtige Anhaltspunkte finden, beispielsweise, dass ihr Kind nicht mit einem bestimmten Lehrer zurecht kommt, Ärger mit einem anderen Kind hat oder gemobbt wird.

Eltern helfen ihren Kindern, ihr Selbstwertgefühl zu steigern, indem sie herausfinden, wo deren Fähigkeiten umd Interessen liegen, um diese zu fördern. Es ist vor allem wichtig, eine vertrauensvolle Basis zu schaffen und Akzeptanz zu zeigen.

Weitere Tipps zum Umgang mit Verhaltensauffälligkeiten:

  • Überforderungen vermeiden und schrittweise Regeln aufstellen
  • Vorbild sein und auch bei aggressivem Verhalten ruhig bleiben
  • Ermutigen und loben
  • Grenzen aufzeigen und klar verständliche Regeln aufstellen
  • Keine endlosen Diskussionen führen
  • Konsequenzen nicht nur erklären, sondern auch durchsetzen
  • Mit Erziehern und Pädagogen in Kindergarten und Schule sprechen

Beobachten Eltern über einen längeren Zeitraum ein auffälliges Verhalten, sollten sie sich so früh wie möglich an einen Arzt oder eine Beratungsstelle wenden. Denn je eher eine Diagnose gestellt wird, desto schneller kann eine geeignete Therapiemethode gefunden werden. Mit einem auf die jeweilige Situation abgestimmten Therapieplan lassen sich dank moderner Behandlungsverfahren große Erfolge erzielen.

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  • Jungs streiten miteinander © sabine hürdler - www.fotolia.de

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