25. Oktober 2008
Von Andreas Hadel
Kleine Kinder sind in vielerlei Hinsicht erstaunlich flexibel. Jemand, der eben noch doof war, kann im nächsten Moment der beste Freund auf den Spielplatz sein. Und das Gameboy-Spiel, das so viel Spass macht, ist nach ein paar Tagen nur noch gähnend langweilig. Beim Essen allerdings, können die kleinen Erdenbürger eine erstaunliche und unverrückbare Abneigung entwickeln.
Das Misstrauen gegenüber Essen ist ein völlig normaler Teil der kindlichen Entwicklung. Kleine Kinder sind von Natur aus neophobisch und betrachten fast alles Neue mit einer gehörigen Portion Skepsis. Selbst die aufopferndsten Eltern können an der infantilen Hartnäckigkeit scheitern, wenn sie den Nachwuchs dazu bringen wollen, eine bisher unbekannte Speise zu probieren. Häufig endet es so, dass die Eltern ihren Kleinen es gestatten, sich von stark gezuckerten Cornflakes und Limonaden zu ernähren. Das wäre immerhin besser, als wenn sich die Kinder vollends der Nahrungsaufnahme verweigern, so die Annahme der verzweifelten Eltern.
Mit ein paar winzigen Strategien lässt sich jedoch auch am Esstisch die kindliche Flexibilität herauslocken und entfalten.
Denkt man an den heißen Herd, kochendes Wasser und scharfe Messer, so ist es mehr als verständlich, dass einige Eltern ihre Kinder vorsichtshalber möglichst nicht in der Küche haben wollen, wenn gerade das Essen zubereitet wird und sich mehrere potentielle Gefahrenquellen für Kinderhände gleichzeitig auftun. Studien haben allerdings gezeigt, dass es sehr wichtig ist, Kinder in die Essenszubereitung mit einzubeziehen, damit diese ein natürliches Verhältnis zu Lebensmitteln aufbauen. So schwindet auch schneller die Skepsis gegenüber jene Nahrungsprodukte, die der kleine Chefkoch von morgen noch nie in seinem bisher jungen Leben gesehen hat.
Dass das tatsächlich hilft, zeigt eine englische Studie bei der fast 600 Kinder im Alter von vier bis zwölf Jahren in einem Seminar für eine gesunde Essweise begeistert werden sollten. Einige von den Kindern durften zusätzlich an Koch-Workshops teilnehmen. Wie die Auswertung gezeigt hat, wählten die kleinen Praktiker in der Cafeteria ihre Speisen sorgfältiger aus und fragten sogar nach Nachschlag.
Andere Studien haben deutlich gemacht, dass die meisten Kinder ablehnend reagieren, wenn Eltern sie mit Nachdruck davon überzeugen wollen, ein bestimmtes Gericht zu essen. Das ist auch dann der Fall, wenn eine Belohnung angeboten wird. Offenbar kann das Anbieten einer Belohnung die Ablehnung gegenüber eines Lebensmittels sogar verstärken. Forscher haben in einer Studie den kleinen Probanden Aufkleber und TV-Gucken versprochen, wenn sie zum Frühstück Milch trinken und einen Obstsalat essen würden. Die meisten Kinder ließen sich zwar auf den Handel ein, sagten aber im Anschluss, dass sie das Essen trotzdem nicht mochten.
Ein besserer Ansatz ist es, das Essen auf den Tisch zu stellen und den Nachwuchs zu ermutigen, es einfach zu probieren. Dabei ist es laut Kinderpsychologen jedoch wichtig neutral zu bleiben. Wenn das Kind es nicht probieren möchte, sollte man keine Enttäuschung zeigen. Das trifft ebenfalls auf überschwängliche Lobeshymnen zu, falls der Salat doch zwischen den Milchzähnen landet.
Ein anderer Fehler, den Eltern machen können, ist das Verstecken von Süßigkeiten. Natürlich liegt die Vermutung nahe, dass Kinder häufiger zu Gummibären und Schokolade greifen, wenn sie offen in der Küche herumliegt. Mehrere Studien und sicher auch unsere eigene Erfahrung hat jedoch gezeigt, dass die Lust auf Verbotenes unermesslich größer ist.
Die Lektion für Eltern muss daher lauten, ungesunde Dinge erst gar nicht bzw. nur selten nach Hause zu bringen. Kaufen Sie stattdessen gesunde Snacks und verbieten Sie nie ihren Kindern den Zugang zum Speiseschrank.
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