10. April 2008
(pgk) Immer häufiger stehen Beikostprodukte zur Flaschenfütterung in den Regalen diverser Drogerien und Lebensmittelmärkte. Verschiedene Anbieter werben mit diesen "Trinkmahlzeiten" und "Trink-Breis". Sie seien praktisch, zeitsparend und daher besonders für gestresste Eltern attraktiv.

Jedoch warnt die Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ), dass solche Milch-Getreide-Fläschchen unverantwortlich seien und die Gesundheit gefährden würden. Sie entsprächen nicht der europäischen Gesetzgebung zu Säuglings- und Folgenahrungen. Denn die europäische Säuglingsnahrungsrichtlinie legt fest, dass zur Flaschenfütterung von Säuglingen und Kleinkindern geeignete Produkte eine Energiedichte von 60 bis 70 Kalorien pro 100 Milliliter (ml) aufweisen müssen. Der Energiegehalt der Mehrzahl dieser Produkte liegt hingegen bei 80 bis 110 Kalorien/100 ml. Das Problem besteht darin, dass schneller als beim Löffeln von Breimahlzeiten große Kalorienmengen weggetrunken werden.
Die hohe Energiedichte dieser Trinknahrungen sei laut der DGKJ bei gesunden, nicht unterernährten Kindern gänzlich ungeeignet. Es bestehe bei einem regelmäßigen Verzehr ein erhöhtes Risiko für Überfütterung, übermäßige Gewichtszunahme im Säuglings- und Kleinkindalter und späteres massives Übergewicht. Zudem seien solche Fläschchenfütterungen mit glutenhaltigem Getreide abzulehnen, da Untersuchungen aus Schweden ergaben, dass bei den Kindern die Gefahr bestehe, eine schwer verlaufende Zöliakie (Gluten-Unverträglichkeit) zu entwickeln. Darüber hinaus würde das Nuckeln solcher kohlenhydratreichen Produkte Frontzahnkaries (Nuckelflaschenkaries) begünstigen.
Heike Brinkmann-Reitz, Ernährungswissenschaftlerin beim Deutschen Grünen Kreuz e.V., rät Eltern, den Abendbrei selbst zu kochen: "Einfach 20 Gramm Vollkorngrieß oder -flocken in 200 ml heiße Milch einrühren und aufkochen. Den Brei abkühlen lassen und vor dem Füttern noch 20 Gramm Obstmus oder Obstsaft zufügen." Diesen Milch-Getreidebrei sollte es ab dem achten Lebensmonat geben.
Quelle:
Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin: Vermarktung von Beikostprodukten zur Flaschenfütterung. Stellungnahme, Monatsschrift Kinderheilkunde 2007, 155: 968-970, www.dgkj.de/929.html
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