Verbesserte Prothesen sollen Amputierten mehr Feedback über Bewegungen geben

Handprothesen mit winzigen Vibratoren könnten zukünftig für "inneres Fühlen" sorgen

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  • von Paradisi-Redaktion
Nahaufnahme greifende Hand auf weißem Hintergrund

Bei der Amputation eines Armes erhalten viele Patienten die Möglichkeit, eine moderne TMR-Prothese zu bekommen. Das Kürzel steht für "Targeted Muscle Reinnervation", denn über implantierte Elektroden im Körper und kleine Motoren in den Prothesen können viele Bewegungen neu erlernt werden.

Dafür greift die Medizin auf den Umstand zurück, dass die Nervenenden im Stumpf bis zu diesem Endpunkt funktionstüchtig sind. Sie werden in einer Operation nun umgeleitet und mit einem noch vorhanden Muskel (meist im Brustbereich) verbunden. Dieser Muskel wiederum wird mit der Prothese verknüpft. So können die Patienten in der Reha lernen, beispielsweise an "Faust" zu denken und die dafür zuständigen Nerven aktivieren den Brustmuskel, der wiederum die Prothese tatsächlich zur Faust werden lässt.

Kein gefühltes Feedback bei TMR-Prothesen

Dennoch entscheiden sich nicht wenige Patienten gegen die modernen Prothesen, da das Erlernen der Grob- und Feinmotorik eine lange Reha-Phase mit sich bringt. Das Problem ist, dass auch diese modernen TMR-Prothesen kein gefühltes Feedback geben können. Die Patienten spüren nichts und müssen daher gleichzeitig hinsehen, um die Position der Prothese einzuschätzen. Bei einer gesunden Hand hingegen ist deren gezielte Bewegung durch unsere innere Wahrnehmung, Propriozeption genannt, selbst in völliger Finsternis möglich.

"Inneres Fühlen" durch verbesserte Prothesentechnik

Verbesserte TMR-Prothesen sollen künftig dieses "innere Fühlen" der Bewegungen ebenfalls ermöglichen. Dafür müssen winzige Vibratoren über den Muskeln angebracht werden. Sie starten sich selbst, sobald die Prothese bewegt wird und ihre Schwingungen vermitteln dem menschlichen Gehirn den Eindruck der gefühlten Bewegung.

In einem Test mit drei Freiwilligen funktionierte dies bereits gut. Die drei Patienten lernten dank der verbesserten Prothesen viel schneller, wie sie diese auch ohne Hinsehen gezielt bewegen können. Dennoch waren die Ergebnisse am besten, wenn gleichzeitig visuelles Feedback durch die Augen möglich war. Die Forschung ist jedoch offenbar auf dem richtigen Weg.

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